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Rheinbacher Pilgerpfadsweiher: Neues Bett für den Eulenbach

Rheinbacher Pilgerpfadsweiher : Neues Bett für den Eulenbach

Verwunschene Gewässer und verschlungene Pfade geben den sogenannten Pilgerpfadsweihern im Rheinbacher Stadtwald ihr Gesicht. Nur: Oftmals führt der Eulenbach, der die fünf Weiher speist, deutlich zu wenig Wasser.

Der Gilb steckte bereits in den alten dicken Aktenkladden aus der Zeit korrekter Preußenbürokratie, die Carmen Manderfeld, Geografin vom Sachverständigenbüro "Die Gewässerexperten" aus Lohmar, ausführlich studiert hat. Die Dokumente aus dem 19. Jahrhundert studierte die Fachfrau, um sich ein allumfassendes Bild von der Historie der Weiher im Rheinbacher Stadtwald zu machen.

Mehr Sauerstoff für die Weiher

Wie der beklagenswerte Zustand des Baches und der Weiher verbessert werden kann, darüber hatte Manderfeld bereits im Juni dem Ausschuss für Stadtentwicklung: Umwelt, Planung und Verkehr berichtet. Anfang September hörten rund 60 Interessierte den Planern der "Gewässerexperten" zu, mit welchem ökologischen Konzept sie die Pilgerpfadsweiher erhalten wollen (der GA berichtete). Mittels Klebepunkten gaben die Zuhörer der Bürgerinformation ihr Votum ab, welche der vier Varianten sie bevorzugten.

Das Ergebnis, das Manderfeld jetzt im Ausschuss präsentierte, war für die Vertreter von CDU, SPD, FDP, UWG und Grünen keine Überraschung: Die Waldnutzer wollen eine Neutrassierung des Eulenbachs, damit die Weiher ausreichend sauerstoffreiches Wasser bekommen.

Hintergrund: Vor 300 Jahren ist der Eulenbach umgeleitet worden zwecks besserer Versorgung städtischer Einrichtungen wie der Stadtgräben in der Kernstadt mit Wasser - etwa in Höhe der heutigen Waldkapelle. Den Pilgerpfad selbst legten emsige Hände des Rheinbacher Verschönerungsvereins 1884 an, der durch den Stadtwald an den Pilgerpfadsweiher vorbei bis zur Waldkapelle führte. Die gute Nachricht: 90 Prozent der Kosten fürs Ökologieprojekt übernimmt das Land.

"Es geht primär um die ökologische Funktion von Bach und Weihern"

Hans-Peter Höfel (CDU) will in Sachen Sanierung aufs Tempo drücken: "Bis 2017 wird erst mal nichts geschehen", vermutet der Christdemokrat. Höfel ist dafür, dass schon jetzt ein provisorischer Zulauf zum Eulenbach geschaffen wird. "Sonst werden wir bis 2017 dort keinen Fisch mehr haben - die sind dann alle an Sauerstoffmangel erstickt." Die auserkorene Neutrassierung erfülle gleich drei wichtige Kriterien: Diese Variante erhält die bei Erholungssuchenden und Spaziergängern beliebten Weiher, belässt den Eulenbach in seinem Ursprung und erfüllt zudem die Vorgaben der Europäischen Wasserrichtlinie.

Die besagt, dass die Kommune verpflichtet ist, sogenannte Oberflächengewässer wie die im Stadtwald bis 2027 in einen "guten ökologischen Zustand" zu versetzen. Nils Lenke (Grüne) sprach sich auch für die vorgestellte Variante aus, unterstrich aber gleichzeitig, dass das Areal nicht den Anschein eines Freizeitparks erwecken dürfe. "Es geht primär um die ökologische Funktion von Bach und Weihern", erklärte Lenke. Er sprach sich dafür aus, einige der fünf Weiher vom Bach zu trennen, was ökologisch sinnvoll erscheine.

Bernd Beißel (CDU) bezeichnete diesen Ansatz des Grünen als "radikalökologisch" und unangebracht. Die Menschen schätzten den Erholungswert dieses Waldstücks mit seinen Pilgerpfadsweihern. "Darum sprechen wir uns gegen eine Trockenlegung aus", sagte Beißel. "Den Vorwurf der Radikalökologie sehe ich als Kompliment", sagte Lenke amüsiert.

Einstimmig votierte der Ausschuss dafür, dem Eulenbach zwischen erstem und drittem Weiher ein neues Bachbett zu geben. Der zweite Weiher wird aufgegeben, da die Sanierung des dortigen Damms laut Verwaltung aufwendig und kostenintensiv wäre. Die Kosten liegen bei bis zu rund 160 000 Euro.