Platz für 100 Lernende: Neuer Wohnraum an der Rheinbacher Glasfachschule

Platz für 100 Lernende : Neuer Wohnraum an der Rheinbacher Glasfachschule

Das Jugendwohnheim an der Rheinbacher Glasfachschule hat seine Kapazitäten erweitert. Konnten bis Sommer vergangenen Jahres 78 Schüler in den 39 Doppelzimmern des 1997 eröffneten Wohnheims leben, sind es nunmehr 100 Lernende.

Grün, grün und nochmals grün ist die beherrschende Farbe. Der Blick aus dem Fenster einer Wohnung des Jugendwohnheims verheißt aber eine alles andere als eintönige Aussicht auf Fauna und Flora zwischen Rheinbach und Wormersdorf, auf Obstplantagen, Wildtiere und die Tomburg. Den Schülern der Glasfachschule, die hier leben, offeriert sich ein entschleunigtes Panorama auf Natur und Landwirtschaft der Voreifel – eine Seelenpause für die Fachkräfte von morgen. „Aus meinem Büro sehe ich täglich Hasen, Pferde und manchmal sogar einen Fasan“, berichtet Ingo Steins, der seit April 2018 zusammen mit seiner Frau Alexandra Unkelbach das Wohnheim an der Straße mit dem naheliegenden Namen „An der Glasfachschule“ leitet.

Konnten bis Sommer vergangenen Jahres 78 Schüler in den 39 Doppelzimmern des 1997 eröffneten Wohnheims leben, sind es nunmehr 100 Lernende. Das Haus hat seine Kapazitäten gehörig erweitert. Für die Erweiterung mussten nicht einmal Bagger anrücken: Neu ist, dass einige Räume zu Dreibettzimmern geworden sind. „Dies wurde notwendig, da es für das neue Ausbildungsjahr über 100 Anmeldungen für das Wohnheim gab“, erklärt Steins. Er ist Diplom-Sozialpädagoge, evangelischer Diakon, staatlich geprüfter Landwirt und als Geschäftsführer für die gemeinnützige GmbH angestellt, die das Wohnheim betreibt. Alexandra Unkelbach ist Juristin und promovierte Verwaltungswissenschaftlerin und verantwortlich für die kaufmännische und verwalterische Leitung des Hauses.

Ehemaliger Bewohner kommt mit Geschenken

Ein Glasfachschüler, der die Nähe zur Berufsschule auf der gegenüberliegenden Straßenseite und die ruhige Lage drei Jahre lang genossen hat, wie er selbst sagt, ist Dirk Tausend aus dem ostwestfälischen Kirchlengern. Von 1998 bis 2001 lebte der angehende Flachglasmechaniker und spätere Glasveredlermeister während der Berufsschulphasen im Jugendwohnheim. 18 Jahre später ist er von Ostwestfalen erneut nach Rheinbach gekommen, um seiner Unterkunft von einst ein besonderes Geschenk zu machen: Zusammen mit den fünf Azubis Vivien Tomaszewski, Nicole Düfelmeyer, Ricardo Wiebe, Peter Marvin Braun und Seyhan-Timur Cekerek hat Tausend, mittlerweile Ausbildungs- und Betriebsleiter von Glaswerke Haller aus Kirchlengern, ein repräsentatives Begrüßungsschild des Jugendwohnheims erstellt – aus Glas selbstverständlich. „Ich wollte diesem Haus gern etwas zurückgeben“, berichtet Tausend. Noch immer verbringen die Auszubildenden seines Unternehmens, Spezialisten für technische Gläser und Sicherheitsgläser mit rund 180 Mitarbeitern, ihre Berufsschulphasen im Jugendwohnheim. „Viele unserer Azubis verlassen die Glasfachschule als Jahrgangsbeste. Davon profitieren wir als Unternehmen ungemein“, findet der Betriebs- und Ausbildungsleiter. Während auf der Vorderseite der Glastafel das Logo des Jugendwohnheims prangt, ist auf der Rückseite beim Verlassen des Wohnheims der motivierende Satz „Hab einen schönen Tag“ in acht Sprachen zu lesen .

Die Kunstfertigkeit der Glasfachschüler könnte sich Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz auch in anderen Bereichen der Glasstadt vorstellen. „Wir haben noch eine ganze Reihe von Versorgungskästen, die sicher anders gestaltet werden könnten“, meint Raetz. Das Material, um aus einem zweckmäßigen Alltagsgegenstand ein Kunstwerk zu schaffen, könne über Sponsoren beschafft werden, glaubt er. Die Glasstadt ist mit einem Anteil von 64 Prozent Hauptgesellschafter der gemeinnützigen Betreibergesellschaft des Jugendwohnheims. Ferner sind dies der Verein von Freunden und Förderern der Staatlichen Glasfachschule (24 Prozent), der Glaserinnungsverband, die Ardagh Glass GmbH und die Saint-Gobain Deutschland GmbH (jeweils vier Prozent). Das Wohnheim werde – nicht nur wegen seiner Nähe zur Natur – von den Schülern durchweg gut angenommen, berichtet Steins. Zusätzlich zu den Berufsschülern, die während ihres Blockunterrichts in Rheinbach zu Gast sind, können, wenn freie Kapazitäten vorhanden sind, auch andere Schüler und Studenten im Heim untergebracht werden. Und: „In den NRW-Schulferien versuchen wir, unsere Zimmer frei zu vermieten, bevorzugt an Kinder- und Jugendgruppen, aber auch an Seminare, Schulungsgruppen oder andere Gruppen“, so Steins. Das Haus ist auch Teil des Pilgerverzeichnisses. „Von Bonn aus sind wir die erste Pilgerunterkunft nach Santiago de Compostela“, weiß Ingo Steins.

Großes Freizeitangebot vor Ort

Schüler wie Gäste profitieren von den vielen Freizeitmöglichkeiten des Jugendwohnheims wie Kicker, Billard, Tischtennis und Dart. Es gibt einen Musikübungsraum mit Schlagzeug, Keyboard, E-Gitarren und neuerdings auch einen sogenannten Escaperoom. Bücher und Spiele können ausgeliehen werden. Bewegung wird in der Sporthalle der Glasfachschule großgeschrieben.

Für Schüler, die Probleme in einzelnen Fächern haben, werden „arbeitsbegleitende Hilfen“ durch die pädagogischen Mitarbeiter im Wohnheim angeboten. Ferner sind eine Grillhütte und ein Bolzplatz vorhanden. Die Lautstärke dort ist zumeist so eingerichtet, dass Fasane und Hasen nicht verschreckt werden.

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