Rundgang durch das grüne Klassenzimmer: Naturparkzentrum in Rheinbach wird neu eröffnet

Rundgang durch das grüne Klassenzimmer : Naturparkzentrum in Rheinbach wird neu eröffnet

Nach einem Umbau von sechs Monaten öffnet das Rheinbacher Naturparkzentrum im Himmeroder Hof seine Tore wieder. Ein besonderes Highlight ist das grüne Klassenzimmer.

Alle Wege führen bekanntlich nach Rom. Demjenigen, der im Herzen Rheinbachs nicht unbedingt die Hauptstadt Italiens, sondern das kürzlich eröffnete Römerkanal-Informationszentrum als Ziel ins Auge gefasst hat, tun sich im Eingangsbereich des Naturparkzentrums im Himmeroder Hof verschiedene Möglichkeiten auf. Das neu gestaltete Naturparkzentrum dient gleichsam als Ouvertüre, wobei das Informationszentrum entweder auf direktem Weg entlang einer multimedialen Dokumentation über den Römerkanalwanderweg oder rechter Hand im wörtlichen Sinn nach einem Gang durch das Tor zur Eifel erreichbar ist.

Wer sich den kleinen Schlenker durch den rund 120 Quadratmeter großen Raum leistet, taucht tief in die Region ein und erfährt Wissenswertes über die Landschaft und Kultur vor der Haustür. Nach der knapp sechsmonatigen Umbauphase, während der das zehnköpfige Team um die pädagogische Einrichtungsleiterin Jutta Hasselbach das vielfältige Veranstaltungsangebot durch Besuche in Kindergärten und Schülern aufrechterhalten hat, wird der außerschulische Lernort mit seiner neu konzipierten Ausstellung seinem Bildungsauftrag in bewährter Form gerecht. Unter der Regie des Zweckverbands Naturpark Rheinland ist hier ein barrierefreies, grünes Klassenzimmer entstanden, an dessen Infotheke touristische Auskünfte, kostenfreie Broschüren, sowie Rad- und Wanderkarten erhältlich sind.

Außerschulischer Lernort zeigt die Charakteristiken der Region

Sprechende Gummistiefel, kichernde Wanderschuhe und ein Schwarzspecht namens Pick, der auf Knopfdruck viel Wissenswertes über die Region preisgibt - in das Naturparkzentrum im Himmeroder Hof ist nach den Umbauarbeiten wieder Leben und jede Menge versteckter Technik eingezogen. Spielerisch führt etwa der Vogel durch die großflächig bebilderte Ausstellung, die dem Besucher das Gefühl vermittelt, sich inmitten der Natur zu befinden. "Wir befinden uns hier am Tor zur Eifel", erklärt Frank Scheer als stellvertretender Geschäftsführer des Naturparks Rheinland den museumsdidaktischen Hintergrund der in Form eckiger Torbögen gestalteten Stellwände, die über das Leben in der Region informieren. Auch auf Helligkeit sei viel Wert gelegt worden, ergänzt Jutta Hasselbach. "Die Fenster sind nicht mehr von Stellwänden verdeckt und die Eingangstür ist verbreitert worden", schwärmt die seit 1996 tätige Leiterin des Naturparkzentrums und weist darauf hin, dass man die Wuchtigkeit der alten Anlage beseitigt habe.

"Wir haben die Ausstellung so weit wie möglich an den Rand gerückt, um den Raum multifunktional nutzen zu können", erklärt Hasselbach, die mit ihrem Team hier regelmäßig naturnahe Workshops für alle Altersklassen anbietet und in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres rund 1700 Schülern die Umwelt und Natur praxisnah nähergebracht hat.

Seit der Eröffnung des Römerkanal-Informationszentrums haben schon zahlreiche Besucher ihr Bedauern geäußert, dass das alte Landschaftsmodell nicht übernommen wurde. "Die Anlage entstammte aber einem didaktischen Konzept aus den 1990er Jahren und gab ein Landschaftsbild wieder, das austauschbar war", gibt Scheer zu bedenken.

Gemäß den Aufgaben, die der Naturpark Rheinland übernimmt, stehe aber im Vordergrund, die Charakteristiken der Region hervorzuheben. So sei der außerschulische Lernort nun unter den Gesichtspunkten der Regionalentwicklung, des Umwelt- und Naturschutzes und der Naherholung konzipiert worden. Mit dem Ziel, die Natur vor Ort zu entdecken, wird hier nicht nur erklärt, aus welchem Gestein der Kölner Dom ist, wie viel eine Zwergfledermaus pro Nacht frisst oder welcher Vogel der schnellste in der Region ist. Auch Informationen über heimische Obstsorten, die Apfel- und Wasserburgenroute und die Verarbeitung regionaler Produkte werden geliefert. Ein kleiner Film gibt einen Vorgeschmack auf das, was Wanderer auf der insgesamt 33 kilometerlangen Feuerroute erwartet.

Über sechs Stationen erlebt der Wanderer die vielseitige Landschaft zwischen Rheinbach und dem Rodderberg. "Das Ganze kann aber auch auf der Wanderung selbst mittels QR-Code noch einmal abgerufen werden", weiß Scheer. Vom Eingang kommend steht der Bereich linker Hand im Dienst des Römerkanal-Informationszentrums. Der Besucher kann hier den Römerkanalwanderweg, der die Eifel mit Köln in sieben Etappen verbindet, visuell und auditiv erleben.

In Filmabschnitten begeben sich hier Frank Kellner und Gerd Kohl, zwei als Römer verkleidete Laiendarsteller, an realen Orten auf Wanderschaft und treffen auf Tanzmariechen oder steigen mit ihrem altertümlichen Marschgepäck am Bahnhof Römerkanal in die Regionalbahn. "Der Inhalt der Filmsequenzen hat historischen Hintergrund, ist aber natürlich mit einem Augenzwinkern zeitgenössisch aufgearbeitet", betont Scheer schmunzelnd und wirft nebenbei eine kleine Holzkugel in eine murmelbahnähnliche Konstruktion, mit der das Höhenprofil der römischen Wasserleitung in der Ausstellung veranschaulicht wird.

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