Weibliches Dreigestirn urteilt: Narrengericht in Rheinbach

Weibliches Dreigestirn urteilt : Narrengericht in Rheinbach

Närrische Gerichtsverhandlung über die Vergehen in der Karnevalssession. Das weibliche Dreigestirn, das den jecken Ornat abgelegt hat, sitzt zu Gericht und ahndet Vergehen wie ungebührliches Verhalten oder unnötiges Geschwafel.

Der kräftige Schlag mit dem Holzhammer auf den Resonanzblock ließ auch den letzten „Schwätzer“ im Schützenhaus zusammenzucken. Mit raumfüllender Stimme forderte Staatsanwalt Roland Kaiser das Volk auf, sich von den Plätzen zu erheben für das Hohe Gericht. Und ein zog das Kernstadt-Dreigestirn Prinz Sigur I. (Sigrid Wiersberg), Jungfrau Petra I. (Petra Schmidt) und Bauer Sabino I. (Sabine Wiersberg). Dass ihnen erstmals seit vier Monaten keine Alaaf-Rufe entgegen schallten, war gewiss gewöhnungsbedürftig für die närrischen Herrscher.

Aber der Ornat war an Aschermittwoch abgelegt, das karnevalistische Treiben für diese Session zu Ende. Aber Spaß fasten brauchten die Gäste des traditionellen Fischessens auf Einladung der Schützen nicht. Schließlich galt es, das letzte närrische Gebot des Dreigestirns zu erfüllen: zu Gericht zu sitzen über die Vergehen in der Karnevalssession. Die „Staatsanwälte“ von GroRheiKa, Astrid Faßbender, und Narrencorps NCR Blau-Gold, Roland Kaiser, riefen assistiert von „Gerichtsdiener“ Lars Klier einen Angeklagten nach dem anderen auf.

Allerdings glänzten einige der Vorgeladenen durch Nichterscheinen: Marcel Richter von der Buure Bank, Stadtsoldaten-Kommandant Willi Hohn und auch Bürgermeister Stefan Raetz. Das Urteil gegen alle drei Angeklagten fiel Milde aus: „Elf Minuten Missachtung!“ Ordnungsgemäß erschienen war Brigadegeneral Ralf Hoffmann. Die Anklage: „Ungebührliches Verhalten gegenüber dem Stadtsoldaten-Kommandanten Willi Hohn in Anspielung auf sein Alter“.

Dass er Hohn als Gründungsmitglied des Corps von 1905 bezeichnet hatte, wollte der General nicht leugnen. Und bewunderte eher, dass ein inzwischen 113-Jähriger es schaffe, die Tomburg- Kaserne zu erobern und anschließend sogar noch mitzufeiern. „Freispruch“, lautete das Urteil.

Als „Serientäter“ angeklagt war der stellvertretende Vorsitzende des Festausschusses Rheinbacher Karneval (FRK), Alfred Eich. Er kam für „unnötiges Geschwafel beim FRK-Empfang“, mehrfaches Nichttragen des Sessionsordens und „ungebührliches Verhalten durch Duzen des Hohen Gerichts“ nicht straflos davon und musste Gericht, Staatsanwaltschaft und Gerichtsdiener mit Bier versorgen.

Wie nicht anders zu erwarten, wurden alle Vergehen dem Nubbel aufgebürdet, der anschließend mitsamt seinem kleinen Bruder den Feuertod starb.

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