Rheinbacher Sozialdemokraten: Mitglieder feiern in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen

Rheinbacher Sozialdemokraten : Mitglieder feiern in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen

Wenn die Rheinbacher Sozialdemokraten in diesem Jahr den 100. Geburtstags des Ortsvereins feiern, beziehen sie ihr Jubiläum auf den 19. Juli 1914.

An jenem Sonntag fand im damaligen "Bonner Volkshaus" eine Kreiskonferenz des "Sozialdemokratischen Vereins für Bonn-Rheinbach" statt, wie Siegfried Formanski in der anlässlich des Jubiläums herausgegebenen Chronik schreibt.

Unter den Delegierten und den Teilnehmern waren, wie "mit gewisser Wahrscheinlichkeit vermutet werden" könne, auch Mitglieder der SPD aus Rheinbach. Namentlich und organisatorisch eigenständig trat die SPD in Rheinbach mit den Kommunalwahlen am 16. November 1919 erstmals konkret in Erscheinung.

Von den 18 aufgestellten Kandidaten zogen aber trotz Listenverbindung mit der "Deutsch-Demokratischen Partei" nur zwei Kandidaten in den Rat ein, Matthias Nietgen und Theodor Becker. Nietgen war erster Fraktionsvorsitzender und zugleich erster Ortsvereinsvorsitzender.

Wie sich die Rheinbacher SPD in den Anfangsjahren darstellte, lässt sich einem in der Chronik wiedergegebenen Interview entnehmen, das Theo und Brigitte Schledorn 1996 mit Heinrich Brabender, Sohn des späteren SPD-Ratsherrn und Ortsvereinsvorsitzenden Anton Brabender, geführt hatten.

Demnach waren Vater und Sohn Brabender 1927 in den Vorstand der "sehr rührigen" Rheinbacher SPD mit ihren etwa zwölf Mitgliedern gewählt worden. Die Mitglieder des Ortsvereins seien fast ausnahmslos aus dem Arbeitermilieu gekommen und als Arbeiter in den örtlichen Terrakotta-Fabriken oder in der Strafanstalt beschäftigt gewesen, erinnerte sich Heinrich Brabender.

Bei den nächsten Kommunalwahlen 1924 und 1929 zogen wieder jeweils zwei SPD-Vertreter in den Rat ein. Am 4. Februar 1933, wenige Tage nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, wurden die Gemeindevertretungen der Stadt- und Landgemeinden in der Rheinprovinz vom preußischen Staatsministerium mit sofortiger Wirkung aufgelöst und Neuwahlen für den 12. März 1933 angesetzt, so Formanski in der Chronik.

Für diese Wahlen hatte die SPD neben Matthias Nietgen und Anton Brabender auf Platz drei den Juden Hermann Klaber aufgestellt, der zunächst auf Listenplatz eins gestanden hatte. Dies habe zu einer "unmittelbaren und heftigen" Reaktion im "Westdeutschen Beobachter" geführt. Danach sei Klaber auf den aussichtslosen Listenplatz drei gekommen.

Zentraler SPD-Wahlkampfslogan damals: "Hitlers Sieg bedeutet Krieg!" Allerdings seien die Plakat- und Flugblattaktionen "aus Angst vor der SA bei Nacht und Nebel" vonstatten gegangen, so Formanski. Hatte es schon vor den Wahlen Hausdurchsuchungen bei SPD-Mitgliedern gegeben, wurden nach den Wahlen im April eine Reihe Sozialdemokraten verhaftet, inhaftiert und verhört, um belastende Aussagen gegen den Juden Hermann Klaber zu erhalten. Während die anderen Inhaftierten wieder freigelassen wurden, wurden Hermann und Clementine Klaber im Konzentrationslager ermordet.

Unter der Nazi-Herrschaft waren alle bis dato existierenden demokratischen Parteien verboten. Nach Kriegsende wurden unter 16 von der britischen Militärbehörde ernannten Ratsmitgliedern auch fünf von der SPD ernannt. Die erste demokratische Wahl fand aber erst im August 1946 statt, bei der Josef Dorsel als einziger SPD-Kandidat in den Rat einzog. Bereits bei der folgenden Wahl im Oktober 1948 waren dann aber fünf SPD-Mitglieder im 14-köpfigen Rat.

Kamen die ersten Mandatsträger der SPD "aus der Arbeiterschaft", wie Rolf Schormann in der Chronik schreibt, veränderte sich die Struktur der SPD-Mandatsträger Ende der 50er und in den 60er Jahren hin zu bürgerlichen "Honoratioren". Jakob Berg, Peter Hermanns, Johannes Merzbach, Willi Schneider, Paul Wicht, Paul Witsch und Peter Krupp prägten die Partei in dieser Zeit.

Heute hat die SPD unter der Fraktionsvorsitzenden Martina Koch acht der 36 Sitze im Stadtrat. Ortsvereinsvorsitzender ist Folke große Deters.

Empfang "100 Jahre SPD Rheinbach" und Vorstellung der Chronik am Freitag, 25. April, 19 Uhr,im Ratssaal Himmeroder Hof/Glasmuseum.