Landwirtschaft in der Region: Mit dem Grubber übers Feld

Landwirtschaft in der Region : Mit dem Grubber übers Feld

Treckerfreunde Rheinbach demonstrierten Bodenbearbeitung mit alten Landmaschinen

Knatternd fährt der 45 PS starke Lanz Bulldog Baujahr 1937 los. Mit dem angehängten Grubber - im hiesigen Dialekt auch bekannt als Scharjel - will Reinhard Sellentin das abgeerntete Weizenfeld auf dem Gelände des Campus Klein-Altendorf bearbeiten. Aber dafür muss das rund 55 Jahre alte Gerät erst einmal richtig eingestellt werden.

"Der steht ganz verkehrt für die Maschine", ist Peter Scheben nach wenigen Metern sicher. Der 76-Jährige war bis zu seinem Ruhestand 2007 selbstständiger Landwirt. Sachkundig stellt er gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern der Treckerfreunde Rheinbach den Grubber so lange ein, bis sie alle zufrieden sind, und Sellentin mit der Feldbearbeitung fortfahren kann.

Währenddessen zieht Willi Brandenburger mit seinem Deutz Intrac von 1982 ebenfalls einen Grubber über das Feld. "Den habe ich einmal von Hand eingestellt, das weitere rauf und runter geht dann schon mit Hydraulik von der Fahrerkabine aus", sagt er. Unter den Zuschauern wird Erich Bauerfeind an seine Zeit als gelernter Schmied bei der Rheinbacher Firma Mattke erinnert, die ihren Betrieb auf dem heutigen Gelände Kasler an der Grabenstraße hatte. "Den Grubber habe ich mit gebaut Anfang der 60-er Jahre", erkennt Bauerfeind. "Und zwar die Federböcke, die Federschuhe und die Anhängerkupplung."

60 Hektar groß ist das Feld, das die Treckerfreunde mit alten Maschinen bearbeiten. Der Boden wird aufgerissen, damit er reif wird für die Saat von Getreide in einigen Wochen. Da wird jede Maschine gebraucht. "Das ist für uns ein Feldtag. Jeder, der möchte, kann seinen Trecker vor die Geräte spannen. Für uns ist das dann ähnlich, wie für Kinder der Spielplatz", sagt der ehemalige Landwirt Scheben. Die wenigsten der Treckerfreunde sind selbst Landwirte. Klaus Dick, der sechs historische Trecker sein eigen nennt, war Gärtnermeister und später Kaufmännischer Angestellter. Aber: "Wir kommen aus der Landwirtschaft, auch wenn ich zwischendrin was anderes gemacht habe, liegt das im Blut", sagt er. Er hat die Leidenschaft schon an seinen 13-jährigen Sohn weitergegeben, der mit dem 40 PS starken Hanomag Baujahr 1946 auch über das Feld fährt.

Zum Nachwuchs der Treckerfreunde zählt auch der 18-jährige Tobias Brandenburger, dem der Deutz Intrac gehört. Und der Nachwuchs ist auch weiblich: Die 18-jährige Teresa Lehmann fährt den 25 PS-starken Fendt Geräteträger Baujahr 1963 ihres Vaters Jörn und zieht mit dem Ein-Schar-Wendepflug Brenig nach entsprechender Einstellung tiefe gerade Furchen. Während Vater Jörn von Beruf Soldat ist und den Trecker hauptsächlich für den Wald und Brennholz nutzt, hat die 18-Jährige gerade ihre Ausbildung zur Landwirtin begonnen, weil "der Beruf so aktuell ist", wie sie sagt.

Wenn an den Treckern oder Maschinen etwas defekt ist, können die Treckerfreunde auf vereinseigene Fachleute zurückgreifen. Ingo Seidel zum Beispiel, Eigentümer eines 66 PS starken Unimog U403, Baujahr 1972, ist LKW-Mechaniker. Mit Gert Butschek gehört ein Landmaschinenmechaniker- und Elektrikermeister zum Verein, erklärt der Vorsitzende Christian Esser. Ersatzteile finden sich über einschlägige Adressen im Internet.

Die Treckerfreunde Rheinbach treffen sich jeden letzten Mittwoch im Monat um 19 Uhr in der Gaststätte Alt Merzbach in Merzbach, Informationen beim Vorsitzenden Christian Esser,

Tel. 0 22 26/39 83.

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