So gesehen : Mich kann man mieten

Mit bloßer Präsenz im Auto werden andere Autofahrer in Rheinbach langsamer. Wegen einer Baustelle an der Ortsumgehung, nutzen mehr Fahrer die Umleitungsstrecke.

Wer wie wir als Berichterstatter viel herumkommt, sieht auch eine Menge, wenn er mit wachen Augen durch die Region streift. Im Rheinbacher Ortsteil Ramershoven entdeckte ich jetzt, eine segensreiche wie sicherlich lukrative Art die Welt ein wenig besser zu machen. Ich werde Miet-Bremse. Sie haben richtig gelesen: Miet-Bremse, nicht Mietpreis-Bremse. Mit bloßer Präsenz sorge ich nämlich dafür, dass andere Autofahrer vom Gaspedal steigen, wie ich am Donnerstagnachmittag in Peppenhoven entdeckte.

Am Ortseingang von Rheinbach kommend wollte ich mich mit einem Informationsgeber treffen. Meinen Wagen hielt ich vorsichtigerweise gut fünf bis sechs Meter von der Ortsdurchfahrt entfernt an einer Straße an, die von der Ortsdurchfahrt abzweigt und zu einem landwirtschaftlichen Betrieb führt – da ich nicht mit Sicherheit wusste, aus welcher Richtung sich mein Gesprächspartner nähern wird.

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Weil ich auch noch so stand, dass ich auf die Straße blicken konnte, wähnten viele Verkehrsteilnehmer in einer Familienkutsche mit zwei Kindersitzen einen Flitzerblitzer und verlangsamten bei meinem Anblick erkennbar abrupt ihre Fahrt. Viele Fahrer schauten mich derart ungläubig oder wohl eher mit schlechtem Gewissen an, dass ich Ihnen jede Augenfarbe des jeweiligen Verkehrsteilnehmers benennen kann. Da momentan für sechs Wochen an der Rheinbacher Ortsumgehung gebaut wird, nutzten mehr Autofahrer als üblich diese ausgewiesene Umleitungsstrecke.

Beruhigen kann ich alle: Ich hatte zwar eine Kamera mit dabei, geblitzt habe ich aber nicht. Wobei: Wenn keine Kommune oder kein Privatmann mich als Miet-Bremse buchen mag, überlege ich mir dies – gerade an dieser Stelle – als Geschäftsmodell.

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