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Infozentrum in Rheinbach: Leuchtturm der antiken Baukunst

Infozentrum in Rheinbach : Leuchtturm der antiken Baukunst

Um dieses Wasser genießen zu können, haben bereits die alten Römer Berge versetzt - zumindest im übertragenen Sinne. Für den Konsum des kalkhaltigen, kühlen Nasses der Eifel in der seinerzeit wachsenden Stadtgründung am Rheinstrom boten die Baumeister der Antike eine gehörige Portion Gehirnschmalz auf - sie machten sich die Schwerkraft des Gefälles zunutze.

Der Römerkanal zwischen Nettersheim und der Domstadt gilt bis heute als ingenieurstechnische Meisterleistung und als das bedeutendste antike Technikdenkmal nördlich der Alpen. Von der Strahlkraft dieses Leuchtturms der Baukunst der Antike möchte auch die Stadt Rheinbach profitieren. Der Bau eines Römerkanal-Infozentrums nimmt konkrete Züge an.

Einen Ort, an dem der potenzielle Besuchermagnet entsteht, der insbesondere Wandertouristen anziehen soll, gibt es bereits: Rund 950 000 Euro könnte das Vorhaben kosten, das am Himmeroder Hof, am Himmeroder Wall gelegen, realisiert werden soll. Die reinen Baukosten liegen bei rund 700 000 Euro. Dabei kann das Projekt mit Fördermitteln rechnen, berichtete Raffael Knauber, Erster Beigeordneter der Stadt Rheinbach, während der jüngsten Sitzung des Rheinbacher Rates. Vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) seien rund 140.000 Euro als Zuschuss zu erwarten, der Eigenanteil der Stadt Rheinbach liege bei 190 000 Euro, erklärte Knauber. Auch in den Gremien des Kreises ist die finanzielle Unterstützung des Vorhabens noch ein Thema, so der Erste Beigeordnete.

Das Technikdenkmal, das in Rheinbach an vielen Stellen ersichtlich und erlebbar ist, wird durch den Römerkanal-Wanderweg (RKWW), der durch zwölf Anrainerkommunen geht, touristisch erschlossen. Der Clou: Exakt auf der Mitte dieses Weges liegt Rheinbach. Somit schließt das geplante Infozentrum eine Lücke in der touristischen Infrastruktur des Wanderweges und dient der regionalen Vernetzung der touristischen Dienstleister in den Anrainerkommunen entlang des RKWWs.

Darüber hinaus informiert es über so ziemlich alle Aspekte des Bauwerks - einschließlich seines nachantiken Lebens als Steinbruch für mittelalterliche Bauten, die heute noch von großem touristischem Interesse sind. Laut Ausschreibung für Fördermittel verbindet es "Kultur mit Wandern und Informationen über touristische Dienstleister". Von der Besucherführung her ist es über das bestehende Naturparkzentrum im Himmeroder Hof erschlossen.

Ganz neu ist die Idee zum Infozentrum nicht. Bereits am 4. Oktober 2012 gab der damalige Ausschuss für Standortförderung: Gewerbe, Wirtschaft, Tourismus und Kultur der Verwaltung den Auftrag mit auf den Weg, "Voraussetzungen zur Realisierung des Projektes zu schaffen" und "insbesondere die Kostenneutralität für den Haushalt der Stadt Rheinbach zu wahren". Da nunmehr die Finanzierung konkrete Formen annimmt, können die nächsten Schritte gegangen werden.

Zunächst solle ein Architektenwettbewerb stattfinden, der dem geplanten Neubau in Nachbarschaft zum Naturparkzentrum und dem dortigen Glasmuseum ein Gesicht gibt. Liegen alle Pläne und Genehmigungen vor und ist der Denkmalschutz abgestimmt, muss nur noch die Trägerschaft des Infozentrums geklärt werden - insbesondere unter Einbeziehung der Rheinbacher Wirtschaftsförderung, dem Naturpark Rheinland, dem Verein Freunde des Römerkanals, der Rhein-Voreifel-Touristik und der Nordeifel-Tourismus GmbH, die bereits jetzt den RKWW federführend vermarktet.

Ute Krupp (SPD) lobte das Vorhaben, gab aber gleichzeitig ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Nachfolgekosten für das Zentrum aus Sicht der Kommune überschaubar seien. Dass das Bauvorhaben geeignet ist, den Tourismus in der Glasstadt zu fördern, hofft auch Jörg Meyer (UWG). Von einem "Juwel, das wir bekommen", sprach Karsten Logemann (FDP). Das Infozentrum werde viele Ausflugsgäste anziehen, ist der Freidemokrat überzeugt. Nicht zuletzt werte es einen "zentralen Bereich von Rheinbach auf". Das Römerkanal-Infozentrum "hilft, die Heimat neu kennenzulernen", meinte Bernd Beißel (CDU).

Kein Wunder also, dass das Projekt auf breite Zustimmung stieß. Einstimmig brachte der Rat die nächsten Schritte zur Realisierung auf den Weg.