Großer Andrang in Rheinbach: Lesung von "Fräulein Broich" wird im Mai wiederholt

Großer Andrang in Rheinbach : Lesung von "Fräulein Broich" wird im Mai wiederholt

Eva Marianne Kraiss lässt „Fräulein Broich“ aus der Feder von Heidi Möhker lebendig werden. Die Autorin hat einen historischen Kriminalroman mit viel Bonner Lokalkolorit geschrieben.

Es geschah im Café Silberlöffel, als die aus Rheinbach stammende Schauspielerin Eva Marianne Kraiss den Protagonisten aus dem historischen Kriminalroman „Fräulein Broich“ eine Stimme gab und die Zuhörer mit ihrer sprachlich und mimisch überaus fesselnden Lesung in ihren Bann zog. Über die Entstehungsgeschichte des 300 Seiten starken Schmökers, der die Stellung der Frau um die Jahrhundertwende in den Mittelpunkt rückt und dabei mit der Stadtgeschichte Bonns verknüpft, gab die Autorin Heidi Möhker viel Hintergrundwissen im Gespräch mit Buchhändlerin Christel Engeland.

Dirk Plücker sorgte am Klavier für den musikalischen Rahmen dieser Nachmittagsveranstaltung, die gemeinschaftlich von der Buchhandlung Kayser und dem Verein „Rheinbach liest“ angeboten wurde und bereits lange im Vorfeld ausverkauft war.

Fließend Wasser, flotte Bedienung, elektrisches Licht, Fernsprechanschluss und Bad im Hause – in einem wiederaufgelegten Stadtführer von Bonn aus dem Jahr 1900 machten Hotels plakativ in Werbeanzeigen auf sich aufmerksam. Dank derartiger Lektüre hat die in Rheinbach lebende Autorin Heidi Möhker viel über das Leben um die Jahrhundertwende in der rheinischen Metropole erfahren.

Spannender Krimi aus der Region

„Mein neuer Krimi sollte auf jeden Fall etwas mit dem Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“ zu tun haben,“ erklärte Möhker und berichtete, dass sie nach dem ersten Gespräch mit ihrem Verleger Winrich C. W. Clasen erst einmal geschockt gewesen sei. „Er fand das Thema gut, wollte aber etwas Historisches.“ So habe sie viel Zeit im Stadtarchiv verbracht, erinnerte sich die gebürtige Düsseldorferin, die sich in verschiedenen Foren dafür stark macht, dass die Literatur weiblicher Schriftsteller von der Gesellschaft stärker wahrgenommen wird. Passend zum Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts ist der Roman erschienen und erinnert so daran, dass in Deutschland Frauen erstmals bei der Wahl zur deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919 ihr Wahlrecht auf nationaler Ebene nutzen konnten.

In Möhkers spannendem Regionalkrimi lehnt sich die Protagonistin Henni Broich gegen die weibliche Unterordnung auf, indem sie ihr geregeltes Leben als Tochter aus gutem Hause hinter sich lässt. Bücher und selbst verdientes Geld sind dem Fräulein Broich wichtiger als ihre Garderobe, die als hübsche Verpackung von den inneren Werten eines selbstbestimmten Menschen ablenkt.

Den Werdegang dieser starken Frauenfigur verknüpft Möhker nicht nur mit einer Kriminalgeschichte, sondern liefert auch viel historisches Lokalkolorit. So taucht der Leser tief ein in das bunte Leben rund um den Bonner Kaiserplatz und die Poppelsdorfer Allee und erfährt zwischen Leichenfund und Liebesgeschichte viel Wissenswertes über den damals in Bonn stattfindenden 47. Katholikentag und den allabendlichen Einsatz der Nachtwächter in der düsteren Winterstimmung am nebeligen Rhein.

Dank der großen Nachfrage wird die musikalische Lesung am 18. Mai noch einmal angeboten.

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