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Nach mehr als 24 Jahren: Leiterin des Naturparkzentrums Rheinbach verabschiedet sich

Nach mehr als 24 Jahren : Leiterin des Naturparkzentrums Rheinbach verabschiedet sich

Jutta Hasselbach hat das Naturparkzentrum Himmeroder Hof in Rheinbach zu dem gemacht, was es heute ist. Nach mehr als 24 Jahren ist für die 57-jährige Leiterin nun Schluss.

Ein Ziel hat Jutta Hasselbach als Leiterin des Naturparkzentrums Rheinbach mehr als 24 Jahre lang konsequent verfolgt und umgesetzt: Im Himmeroder Hof hat sie seit der Eröffnung im November 1996 Kinder für ihre Umwelt sensibilisiert und sie motiviert, einen Blick über den Tellerrand hinaus zu werfen. Ihren Job hat die 57-Jährige aufgegeben, um mehr Zeit für sich zu haben.

„Natürlich haben wir hier auch ein paar ausgestopfte Tiere, aber wenn die Kinder sich nicht nur daran erinnern, sondern nach einem Besuch ein oder zwei neue Gedanken mit nach Hause nehmen, dann bin ich zufrieden“, sagt Hasselbach. Sie ist überzeugt, dass nur etwas hängen bleibt, wenn es für kleine und große Besucher greifbar gemacht wird. „Und das gelingt, wenn jeder etwas in der Hand mit nach Hause nehmen kann.“ Sei es ein Windrad, ein Stück selbstgebackenen Apfelkuchen oder ein Tütchen Samen für Blumen, die ihre Blüten nachts für nachtaktive Insekten geöffnet haben. „Das zeigen die Kinder dann ihren Eltern, sie reden darüber und dann bleibt es in Erinnerung – und fügt sich bestenfalls beim nächsten Besuch zu einer Gedankenkette, an die wir anknüpfen können“, beschreibt sie ihre Arbeitsweise.

Als ihre Kinder in den 1990er Jahren aus den Kleinkindschuhen herausgewachsen waren, suchte die gelernte medizinisch-technische Assistentin nach einer Herausforderung außerhalb der eigenen vier Wände. Erfolgreich bewarb sie sich auf eine Anzeige für eine Ausstellungsbetreuung im Naturparkzentrum. „Zuerst habe ich mich mit meiner Kollegin, mit der ich mir die Stelle teilte, gefreut, wenn überhaupt ein Besucher bei uns hereinkam“, erinnert sich die dreifache Mutter und gebürtige Kielerin.

Mit viel Herzblut baute sie nach und nach das Programm aus, konzipierte Ausstellungen, trieb die verschiedenen Umbauten voran, bemühte sich um das Team und galt als Ansprechpartner für Schulen, Gremien und Vertreter der Stadt. „Anfangs wurden wir belächelt und viele glaubten, wir würden nur ein bisschen basteln,“ sagt Hasselbach. Ursprünglich lag der Schwerpunkt des Programmangebots auf der Natur. Stets offen für neue Strömungen und orientiert an anderen Ausstellungen, erweiterte sie den Blickwinkel auf Umweltbildung: Erneuerbare Energien, Klimawandel und Müllvermeidung rückten in den Mittelpunkt. „Wir schauen einfach immer, was gerade aktuell ist,“ erklärt sie.

Wenn sie merkt, dass Kinder zwar eine Sternfrucht kennen, aber noch nie Stachelbeeren gegessen haben oder nicht wissen, dass Erbsen in Hülsen wachsen, greift sie das Thema auf. „Die Grundschule in der Bachstraße stand mir dabei am Anfang als Versuchskaninchen zur Verfügung“, erinnert sich die heute 57-Jährige. „Da bin ich dann mit meinen beiden Kochplatten hinübergelaufen und wir haben ausprobiert, was realisierbar ist.“ Das Angebot von zehn Kursen ist in den vergangenen Jahren erweitert worden. „Das Thema Vulkane haben wir ins Programmheft aufgenommen, aber auch den Lärm.“ Es sei wichtig, dem Nachwuchs deutlich zu machen, wie belastend Lärm für den Menschen sein kann und wie etwa Handys das Leben beeinflussen.

Als zertifizierte Einrichtung für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und als Preisträger des Klimaschutzpreises der Stadt Rheinbach hat sich das Naturparkzentrum im Himmeroder Hof zu einer anerkannten Kultureinrichtung entwickelt. Die wird nicht nur von Kindergarten- und Schulkindern als grünes Klassenzimmer frequentiert, sondern leistet auch mit ihren naturnahen Workshops einen entscheidenden Beitrag zur Erwachsenenbildung. „Das war am Anfang so von uns tatsächlich nicht geplant“, bekennt Frank Scheer, stellvertretender Geschäftsführer des Naturparks Rheinland.

Jutta Hasselbach habe mit außerordentlichem Einsatz dafür gesorgt, dass das Naturparkzentrum Himmeroder Hof mit Leben gefüllt wurde und mit den Besucherzahlen dort sei, wo es heute stehe. „Sie hinterlässt eine Lücke, die nicht mit der eigentlichen Stellenausschreibung zu füllen ist.“ Laut Scheer werde die Teamleitung neu besetzt, die Geschäftsstelle müsse nach Hasselbachs Abschied aber alles andere auffangen und werde in Zukunft stärker gefragt sein.