Investitionen in „bio innovation park“: Klimaschutzprojekte zwischen Rheinbach und Meckenheim

Investitionen in „bio innovation park“ : Klimaschutzprojekte zwischen Rheinbach und Meckenheim

Zwar läuft nach drei Jahren die Projektförderung unter anderem des Bundes in Höhe von 400 000 Euro aus, allerdings sollen die Ideen des „bio innovation parks“ auch weiterhin reiche Früchte in der Region tragen.

Was für den arglosen Betrachter Unrat darstellt, der in die braune Tonne gehört, ist in den Augen von Fachleuten nicht weniger als „grünes Gold“: Jede Menge Holzreste fallen in den Obstbaubetrieben im Linksrheinischen oder beim Stutzen des sogenannten Straßenbegleitgrüns an. Dabei gilt die Faustregel: Das Holz, das dabei pro Hektar anfällt, kann etwa 1000 Liter Heizöl ersetzen. Im künftigen Rheinbacher Gewerbegebiet Wolbersacker verwandelt ein Biomasseheizkraftwerk das Schnitt- und Rodungsholz in Strom und Wärme. Der Geburtsort dieser Idee liegt fast in Blickweite des 55 Hektar großen Areals: am Campus Klein-Altendorf zwischen Rheinbach und Meckenheim. Er ist so etwas wie die Herzkammer des „bio innovation parks“ Rheinland – eines interkommunalen und zudem klimaneutralen Wissenschafts- und Gewerbeparks, der in Deutschland nahezu einzigartig ist.

Zwar läuft nach drei Jahren die Projektförderung unter anderem des Bundes in Höhe von 400 000 Euro aus, allerdings sollen die Ideen des „bio innovation parks“ auch weiterhin reiche Früchte in der Region tragen, wie Dominik Weiß von der Professur für Städtebau und Bodenordnung der Universität Bonn am Rand einer Konferenz über die Vorbildfunktion des Meckenheimer und Rheinbacher Vorzeigeobjekts im Gespräch mit dem GA erklärt. „Wenn man – wie beim 'bio innovation park' Rheinland – bisher nicht verwertetes Restholz einsetzt und Ansiedlungsflächen intelligent nutzt, lässt sich der CO2-Ausstoß eines Gewerbegebiets deutlich verringern“, berichtet Weiß.

Die Frage etwa, ob sich ein Gewerbepark klimaneutral selbst mit regenerativer Energie versorgen kann, könnten die Forscher um Professor Ralf Pude, Geschäftsführer aller Außenlabore der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn und Professor für Nachhaltige Rohstoffe am Campus Klein-Altendorf, mit einem klaren Ja beantworten. Wenn ab Anfang des Jahres am Rheinbacher Wolbersacker die Bagger rollen, um den ersten Teil des Gewerbeparks zu erschließen, wird das Biomasseheizkraftwerk nicht lange auf sich warten lassen, weiß Weiß. „Außerdem soll das bei der Verbrennung der Resthölzer im Kraftwerk anfallende CO2 aufgefangen und beispielsweise für den Einsatz in der Industrie verwendet werden.“

Zusammenarbeit soll nach Projektende bestehen bleiben

Dass die Ideen aus dem „bio innovation park“ längst nicht mehr theoretischer Natur, sondern marktreif, mit Händen greifbar sind, zeigen nur zwei Beispiele aus dem Campus Klein-Altendorf: Bei einem großen deutschen Versanddienstleister ist ein Karton, der aus Graspapier „Made in Klein-Altendorf“ entstanden ist, bereits im mannigfaltigen Einsatz. Auch der typische gelbe Becher der Grafschafter Krautfabrik in Meckenheim könne in absehbarer Zeit aus diesem nachwachsenden Rohstoff entstehen.

Und: Gemeinsam mit den Verwaltungen von Meckenheim und Rheinbach haben Forscher der Bonner Uni ein Instrumentarium entwickelt, das mögliche Gewerbestandorte auf 27 klima- und wirtschaftsbezogene Standortkriterien untersucht.

Auch über das eigentliche Projektende hinaus soll die bisherige Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Unternehmen und den beiden Verwaltungen wirken. Bei der Konferenz in Bonn waren etwa weitere Kommunen aus der Region zugegen, um zu erfahren, wie sich die Ideen auch andernorts umsetzen lassen. Seit 2015 gibt es einen Verein, in dem sich die Protagonisten des Klimaschutzprojektes regelmäßig zusammenfinden. „Der Verein trägt die Ideen des 'bio innovation parks' weiter“, glaubt Weiß.

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