Bestnoten beim Bundeswettbewerb: Jungen aus Rheinbach beweisen sich als außergewöhnliche Musiktalente

Bestnoten beim Bundeswettbewerb : Jungen aus Rheinbach beweisen sich als außergewöhnliche Musiktalente

Kein Geringerer als Joachim Gauck streicht Janik Nagel über das Haar. Der Bundespräsident ist voll des Lobes über den jungen Klarinettisten aus Rheinbach, der von Paul Tintelnot am Flügel begleitet wird.

Der erste Mann im Staate sei ihm wie ein ganz "normaler Mensch" vorgekommen, berichtet der heute 13 Jahre alte Janik über seine Begegnung mit dem früheren DDR-Bürgerrechtler vor zwei Jahren. "Der Bundespräsident wirkte nicht abgehoben", versichert auch Paul (14).

Dass die beiden jungen Musiker aus Rheinbach vor prominenten oder mit absolutem Gehör ausgestatteten Zuhörern Kostproben ihres Könnens präsentieren, ist für Janik und Paul kein Grund für Aufregung. Die beiden Musiktalente der Musikschule Meckenheim-Rheinbach-Swisttal heimsen Preise und Auszeichnungen am Fließband ein - zuletzt beim Bundesentscheid von Jugend musiziert in Hamburg.

Janik ist sieben Jahre alt, als er sein erstes Konzert gibt. Beim Soloauftritt mit der Blockflöte brilliert er bei der Konzertreihe für Alte Musik in der Ipplendorfer Barockkirche, wo er seitdem regelmäßig das Publikum mit Virtuosität und tiefem Klangempfinden verzaubert, wie Blockflötendozentin Dorothee Simone und Klarinetten-Lehrer Selcuk Sahinoglu unisono im Gespräch mit dem GA berichten. Denn Janik kann beide Holzblasinstrumente - und beide virtuos. Gerade mal ein Jahr Unterricht hat der Junge hinter sich, als er erstmals für einen Soloauftritt vor eine Zuhörerschaft tritt. "Es war schnell klar, dass sein überdurchschnittliches künstlerisches Potenzial besonders gefördert werden muss", weiß Simone. "Seine Freude am kreativen musikalischen Gestalten motivieren ihn zu intensiver Arbeit am Instrument", schwärmt Dorothee Simone.

Dass sieht nicht nur seine Lehrerin so: Beim jüngsten Bundesentscheid erspielt sich Janik an der Blockflöte Platz eins mit Höchstpunktzahl. Begleitet von Paul am Flügel belegt er den zweiten Rang. 2500 Nachwuchsmusiker aus ganz Deutschland präsentieren sich einer Jury und einem Publikum mit Fachkunde. Claus Kratzenberg, Chef der Musikschule Meckenheim-Rheinbach-Swisttal ist begeistert von der hohen Begabung und dem Fleiß, den Janik und Paul an den Tag legen, und die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihre Instrumente wechseln.

Während Janik sowohl mit der Blockflöte als auch mit der Klarinette den 1. Preis auf der Landesebene von Jugend musiziert erringt und außerdem im Orchester der "Tomburg Winds II" spielt, macht Pauls musikalische Neugierde beim Klavier nicht halt: Er lernt auch Schlagzeug, außerdem ist er Keyboarder der Band "Mixed In" und Schlagzeuger des Orchesters Tomburg Winds II.

Nach dem Vorspielen in Hamburg beginnt das Warten. "Wir waren die letzten beiden Kategorien", berichtet Janik Nagel. "Es kommt sehr darauf an, wie die Interpretation des Stücks ankommt", findet Paul Tintelnot. "Da steckt viel subjektive Meinung drin - gerade beim Bundeswettbewerb", philosophiert der 14-Jährige. Auf diesem Niveau komme es schließlich "auf jede Nuance an". Darum sei es so schwierig, die Güte des eigenen Vorspiels im Nachhinein zu bewerten.

Dass er gleich bei seinem ersten Auftritt bei einem Bundeswettbewerb die Maximalausbeute an Punkten in seiner Altersgruppe erringt, stimmt den 13-jährigen Janik zufrieden. "Ich bin froh, dass es ganz gut geklappt hat", erklärt er bescheiden. Lampenfieber lassen die beiden Musikgenies an sich abprallen. Das können sie auch, angesichts der Fülle von Konzerten, die beide gemeinsam, alleine oder im Orchester bereits gegeben haben. "Beim Vorspielen selbst bin ich nicht aufgeregt. Ich bin es aber, wenn ich vor dem Saal fünf Minuten warten muss", bekundet Janik.

Nur was den privaten Musikgeschmack angeht, tun sich Disharmonien bei den beiden auf. "Ich höre Rap und House - aber gute House-Musik", findet Paul Tintelnot. Es gebe "sehr einfallslose elektronische Musik". Den Hits der DJ-Legende David Guetta aus Frankreich könne er nicht viel abgewinnen.

Von moderner Musik hält Janik dagegen wenig, wie er sagt. Er spiele lieber selbst. Vor allem mit Rockmusik könne er gar nichts anfangen. "Das sind ja nur drei Akkorde", bekundet er.

Die vielen Preise wecken Begehrlichkeiten. "Es kommen viele Anfragen", weiß Kratzenberg. Er sei jedoch vorsichtig und halte nichts davon, die jungen Talente "rumzureichen". Denn trotz ihres Erfolges seien die beiden jungen Musiker "ganz normal geblieben".

Zur Person

In Dortmund erhält Janik Nagel (13) 2013 den Musikpreis des Deutschen Handwerks - und eine neue, handgefertigte Klarinette obendrein. Paul Tintelnot (14) begleitet ihn beim Vorspielen. 2012 holt der junge Blockflötist bei "Jugend musiziert" den Sieg auf Landesebene. 2013 sichern sich beide den Landestitel im Duett von Klarinette und Klavier - zum Bundesentscheid durften sie allerdings nicht. "Es ging für uns nicht mehr weiter, weil wir zu jung waren", berichtet Janik Nagel. Außerdem ist Paul Tintelnot etwa als Duopartner für Christopher D'Arcy (Oboe) erfolgreich und holt 2013 den zweiten Platz auf Landesebene.