Klapperläufe: Jahrhundertealter Brauch wird in der Region gepflegt

Klapperläufe : Jahrhundertealter Brauch wird in der Region gepflegt

"Morjensjlock, Morjensjlock. Se han sich op de Wäch jemaht; os Herrjott det de schwerste Jang." Mit dieser und anderen Liedstrophen begleiten die Kinder in Swisttal-Odendorf an den Kartagen ihr Klappern in den Straßen und erinnern damit an das Leiden Christi.

Das Klappern ersetzt die Kirchenglocken, die erst wieder in der Osternacht erklingen, um die Auferstehung Jesu zu feiern. An den Kartagen schweigen Glocken, Orgeln und Altarschellen in den Gottesdiensten. Der Legende nach ziehen die Kirchenglocken aus Trauer nach Rom.

In einigen katholischen Gemeinden ist die Tradition des Klapperns noch lebendig. So fahren etwa die Odendorfer Messdiener und Kommunionkinder als Großgruppe per Fahrrad durch die Straßen, während die Klapperkinder in Rheinbach-Wormersdorf in Kleingruppen zu Fuß ausschwärmen und dabei die jeweilige Tageszeit ausrufen. "Wir benutzen Klappern aus Holz. Zu jeder Tageszeit singen wir eine andere Strophe auf Platt", erklärt Ricarda Schüller. Die 22-Jährige hat die Aktion in Odendorf als langjährige Messdienerleiterin organisiert.

Statt Klappern kommen in Wormersdorf Reiseln wie im Stadion zum Einsatz. Federführend für die Organisation des Reiselns ist seit rund 17 Jahren Küsterin Silke Thoma. "Wir haben einen Fundus von Reiseln; manche bringen aber auch eigene mit. Wir freuen uns über jedes Kind, das mitmacht, und laden am Karsamstag-Mittag auch wieder alle Teilnehmer zum Pizzaessen im Pfarrzentrum sowie anschließend zum Eisessen ein", erzählt Thoma.

"Man kämpft jedes Jahr aufs Neue um den Erhalt der Tradition. So beginnen wir erst um 7 Uhr morgens statt noch früher. Und wir laden auch die Kommunionkinder und ihre Familien ein. Nachdem die Tradition in Ersdorf vor einigen Jahren abgebrochen ist, sind wir zusammen mit Lüftelberg nun die einzige Gemeinde im Seelsorgebereich Meckenheim, in der sie noch lebendig ist."

Noch weit verbreitet ist die Tradition des Klapperns hingegen in Alfter: So wird in Alfter-Ort am Karfreitag gar stündlich geklappert. Und in den Mittelgemeinden Oedekoven, Impekoven und Gielsdorf ziehen Messdiener am Karfreitag und Karsamstag durch die drei Dörfer und ersetzen die Glocken zum Angelusläuten um 8, 12 und 18 Uhr. Auch das Sammeln am Karsamstag hat dort eine lange Tradition.

Mit ihren Spenden belohnen die Dorfbewohner die Messdiener für ihre Arbeit und ermöglichen damit etwa die Messdienerfahrten. "Wir haben gedient aufs allerbest, und wünschen euch ein frohes Fest. Wir bitten um ein Osterei, und wenn es geht auch zwei", lautet der Spruch, mit dem die Kinder in Hemmerich sammeln gehen.

"Auch bei uns wandern Geldspenden in die Messdienerkasse", sagt Messdienerleiterin Sabine Schmitz, die den Fundus an kleinen Holzrasseln verwaltet. "Bei uns heißt die Tradition Rasseln, in Rösberg dagegen Kleppern", erklärt Schmitz. Das Rasseln per Rad hat in Hemmerich eine lange Tradition und endet mit einem Mittagessen im Ägidiushaus. "Auch wenn wir nur eine kleine Gemeinde und meist wenige Kinder sind, ist mir der Erhalt der Tradition wichtig."

Das gilt auch für Günter Schwark (51) aus Rheinbach-Oberdrees. Er hat hier den Brauch vor rund 15 Jahren wiederbelebt, als seine inzwischen erwachsenen Kinder klein waren. Und baut weiterhin jedes Jahr neue Klappern aus Buchenholz nach altem Vorbild. Auf Bestellung sogar mit Verzierung oder Namensgravur. Schwark: "Ich kenne den Brauch noch aus meiner eigenen Kindheit. Es wäre doch schade drum."