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Die Platane bleibt : Initiative rettet 40 Jahre alten Baum in Rheinbach

Die Platane bleibt : Initiative rettet 40 Jahre alten Baum in Rheinbach

Ein Baum sorgte auf der Fläche für das Neubaugebiet auf dem früheren Majolika-Areal im Zentrum der Glasstadt für Diskussionen. Erst sollte er weg. Jetzt hat eine überparteiliche Initiative die 40 Jahre alte Platane gerettet.

Die kleinen Dinge sind es oft, die besonders große Freude schenken – ganz besonders während der derzeitigen Corona-Pandemie. Die Nicht-Fällung einer ortsbildprägenden, 40 Jahre alten Platane an der Keramikerstraße in Rheinbach scheint solch ein Anlass zu sein. Ursprünglich sollte der etwa sieben Meter hohe Baum den anstehenden Bauarbeiten am Majolika-Areal zum Opfer fallen. Am späten Montagabend hat der Rheinbacher Stadtrat entschieden, dass der Baumriese nicht weichen muss. Außerdem hob das Gremium, das wegen der Pandemie-Restriktionen in der Stadthalle tagte, das zusammen mit dem Pallotti-Areal derzeit größte Wohngebiet der Stadt auf dem einstigen Keramikfabrikgelände über die entscheidende Hürde.

„Wir sind froh, dass die ursprünglich auch von uns mitgetragene Fällung der Platane unterbleiben kann“, sagte Reinhard Ganten (UWG). Im September hatte der Ausschuss für Stadtentwicklung mehrheitlich dafür votiert, dass die letzte Platane am Eingang des Majolika-Geländes weichen muss, auf dem etwa 590 Menschen in dem neuen Baugebiet mit rund 290 Wohneinheiten leben sollen. „Es ist ja erlaubt, im Laufe der Zeit an Intelligenz dazuzugewinnen“, meinte Ganten. Hintergrund: Seit Weihnachten hatte sich eine überparteiliche Initiative um Urte Seiffert-Schollmeyer, Sachkundige Bürgerin der Grünen, und Wilfried Weingartz, Ratsherr der CDU, um den Erhalt des nach ihrem Dafürhalten „gesunden, circa 40 Jahre alten Baumes“ bemüht.

Die Platane soll erhalten bleiben. Foto: Matthias Kehrein

Dass die Kettensägen an der Keramikerstraße schweigen können, ermöglicht ein Vorschlag der Verwaltung, wonach die Baumscheibe der Platane zunächst vergrößert und die Ausweisung der geplanten Straße an der östlichen Ausfahrt zur Keramikerstraße als Einbahnstraße ausgewiesen werden soll. „Dies ist eine Lösung, die gleichzeitig der Verkehrsberuhigung dient“, erklärte Grünen-Fraktionssprecher Joachim Schollmeyer. Knapp 500 Menschen in Rheinbach hatten laut Schollmeyer per Online-Petition und über die seit Weihnachten ausliegenden Unterschriftenlisten das Anliegen der überparteilichen Initiative mit ihrer Unterschrift unterstützt. „Wir Grüne freuen uns, dass sich alle in dem Maße über den Erhalt der Platane freuen“, meinte Heribert Schiebener (Grüne).

Georg Wilmers (SPD) schlug vor der Verabschiedung vor, dass 17 Besucherparkplätze in Fahrradabstellplätze umgewidmet werden sollten, um „Parksuchverkehr im neuen Wohngebiet zu vermeiden“, so Wilmers. Solch eine Frage sei im Ausschuss für Stadtentwicklung vor Monaten bereits beraten und mehrheitlich abgelehnt worden, erinnerte Margit Thünker-Jansen. Sollte diese Debatte erneut geführt werden und in die Planung einfließen, würde dies eine erneute Offenlage der Planunterlagen zur Folge haben, was das Gesamtprojekt um „ein gutes, halbes Jahr nach hinten schieben würde“, so Thünker-Jansen.

Auch FDP-Fraktionssprecher Karsten Logemann sprach sich gegen die Reduzierung von Parkflächen im Neubaugebiet aus. „Dieser Schritt erhöhe nur den Parkdruck für die umliegenden Straßen. Bürgermeister Stefan Raetz berichtete, dass es in den nächsten Tagen Gespräche mit einem örtlichen Anbieter für Carsharing geben soll, der in Rheinbach Fuß fassen möchte. Ohne Gegenstimmen votierte der Rat für das Majolika-Areal.