Togohilfe Rheinbach: Im kargen Busch sprießt Grün

Togohilfe Rheinbach : Im kargen Busch sprießt Grün

Zum heutigen Tag des Wassers: Der Rheinbacher Togo-Hilfe gelingt es, mit Brunnenprojekten Jobs zu schaffen.

Eine Wasserquelle im heißen Nirgendwo des afrikanischen Busches zu finden, ist schon ein Segen – sie dann auch richtig nutzen zu können umso mehr. „Es ist ein bisschen wie ein Lasso zu werfen“, meint Michael Firmenich, Vorsitzender und Gründer der Rheinbacher Togo-Hilfe über die Nutzung eines Tiefbrunnens. Seit 16 Jahren reisen Abordnungen des Vereins, der Hilfe zur Selbsthilfe auf die Beine stellt, in das westafrikanische Land. Eine Wissenschaft für sich sei es, den Wassereimer mit genügend Effet in die Tiefe zu lassen – denn nur dieser führe dazu, dass dieser sich auch mit dem kühlen Nass füllt. „Das ist eine interessante Erfahrung, die ich gemacht habe“, sagt Firmenich und lacht. Bevor das Wasser nach einem geschickten Eimerwurf ans Tageslicht kommt, ist allerdings zuvor eine Menge Arbeit zu tun.

Die Mitglieder des Rheinbacher Vereins praktizieren, was die Unesco in diesem Jahr zum Motto des heutigen „Tag des Wassers“ auserkoren hat: Der Weltwasserstag steht unter der Überschrift „Wasser und Arbeitsplätze“. Der Welttag wird seit 1993 jährlich am 22. März begangen.

Erst 2014 wohnte eine Rheinbacher Delegation der Einweihung eines von der Togo-Hilfe durch Spendengelder finanzierten Wasserturms der Krankenstation in der Gemeinde Kpele-Goudevé bei. „Die Projekte, die wir finanzieren, liegen fern ab großer Städte oder wichtiger Straßen mitten im Busch“, berichtet Firmenich im Gespräch mit dem GA. Dass das Projekt in Rekordzeit durch die lokale gemeinnützige Organisation Agerto (Association Germano-Togolaise) realisiert worden sei, komme einer Sensation gleich, weiß der Augenoptikermeister. Doch besonders wegen der zwischenzeitlich eingedämmten Ebolaepidemie in Westafrika rückten solche Projekte für die Menschen in Togo sehr in den Vordergrund, weiß der Rheinbacher. Denn: Händewaschen ist mitten im Busch, ohne Strom und Wasser zur Verfügung zu haben, nur ein Wunschdenken.

Als nächsten Schritt plant Firmenich die erst jüngst mit Hilfe der Togo-Hilfe vollendeten Ausbildungsgebäude mit Toilettenanlagen in Akpakpakpe auszustatten. „40 bis 50 Lehrlinge sollen dort eine Ausbildung erhalten.“ Die Bauarbeiten laufen bereits und stehen kurz vor der Vollendung. Doch um die Infrastruktur nicht auf dem Silberteller darzubringen, fordert der Rheinbacher Verein ein wichtige Voraussetzung zur Realisierung ein: Es ist und bleibt Hilfe zur Selbsthilfe. „20 Prozent der Kosten müssen die Menschen vor Ort aufbringen“, erläutert der Augenoptikermeister. Außerdem achtet die Initiative penibel darauf, dass nicht „Geschenke“ aufwendig von Europa nach Afrika transferiert werden. „Die Betonsteine zum Toilettenbau werden vor Ort gegossen – und nicht verschifft und angeliefert“, schildert Firmenich.

In Kpalimé sorgen die mit Rheinbacher Unterstützung realisierten Brunnen dafür, dass mitten im Buschgebiet das Grün sprießt. Dort wachsen Süßkartoffeln, Mangos, Papayas, Bananen, Nüsse oder auch Ananas. „Wir wollen dort einen Rheinbacher Stadtwald etablieren“, berichtet der Vereinschef. In jedem Jahr kommen in dem Areal mit Unterstützung aus der Glasstadt jeweils mindestens zwei neue Bäume am dortigen Ausbildungszentrum hinzu. Für die Zukunft ist sogar der Bau eines Bassins zur Pilzzucht vorgesehen.

Damit die gesäten Pflanzen auch geerntet werden können, leisten die Azubis ganze Arbeit, um das Gelände zu pflegen – sogar Unkraut muss dort mittlerweile gejätet werden. So sorgt das kühle Nass aus der Tiefe für frische Lebensmittel und neue Arbeitsplätze. „Wenn das, was wir im Kleinen machen, in allen früheren Kolonialstaaten auf diese Art betrieben würde, müssten wir über viele Problem in der Welt gar nicht reden.“ Unter dem Strich sei es viel günstiger, direkt vor Ort zu helfen, als hierzulande etwa mit den Folgen der Migration zu kämpfen, meint Firmenich.

Mehr Informationen zum Verein gibt es auf www.togohilfe.com.

Mehr von GA BONN