Parodist Jörg Knör im Interview: "Ich habe 70 Leute im Repertoire"

Parodist Jörg Knör im Interview : "Ich habe 70 Leute im Repertoire"

Mit seinem Repertoire von 70 Persönlichkeiten ist Jörg Knör im Rheinbacher Stadttheater zu Gast - und blickt unter anderem als Reiner Calmund, Peter Maffay oder Arnold Schwarzenegger auf das Jahr 2018 zurück. Im GA-Interview spricht der Künstler über sein ganz persönliches Jahr.

Sie bauen ein ganzes Late-Night-Studio mit Riesenflachbildschirm im Stadttheater auf. Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende. Was waren Ihre Glanzlichter?

Jörg Knör: Das ist ja so viel. Aber manches hat ja keinen Glanz gehabt und war trotzdem wichtig. Für mich war der Jahrhundertsommer ein Glanzlicht. Bei mir auf der Bühne erzählt Reiner Calmund was dazu. Was mich selbst begeistert hat, taugt nicht unbedingt für den Humor. In meinem Rückblick geht es um die Emotionen, die uns alle beschäftigt haben – Geburtstage und Hochzeiten etwa. Ich verwandle mich in Otto Waalkes und zeige, was an seinem 70. Geburtstag wirklich passiert ist. Ich war nämlich Gast dort. Donald Trump ist natürlich auch sehr ergiebig.

Und ohne Humor kaum zu ertragen.

Knör: Ihm widme ich den Babysitter-Boogie von Ralf Bendix und zeige damit, dass sich Trump im Weißen Haus wie ein fünfjähriges Kind benimmt. Heinz Erhardt kommt als Running Gag, weil ich es so schön finde, dass es immer wieder Dinge gibt, auf die man sich keinen Reim machen kann – wie das Abholzen des Hambacher Forsts. Ich habe viele Sachen drin, die werden in anderen Jahresrückblicken nicht vorkommen.

Donnerwetter.

Knör: Ja, ich werde auch schon mal drastisch. Wo du die Stecknadel fallen hören kannst, ist, wenn ich Helmut Schmidts Sprechgesang anstimme. Er singt auf „Kribbeln im Bauch“ von Pe Werner „Nur 'ne Kippe und Rauch, das ist, was ich brauch“. Das lieben die Leute.

Neben Helmut Schmidt ist in Ihrem neuen Programm auch Franz-Josef Strauß mit dabei. Gibt es heute noch Politiker, die so viel Profil und Ausstrahlung haben, dass sie parodierbar sind?

Knör: Ich befürchte, dass es ganz schön dünn wird. Nehmen Sie doch mal das Trio Merz-Karrenbauer-Spahn. Keiner von denen ist zu parodieren. Ich wende somit den Trick an, Franz-Josef Strauß, den natürlich noch viele über 40-Jährige im Ohr haben, aus dem Himmel gegen die CSU poltern zu lassen. Demnach brüllt am Franz-Josef-Strauß-Platz noch der bayrische Löwe und auf dem Markusplatz scheißen die Tauben. Er bläst ihnen den Marsch. Und Angela Merkel öffnet ihr Poesiealbum und erzählt von ihren Männern. Da kommt ihr das Lied des jüngst verstorbenen Ingo Insterburg gerade recht.

Der unter anderem sang: „Ich liebte ein Mädchen in der Sowjetunion, die sagte immer: 'Njet, mein Sohn'.“

Knör: Angela Merkel singt „Mein Herz will allein, nur bei Joachim sein“. Alle meine Lieder sind mit Videos unterlegt, darum der Flatscreen. Es erscheint ein Bild von Joachim Sauer. Doch dann will sie das Lied noch mal singen, und am Ende kommt ein Bild von ihr mit Joachim Löw. Sie guckt ihn wirklich mehr als verliebt an. Ich bediene bei meinem Jahresrückblick etwas anderes als die Kabarettisten, die fast bei jeder Nummer gucken, wo die Wunde ist und den Finger reinlegen. Ich tue das auch hier und da. Ich möchte aber den Ungereimtheiten dieser Welt, die ein bisschen auf dem Kopf steht, noch etwas Amüsantes abgewinnen. In meinem Eröffnungslied singe ich: „Die Welt ist völlig plemm-plemm“. Das ist der Grundtenor bei allen Nummern, die ich habe.

Wir kennen Gerhard Schröder als selbst erklärten Freund von Currywurst und einer Flasche Bier. Aber was macht der Gerd mit „Koreawurst“, wie im Programmheft zu lesen ist?

Knör: Gar nichts. Die Verbindung ist, dass es um Kim Jong Un geht. Ich habe mir das schöne Lied „Currywurst“ von Herbert Grönemeyer noch mal vorgenommen und singe etwa: „Bist du in Pjöngjang, wer guckt dich da an: Koreawurst.“ Kim Jong Un zeigt sich vor der Welt versöhnlich und häuft im Hintergrund nur noch mehr Waffen an. So zeige ich Bilder eines Mannes, der so viele Gesichter hat.

Wie viele Menschen kann Jörg Knör parodieren?

Knör: Ich habe 70 Leute in meinem Repertoire. Die gebe ich bei Google ein und schaue, was in diesem Jahr bei denen gewesen ist. Die Letzten, die dazu gekommen sind, waren Bruce Darnell, Dieter Bohlen und Mario Barth – Stimmen, die auch ein 30-Jähriger verdaut. Ich bediene mich nicht aus der antiken Oldie-Kiste. Ich würde mir wünschen, dass mir jemand einen Star präsentiert und sagt: Das ist dein neues Opfer.

Wie suchen Sie sich die „Opfer“ der Parodie aus? Welche Voraussetzungen müssen sie mitbringen?

Knör: Die Voraussetzung für die Parodie ist immer, dass das Original so markant ist. Davon gibt es einfach nicht mehr so viele. Viele Leute sind bekannt, aber wie kann ich Chris Tall oder Luke Mockridge parodieren? Es fehlt an markanten und starken Persönlichkeiten. Irgendwann sind alle tot, die ich parodiere. Wenn man die Stimme einer Person in zwei, drei Sekunden wiederkennt, wenn sie nur das Telefonbuch oder den Geschäftsbericht von RWE vorliest, dann ist die Voraussetzung erfüllt. Ich glaube nicht, dass die Leute Markus Söder im Radio erkennen, wenn er von Blumen erzählt oder seinem Hund.

Gibt es einen in all den Jahren, bei dem Sie vor dem Spiegel standen, die Parodie probten und verzweifelt sind?

Knör: Ich stehe nie vor dem Spiegel. Wenn ich übe, laufe oder gehe ich um die Alster oder früher in Köln durch den Grüngürtel. Wenn ich vor mich hinspreche, um mir die Stimme klar zu machen, ist das ein sehr alberner Vorgang. Nein, verzweifelt bin ich noch nicht. Ich kenne meine Stimme mittlerweile so gut, dass ich mich gar nicht erst an jemand heranwage, wenn ich weiß, ihn nicht hinzubekommen. Interessant ist, dass ich manchmal gar nicht weiß, was meine Figuren auslösen. Ich habe ja immer den Papst im Programm gehabt, auch den deutschen. Da kam es vor, dass Zuhörer aus dem Publikum rausgegangen sind – beispielsweise der frühere Bundesinnenminister Rudolf Seiters in Osnabrück aus der Stadthalle.

Du leeven Jott.

Knör: Ja, du leeven Jott. Man unterschätzt manchmal, was man auslöst. Ich habe mal sehr liebevoll an Dirk Bach erinnert, im Senftöpfchen in Köln. Ich hatte da meine Freundin Hella von Sinnen eingeladen, aber unterschätzt, was das bei ihr auslöst. Sie ist weinend raus. Es war zu echt, es war zu nah.

Sie nehmen in Ihrem Jahresrückblick nicht nur Calmunds runden Geburtstag und die Hochzeit von Harry und Meghan auf die Schippe, sondern auch Trump, Seehofer, Gauland und das CDU-Trio Merz-Karrenbauer-Spahn tauchen auf. Wird Jörg Knör mit den Jahren politischer?

Knör: Ich kann nicht nur vorführen, wie es ist. Es braucht auch eine Pointe. Und das mache ich in diesem Jahr in meinem Jahresrückblick. Wir können nicht nur beschreiben, wir müssen auch Haltung zeigen.

Früher haben wir Sie und Ihre Parodien regelmäßig im Fernsehen sehen können. Muss man heute um die 20 Jahre alt sein und eine Baseballkappe falsch rum auf dem Kopf tragen, um die „Zielgruppe“ begeistern zu können?

Knör: Das Outfit ist ja unwichtig, aber ich weiß, was Sie meinen. Ich und andere Kollegen haben schon häufiger von Fernsehmachern gehört: Mach doch mal was für 25-Jährige. Da denke ich, wie unsinnig dieser Spruch ist. Als würde man Luke Mockridge sagen: Vergiss die 60-Jährigen nicht. Es gibt einen demografischen Wandel. Darum wird meine Zielgruppe immer größer. Und ich zeige ihnen vielleicht eine Unterhaltung, die sie vom Fernsehen vermissen.

Karten sind erhältlich für 26 Euro plus Gebühren in Rheinbach in der Buchhandlung Kayser und bei Lotto Krämer, in Meckenheim im Fanshop Ruland, in den Geschäftsstellen des General-Anzeigers, unter www.bonnticket.de sowie für 30 Euro an der Abendkasse.

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