Forschung am Campus Rheinbach: Hochschule Bonn-Rhein-Sieg bietet Freiwilligenjahr an

Forschung am Campus Rheinbach : Hochschule Bonn-Rhein-Sieg bietet Freiwilligenjahr an

Bereits zum zweiten Mal bietet die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg am Campus Rheinbach ein Freiwilliges Soziales Jahr an. Studierende können dabei nicht nur die Grundlagen der Laborarbeit erlernen.

Man trifft sie häufig in Krankenhäusern, Kindergärten und Altenheimen an: Die jungen Erwachsenen, die sich nach Abschluss ihrer Schullaufbahn im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) Einblicke in das meist sozial-karitative Berufsfeld verschaffen. Dass ein Heranwachsender sein FSJ allerdings im wissenschaftlichen Bereich absolvieren kann, hat in Deutschland Seltenheitswert. Lediglich im Nordosten der Republik und in Baden-Württemberg bestehe diese Möglichkeit, erläutert Jörn Oliver Sass, Professor für Bioanalytik und Biochemie im Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (HBRS), und macht sich dafür stark, dass sich das Konzept weiter etabliert.

Bereits zum zweiten Mal bietet die HBRS in Kooperation mit der Joachim-Hertz-Stiftung aus Hamburg ein FSJ in Wissenschaft, Technik und Nachhaltigkeit am Campus Rheinbach an. Christian Radtke, der sich gegen zehn Mitbewerber hat durchsetzen können, absolviert nun seit knapp drei Monaten sein FSJ in der von Sass betreuten Arbeitsgruppe zur Erforschung angeborener Stoffwechselstörungen und erlernt dabei nicht nur Grundlagen der Laborarbeit, sondern erhält auch Einblicke in biowissenschaftliche Studiengänge und Berufsfelder.

Nachfrage ist gegeben

Die Begeisterung, wenn er von seiner Tätigkeit zwischen Petrischalen und Reagenzgläsern spricht, ist Christian Radtke anzumerken. „Mich hat das Themenfeld schon immer interessiert, aber seit ich hier bin, merke ich erst einmal, wie wenig bisher erforscht wurde und wie riesig das Spektrum noch ist“, schwärmt der gebürtige Oberhausener und macht überzeugend klar, warum er sich für das FSJ entschieden hat - und sich nicht von den Bedingungen - bei einer 39,5 Stundenwoche erhält er ein Taschengeld in Höhe von 320 Euro im Monat- hat abschrecken lassen. Zu dem Bewerbungsverfahren gehört neben einem Auswahlgespräch im Vorfeld auch ein Hospitationstag. „Ob es passt, sieht man schon an diesem einen Tag“, argumentiert Jörn Oliver Sass. „Die Bewerber müssen ja auch wissen, was auf sie zukommt und ob sich ihre Erwartungen erfüllen.“ Theoretisch kennen sie die Prozesse aus der Schule, die Praxis im Labor sieht allerdings oft anders aus. „Beim Experimentieren braucht man Geduld und Durchhaltevermögen“, betont Sass und hofft, dass das Angebot für ein FSJ im wissenschaftlichen Bereich zunimmt.

Die Nachfrage sei auf jeden Fall da, erklärt der Professor, der seit knapp vier Jahren in Rheinbach tätig ist und auch in seiner vorherigen Position am Freiburger Uniklinikum junge Menschen angelernt hat. „Damals waren es Zivildienstleistende“, erinnert er sich und berichtet, dass er auf diese außergewöhnliche Form des FSJ durch einen Rheinbacher, der sein FSJ am deutschen Krebsforschungsinstitut absolviert hat, aufmerksam geworden ist. Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Vorhabens ergaben sich nach Sass vor allem dabei, einen Träger für dieses Projekt zu finden. „Im Rahmen der einjährigen Tätigkeit müssen die FSJler an 25 Seminartagen teilnehmen“, erläutert der Ideengeber und freut sich über die Bereitschaft des Internationalen Bundes in Köln, hier als Bildungsträger aktiv zu werden.

Thematisch sind die Seminarthemen für alle Teilnehmer im weiten Feld des karitativen Bereichs angesiedelt. „Das Angebot, das wir hier schaffen, ist in NRW einmalig. Für einen solchen Exoten wie Herrn Radtke kann man natürlich nicht extra wissenschaftliche Themen anbieten, aber allgemeinbildend bringt ihn das in jedem Fall weiter.“ Dem kann Radtke nur zustimmen, darüber hinaus ist der Mehrwert für ihn groß: „Die praktische Forschungsarbeit ist für mich toll, aber auch der Austausch mit Azubis, Masterstudenten und Doktoranden. Einen besseren Weg der Berufserkundung kann ich mir kaum vorstellen, denn ich lerne hier alles kennen und kann dann konkretisieren, was ich mal machen will.“

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