Auszeichnung für fairen Handel und Nachhaltigkeit: Hochschule Bonn-Rhein-Sieg als Fairtrade-University ausgezeichnet

Auszeichnung für fairen Handel und Nachhaltigkeit : Hochschule Bonn-Rhein-Sieg als Fairtrade-University ausgezeichnet

Der Kaffee wird aus Mehrwegbechern getrunken und ist ebenso fair gehandelt wie die Kekse die dazu gegessen werden. Jetzt wurde der Hochschule die Urkunde als Fairtrade-University übergeben.

Wenn 2400 Studierende am Campus Rheinbach und 6000 Studierende am Campus Sankt Augustin sowie einige Hundert Mitarbeiter der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg Kaffeedurst haben, fällt jede Menge Müll an – jedenfalls, wenn der Kaffee in Einwegbechern gereicht wird. Das ist jetzt vorbei: die Hochschule hat auf Mehrwegbecher umgestellt, die laut Herstellerangaben bis zu 500 Mal verwendet werden können.

"Wir haben nach dieser Umstellung so viele positive Rückmeldungen bekommen", freute sich Milan Gerasch. Dass der ausgeschenkte Kaffee in der Mensa natürlich ebenso fair gehandelt ist wie der Tee und die Kekse, versteht sich an der Hochschule schon von selbst. Gerasch gehört mit seiner Kommilitonin Hannah Wallersheim als Studierende der Steuerungsgruppe an, die unter der Leitung von Professorin Maike Rieve-Nagel gemeinsam mit Thomas Krickhahn und Doris Kübler von Fairtradetown Rheinbach die Bewerbung der beiden Hochschul-Standorte Rheinbach und Sankt Augustin für die Auszeichnung als Fairtrade-University zum Erfolg geführt hat.

Am Montag überreichte Claudia Brück vom Vorstand des Vereins TransFair Deutschland, die Urkunde als Fairtrade-University an Hochschulpräsident Professor Hartmut Ihne und die Steuerungsgruppe. In seiner Gratulation hob Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz Kooperationen und Netzwerkarbeit zwischen der neuen Fairtrade-University und der Fairtradetown Rheinbach hervor. "Wir haben auch mit kleinen Schritten und fair gehandeltem Kaffee angefangen", sagte er. Inzwischen prüfe die Stadt zum Beispiel unter dem Stichwort "Green IT" auch genau, wo elektronische Geräte hinkommen, wenn sie abgegeben werden, um zu vermeiden, dass sie in Entwicklungsländern auf Müllkippen landen.

Für Hartmut Ihne lag die Bewerbung als Fairtrade-University auf der Hand. Schließlich sei schon 2010 Nachhaltigkeit als zentrale Planung festgelegt und in den Entwicklungsplänen der Hochschulen seither fortgeschrieben worden. So sei bei der Planung des Neubaus Wert auf eine Auswahl der verwendeten Steine gelegt worden. „Die Hochschule fühlt sich dem Fairtrade-Gedanken verpflichtet, um Armut in den sogenannten Dritte-Welt-Ländern zu beseitigen, Bildung zu fördern und die ökologische Produktion vor Ort zu stärken“, sagte Ihne. Zugleich bekannte er sich zu Fridays for Future und stellte die Hochschule in eine Reihe mit dieser weltweiten Bewegung der jungen Generation für Klimaschutz und Nachhaltigkeit: "Wir sollten die Bewegung der Fridays for Future ernst nehmen. Wir sind Fairtrade-University und damit University for Future und Teil der Bewegung."

Der Anstoß, dass die Hochschule sich auf den Weg zur Auszeichnung als Fairtrade-University gemacht hat, sei aus der Mitte der Studierenden gekommen, wie die Sprecherin der Steuerungsgruppe, Rieve-Nagel, sagte. In einem Praxisprojekt sei zunächst der Ist-Zustand analysiert worden mit dem Ergebnis, dass die Hochschule schon vieles in Sachen Nachhaltigkeit tue. Bei Veranstaltungen werde nur fair gehandelter Kaffee, Tee und Kekse angeboten, ebenso in der Mensa, die fair gehandelte Produkte anbieten müsse. Zwei Mal im Jahr finden Messen (Trade Fairs) statt, bei denen Studierende ihre nachhaltigen Geschäftsideen präsentieren, und bei der Fashion Revolution Week wird nachgehakt, woher die Kleidung kommt und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wird.

Zudem haben Studierende zahlreiche Aktionen umgesetzt wie "Wir machen dem Müll Beine" und sind dabei ein Green Office, ein Nachhaltigkeitsbüro, zu etablieren, über das den Studierenden nachhaltige Themen nahe gebracht werden sollen. "Beim Thema Kleidung haben wir gesehen, wie viel Zündstoff darin steckt", sagte Student Gerasch. "Es ist wichtig, das fortzuführen und weiter zu vertiefen. Man muss uns Studierende als diejenigen, die künftig an wichtigen Stellen mitentscheiden, schon hier in der Hochschule mit dem Thema abholen. Wir haben damit ein Riesenpotenzial, das Thema Nachhaltigkeit in die Welt zu tragen."

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