Foodbloggerinnen "Zu Gast auf dem Sofa" in Rheinbach: Gesunde Gourmets lernen von Google

Foodbloggerinnen "Zu Gast auf dem Sofa" in Rheinbach : Gesunde Gourmets lernen von Google

In der Hochschul- und Kreisbibliothek der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg knöpfen sie sich hartnäckige Ernährungsmythen vor und servieren ihre Erkenntnisse in sprachlich leicht verdaulichen Häppchen: Die Ernährungsjournalistinnen Melanie Mühl und Diana von Kopp sind am Donnerstag, 24. November, in Rheinbach „Zu Gast auf dem Sofa“.

Eine Kantine sieht anders aus: Anstatt eines von Essensdüften durchsetzten Raumes mit zweifelhafter Aufenthaltsqualität setzen die Datensammler von Google auf eine Selektion von durchdesignten Restaurants, Bistros, Cafés und Mikroküchen. Der Konzern aus dem Silicon Valley ist nicht nur für seine Datensammelwut bekannt, sondern obendrein für den Überwachungsblick auf seine Mitarbeiter.

Die Google-Formel lautet: Gesunde, weil bestens ernährte Angestellten sind glücklich, und glückliche Menschen leisten Hervorragendes. Wer das von den Ernährungsjournalistinnen Melanie Mühl und Diana von Kopp geschriebene Buch „Die Kunst des klugen Essens“ liest, erkennt, dass Google eine ausgeklügelte Manipulationslandschaft in der Kantine aufbaut, um die Mitarbeiter zum gesunden Essen zu lotsen. Am Donnerstag, 24. November, 19.30 Uhr, sind die beiden Foodbloggerinnen in Rheinbach „Zu Gast auf dem Sofa“.

In der Hochschul- und Kreisbibliothek der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg knöpfen sie sich selbst hartnäckigste Ernährungsmythen vor. So fällt den Autorinnen etwa auf, dass der Internetriese seinen Mitarbeitern ausschließlich kleine Teller für den vielseitig, reichhaltig und mit Gesundem gedeckten Mittagstisch zur Verfügung stellt. Google-Küchenchef Scott Giambastiani berichtet, dass dies keinem Zufall geschuldet ist – im Gegenteil. „Dann werden sie später am Tag nicht so müde. Das hält sie auf der Höhe ihrer Leistungsbereitschaft“, sagt der Suchmaschinenkoch.

Vermeintliches Klischee zeigt Wirkung

Schonungslos und zugleich mit einem Augenzwinkern auf liebgewordene Essgewohnheiten versehen, decken die Journalistinnen in ihrem 223-Seiten-Werk auf, wie ein Supermarkt zum „Manipulationsapparat“, wie Mühl und von Kopp es nennen, werden kann. Beispiel: In Großbritannien bewirbt ein Lebensmittelgeschäft seine Weine in der ersten Woche mit Akkordeonmusik, in der zweiten Woche mit Blasmusik.

Der Effekt verblüfft, denn das vermeintliche Klischee zeigt Wirkung: In der ersten Woche gingen deutlich mehr französische Weine über die Ladentheke, in Woche zwei mehr deutsche Tropfen. Der Rat der beiden Expertinnen lautet: Gegen solche Einflüsse helfen „nur Scheuklappen, Kopfhörer und ein starrer Blick auf den Einkaufszettel.“

Im Dickicht des Nahrungsdschungels sind vielfältige Fähigkeiten gefragt, um all dies zu durchschauen, was findige Marketingstrategen uns auf den Teller oder gleich in die Hand zaubern wollen. Schließlich lebt eine ganze Industrie davon, dass uns Ungesundes einfach gut schmeckt – und sei es nur, um sich selbst gegenüber eine Belohnung auszusprechen. Mitunter ist es einfach, den Kalorienfallen im Nahrungsdschungel aus dem Weg zu gehen.

Wer beispielsweise beim Anblick eines Büfetts um seine angestammte Kleidungsgröße bangt, muss sich einfach mit dem Rücken zu den dargebotenen Köstlichkeiten setzen. Wer Wert darauf legt, das Speisenangebot permanent im Blick zu haben, riskiert, deutlich übersättigt den Raum wieder zu verlassen, da er häufiger Lust verspüre, vom Angebot zu kosten.

Je kürzer die Nacht, desto dicker der Bauch

Apropos Rücken: Sich zeitig rücklings ins Bett zu begeben, beugt auch zunehmender Leibesfülle vor: Einen direkten Zusammenhang von Schlafqualität und Hunger weisen die beiden Autorinnen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach. Je kürzer die Nacht, desto dicker der Bauch. Denn zu wenig Schlaf macht hungrig. Kein Mythos ist, dass der abendliche Genuss einer Haxe den Genießer schlicht um den Schlaf bringen kann, da der Körper mit dem Fettabbau beschäftigt ist.

Amüsant zu lesen sind insbesondere die vielfältigen Stellen, an denen Mühl und von Kopp genüsslich zelebrieren, wie leicht wir uns beim Genuss von Äußerlichkeiten manipulieren lassen: etwa, wenn wir dem Charme eines Billigweins mit hochwertigem Etikett erliegen oder plötzlich einen Schokoladenkuchen schätzen, weil ein Gastronom ihn „Black Forest Belgian Double Chocolate Cake“ getauft hat. Und: Für viele unserer Essensvorlieben kann nicht die Werbung etwas. Viele Aromen, die wir ein Leben lang schätzen, nehmen wir schon im Mutterleib auf. Tun wir dies nicht, verschmähen wir sie womöglich später.

Melanie Mühl und Diana von Kopp sind am Donnerstag, 24. November, 19.30 Uhr, „Zu Gast auf dem Sofa“ in der Hochschul- und Kreisbibliothek, von-Liebig-Straße 20. Karten gibt es für zehn, ermäßigt sechs Euro in der Rheinbacher Buchhandlung Kayser sowie den Hochschul- und Kreisbibliotheken in Rheinbach, Von-Liebig-Straße 20, und Sankt Augustin, Grantham-Allee 20. Das Buch „Die Kunst des klugen Essens“ von Melanie Mühl und Diana von Kopp ist im Hanser-Verlag erschienen und kostet 16 Euro.