Rheinbacher Zeltstadt von "Abenteuer Pur": Ferienspaß für Daheimgebliebene

Rheinbacher Zeltstadt von "Abenteuer Pur" : Ferienspaß für Daheimgebliebene

Mit Reis gefüllte Flaschen und Becher oder Plastikschüsseln - mehr braucht es nicht, um rhythmische Klänge zu erzeugen. Betreuer Simon Lauktien zeigt, wie es geht, und die Teenager machen mit, erfinden schnell ihre eigenen Rhythmen.

Mit einer Suppenkelle auf einer Alu-Kiste schlägt Annika den Takt mit. Der Trommelworkshop mache Spaß, aber am schönsten sei der Tagesausflug ins Bubenheimer Spieleland gewesen, berichtet die Zwölfjährige aus Bornheim von ihren Erlebnissen bei der Rheinbacher Zeltstadt.

Auch die Strategie-Geländespiele, die abends im gesamten Rheinbacher Freizeitpark mit beinahe allen 70 Zeltstadt-Teilnehmern stattgefunden haben, und die Lagerfeueratmosphäre später, haben das Mädchen nachhaltig beeindruckt. Die Frage, ob sie nächstes Jahr wieder kommen will, beantwortet Annika ohne Zögern mit Ja.

Etwa ein Drittel der Teilnehmer sei zum wiederholten Mal dabei, berichtete gestern der Vorsitzende des Zeltstadt-Trägervereins "Abenteuer Pur", Georg Schroeter, der in dieser Woche gemeinsam mit David Patzke die Leitung der Stadtranderholung inne hat.

Patzke ist das typische Beispiel des fließenden Übergangs vom Teilnehmer zum Betreuer: Der 22-jährige Student war schon bei der ersten Zeltstadt vor etwa elf Jahren dabei, wurde mit 17 Jahren Betreuer und ist nun erstmals Leiter. "Die ehemaligen Nutznießer geben oft etwas zurück", erklärte Bürgermeister Stefan Raetz das System und dankte den insgesamt 22 ehrenamtlichen Helfern für ihren Einsatz.

Die Zeltstadt ist eine Möglichkeit für Kinder, auch zu Hause in den Ferien etwas zu erleben, und bedeutet eine Entlastung für die Eltern, die wissen, dass sich ihr Nachwuchs in guter Obhut befindet. Eine Woche zuvor hatten unter der Regie der Lehramtsstudenten Simon Lauktien, Leo Pommerich und Johanna Florin bereits 64 Kinder eine Ferienwoche in der Zeltstadt verbracht.

Eine anstrengende, betreuungsintensive Woche mit vielen jüngeren Teilnehmern und auch einem Kind, das an einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung leidet, resümiert Lauktien. Besonders wichtig dabei sei eine gute pädagogische Betreuung der Kinder, betonte Schroeter. Daher würden die Helfer intensiv geschult.

Hauptzielgruppe sind nach Angabe der Pädagogen Rheinbacher Kinder aus Familien, die sich keinen Urlaub leisten können. Jedoch sei eine Durchmischung wichtig. "Wir haben einen Querschnitt aller möglichen Schichten und Herkunftsländer, so dass sich die Kinder hier kennenlernen und Vorurteile abbauen können", erklärt Schroeter.

30 potenziellen Teilnehmern musste in diesem Jahr abgesagt werden. "Eigentlich bräuchten wir eine dritte Woche, der Bedarf ist da", sagt Schroeter. Jedoch ist es den Ehrenamtlichen kaum möglich, noch mehr Zeit für die Zeltstadt zu opfern: "Bei Arbeitszeiten von morgens acht bis nachts um eins geht man irgendwann auf dem Zahnfleisch."

Eine ständige Herausforderung bedeutet die finanzielle Situation. Die Elternbeiträge sollen möglichst auf dem niedrigen Niveau von 110 Euro bleiben. Die Stadt Rheinbach bezuschusst Rheinbacher Kinder. Zuschüsse für Teilnehmer aus der Umgebung scheiterten durch die Dezentralität der Jugendämter meist am Verfahren, erläutert Schroeter, der sich dafür eine zentrale Stelle im Rhein-Sieg-Kreis wünscht.

Unterdessen geht das Programm in der Zeltstadt weiter. Am Kletterturm hat Dave gerade die Gipfelglocke geläutet und lässt sich jetzt abseilen - gewinnt Selbstvertrauen und Vertrauen in einem. Im Chillzelt schmökern die beiden elfjährigen Freunde Mika und Fabian gerade in Comics, die sie in den Bücherkisten des Vereins "Rheinbach liest" entdeckt haben. Andere machen einen Ausflug zum Bogenschießen, wieder andere erkunden mit dem Mountainbike die Gegend oder spielen Basketball.