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Georgsring Rheinbach: Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge

Georgsring Rheinbach : Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge

Während der hohe Zuwachs an Flüchtlingen die Kommunen zunehmend an ihre Belastungsgrenzen treibt, läuft eine Säule der sozialen Solidargemeinschaft zu Hochform auf: das ehrenamtliche Engagement. Dank der Fahrradwerkstatt des Georgrings werden Rheinbacher Flüchtlinge mobil.

Gegründet im Jahre 1969 ist der Georgsring Rheinbach eine feste Größe im Rheinbacher Ehrenamt. Klar, dass die von ehemaligen Pfadfindern gegründete Initiative rund um den Vorsitzenden Martin Fröhlich auf das Mobilitätsproblem vieler Flüchtlinge mit einem Angebot der besonderen Art reagierte."Die Kommunen unterstützen die hier lebenden Flüchtlinge in einer großen Bandbreite. Dazu gehört leider nicht die Gewährleistung von Mobilität", erklärt Martin Fröhlich den Ursprung der Idee.

Flüchtlinge müssen oft kilometerlange Wege zwischen ihrem Wohnort und Örtlichkeiten des alltäglichen Lebens auf eigene Kosten zurücklegen. Über Fahrzeuge verfügen die Wenigsten, Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr bedeuten einen schmerzlichen Einschnitt in das meist spärliche Budget.

Diesem Problem möchte der Georgsring mit seinem Fahrradprojekt begegnen. "Die Flüchtlinge sind selten im Stadtkern untergebracht. Für Wege von bis zu zehn Kilometern, etwa um die Kinder in die Schule zu bringen oder Einkäufe zu tätigen, ist das Fahrrad optimal", so Fröhlich.

Schnell entstand der Plan, eine Fahrradwerkstatt zu eröffnen, in der Flüchtlinge gespendete Fahrräder für andere Flüchtlinge reparieren können. Dass die meisten Georgsring-Mitglieder von Berufs wegen Handwerker sind, kam Fröhlich und seinem Team dabei zugute. "Unsere Mitglieder haben die fachliche Kompetenz, den Flüchtlingen die Reparatur eines Fahrrades zu vermitteln. Richtig Glück haben wir dabei, dass eines unserer Mitglieder im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) organisiert ist", erklärt er. Auch wenn die sprachlichen Unterschiede hin und wieder zu kleinen Missverständnissen geführt hätten - die meisten Flüchtlinge sprechen Englisch - setzten die Mitglieder auf Pragmatismus, wie Fröhlich erklärt: "Zur Reparatur eines Fahrrads bedarf es keiner großen Worte. Die Zusammenarbeit gestaltete sich derart, dass wir die Arbeiten vorgemacht und die Flüchtlinge sich unsere Handgriffe sehr schnell eingeprägt haben". Inzwischen sei das System ein Selbstläufer, die fachkundigen Mitglieder müssten nur noch selten unterstützend einwirken.

Um reparieren zu können, benötigt das Reparaturteam Fahrräder. Daran mangelt es aktuell nicht, erklärt Fröhlich: "Unser Projekt stößt auf große Zustimmung bei den Rheinbachern. Wir haben inzwischen einen Platz in unserem Möbellager als Abstellfläche für die unzähligen Spenden, die uns zukommen, reserviert".

Wenn er von Spenden spricht, spricht er nicht nur von Fahrrädern, mit denen die Rheinbacher Bürger das Projekt unterstützen. Von der Klingel über den Dynamo bis hin zum Anhänger oder dem Fahrradschlauch - Ersatzteile aller Art finden sich in der ehemaligen Majolikafabrik, dem zur Werkstatt umfunktionierten Möbellager des Vereins.

Die reparierten Fahrräder können die Flüchtlinge aus der Rheinbacher Umgebung gegen eine kleine Spende erwerben. Durchschnittlich zehn Euro kosten die Räder, viele kaufen gleich noch einen Ausrüstungsgegenstand hinzu. "Beliebt sind vor allem unsere Fahrradanhänger, mit denen die Kinder zur Schule gefahren werden", sagt Fröhlich.

Mindestens fünf Flüchtlinge reparieren die Fahrräder gemeinsam mit den Georgsring-Mitgliedern. Nicht alle von ihnen können der Tätigkeit aufgrund von Wohnortwechseln dauerhaft nachgehen. Umso mehr freut sich Fröhlich, dass drei der Flüchtlinge nun schon über einen langen Zeitraum in der Werkstatt arbeiten. "Die Aufgabe macht den Menschen und uns nicht nur Spaß, sie ist auch von Erfolg gekrönt. Mehr als hundert Fahrräder haben wir inzwischen repariert und abgegeben", so der Vorsitzende.

Den reibungslosen Ablauf führt er auch auf die "allerbeste Harmonie" in der Zusammenarbeit mit der Stadt Rheinbach zurück, der das Engagement des Vereins auch in der Vermittlung von Sprachkenntnissen zugutekommt. "Die Flüchtlinge erlernen ja nicht nur technische Kompetenzen, sondern über den nonverbalen Austausch hinaus auch die deutsche Sprache", so Fröhlich und ergänzt lächelnd: "Die Wörter Schraubenzieher, Mutter und Schlauch sitzen jetzt bei jedem".

Besonderen Wert legen die Mitglieder des Georgsrings auch auf die Sicherheit der zukünftigen Radler. Wer ein Fahrrad kauft, erhält ein Handbuch des ADFC mit den Verkehrsregeln dazu - in acht verschiedenen Sprachen.

Wer das Fahrradprojekt mit Spenden unterstützen möchte, kann dies freitags von 14 bis 18 Uhr in der ehemaligen Majolikafabrik, Keramikerstraße 3, tun. Alle Gegenstände rund um das Fahrrad sind willkommen, Fragen beantwortet Martin Fröhlich unter 0 22 26/8 09 68 28. Weitere Informationen unter www.georgsring.de.