Neuer Standort: Erneut gibt es Ärger um Sirene in Rheinbach

Neuer Standort : Erneut gibt es Ärger um Sirene in Rheinbach

Die Alarmsignalanlage ist auch im Rheinbacher Hochschulviertel in der Kritik der Anlieger. Die alte Anlage stand direkt neben Wohnhäusern. Die Feuerwehr ist mit dem neuen Platz zufrieden und will weiter auf Sirenen setzen.

Irgendwie bedrohlich, aber zumindest respekteinflößend sieht sie aus. Nur wenige Meter von ihrem Wohnzimmerfenster entfernt blickt das Studentenehepaar Linda und Thilo (Namen geändert) auf eine sogenannte Tellersirene, die auf einer etwa fünf Meter hohen Stange thront. Immer dann, wenn der Alarmsignalgeber betätigt werden muss, um Feuerwehrleute zum Einsatz zu rufen oder die Bevölkerung vor außergewöhnlichen Gefahren zu warnen, beschallen mehr als 100 Dezibel die Bewohner der im Herbst 2017 fertiggestellten Wohnhäuser an der Keramikerstraße ( der GA berichtete). Nachdem im Oktober vergangenen Jahres die Sirene stillgelegt wurde, da sich im Rheinbacher Hochschulviertel ein neuer Standort fand, gibt es nun erneut Ärger wegen der neuen Alarmierungseinrichtung. Anwohner aus dem Hochschulviertel haben sich über den nach ihrer Meinung zu lauten neuen Alarmgeber bei der Stadt Rheinbach beschwert. Den neuen Standort schätzen einige Nachbarn des Rheinbacher Campus der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (HBRS) als ungeeignet ein.

Hintergrund: Nachbarn des 2017 von der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG) fertiggestellten Wohnhauses an der Keramikerstraße hatten sich via Bürgerantrag für die Versetzung der Sirenenstange eingesetzt. Die Suche nach einem Alternativstandort hatte sich allerdings über Monate hingezogen, da die Stadt zunächst eine geeignete Stelle auf öffentlichem Grund finden musste. Die ursprüngliche Planung der Verwaltung, die Sirene auf dem Neubau selbst zu installieren, habe nach Auskunft der Stadt nicht umgesetzt werden können, da der Eigentümer, die GWG, diesem nicht zugestimmt hat. Als mit der Hochschule ein neuer Standort gefunden und mit dem Land als Eigentümerin der Hochschulimmobilie ein entsprechender Vertrag unterzeichnet werden konnte, hat dann das lang anhaltende Sommerwetter dafür gesorgt, dass die Installation auf dem Campusdach erst Mitte Oktober vergangenen Jahres abgeschlossen werden konnte, wie Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz seinerzeit im Rat berichtet.

"Nachts alarmieren wir fast gar nicht mehr"

„Endlich“, lautet darum auch die Reaktion von Gert-Uwe Geerdts, der den Bürgerantrag zur Verlegung der Sirene gestellt hatte. 15 Monate seien von der Versendung des Antrags bis zur Realisierung des Anliegens ins Land gegangen, so Geerdts. Bedarf für eine erneute Versetzung der Alarmsignalanlage auf dem Hochschuldach sieht Bürgermeister Stefan Raetz derzeit nicht. „Die Sirene ist weit genug von der nächsten Wohnbebauung entfernt“, sagt der Christdemokrat auf Anfrage des General-Anzeigers. Der neue Standort auf dem öffentlichen Gebäude an der Von-Liebig-Straße sei nach Rücksprache mit dem Land sowie der Feuerwehr mit Bedacht ausgewählt. Und: Zwar habe die Rheinbacher Feuerwehr im Laufe eines Jahres rund 360 Einsätze zu bewältigen, erklärt Raetz, die Alarmierung der freiwilligen Frauen und Männer geschehe aber „nur zum kleinen Teil“ mittels Sirenen.

Aus Sicht von Jörg Kirchhartz, stellvertretender Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Rheinbach, sind Sirenen an erster Stelle für die Alarmierung im Katastrophenfall oder einer Gefahrenlage wie einem Chemieunfall unabdingbar. „Wir sehen sonst keine andere Chance, die Bevölkerung auf solch umfassende und schnelle Weise zu alarmieren“, sagt Kirchhartz gegenüber dem General-Anzeiger. Trotz anderer Warnmöglichkeiten wie dem Lokalfunk oder der Handy-Warnapp Nina betrachtet er die Sirene als „die wirkungsvollste Methode, die Menschen im gesamten Stadtgebiet zu warnen“. Darum sei es eminent wichtig, das Netz an Sirenen zu erhalten.

Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 und dem Ende des Kalten Krieges sind viele der Alarmsignalanlagen, die zumeist aus den 50er-Jahren stammten, abgebaut worden. Erst später sei die Erkenntnis gereift, dass die Bevölkerung nicht nur vor möglicher atomarer Bedrohung gewarnt werden müsse, sondern ebenso vor anderen katastrophenhaften Ereignissen. Die Rheinbacher Feuerwehr selbst nutzt die Signalgeber im Wortsinne nur in Notfällen. „Nachts alarmieren wir fast gar nicht mehr per Sirene. Generell versuchen wir, dank der technischen Alternativen wie Pieper und Handy, immer mehr auf den Einsatz der Sirenen zu verzichten“, so der stellvertretende Wehrleiter.

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