Jahresrückblick: Erfrorene Blüten und Richtfest ohne Dach in Rheinbach

Jahresrückblick : Erfrorene Blüten und Richtfest ohne Dach in Rheinbach

Politische Entscheidungen, einen gewalttätigen Übergriff auf die Mutter eines Klapperkindes, aber auch die ein oder andere Überraschung - all das brachte das Jahr 2017 in der Voreifel mit sich.

Als spannend wie ein Krimi und facettenreicher als manch eine der derzeit angesagten Fernsehserien erwies sich 2017 die Landtagswahl im Linksrheinischen: Vor allem die Suche nach einem parteiinternen Nachfolger für die 73-jährige Swisttalerin Ilka von Boeselager (CDU), 27 Jahre Abgeordnete in Düsseldorf, in ihrem stets direkt gewonnenen Wahlkreis war ein Lehrstück dafür, dass künftige Mandatsträger nicht in Hinterzimmern gekürt werden.

Nachdem sich Oliver Krauß bereits nach mehreren Vorstellabenden im November 2016 gegen Gabriele Kretschmer, Markus Pütz, Franz-Josef Jäger, Daniel Schumacher und Joachim Kühlwetter durchgesetzt hatte und als CDU-Kandidat ins Rennen ging, errang der 47-jährige Rechtsanwalt – derart gestärkt – im Mai dieses Jahres im ersten Anlauf 44,8 Prozent. SPD-Konkurrent Folke große Deters aus Rheinbach kam auf 26,3 Prozent der Stimmen. Wie überall zwischen Wormersdorf und Windeck die CDU-Bewerber sicherte sich der Verkehrsexperte aus Alfter das Direktmandat im Wahlkreis Rhein-Sieg-Kreis III mit Alfter, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal und Wachtberg.

Ein wenig von absurdem Theater hatte hingegen ein Gastspiel von Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) während der Wahlkampfzeit in Rheinbach. Der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW lud im Mai zum Richtfest des neuen C-Flügels in der Rheinbacher Justizvollzugsanstalt (JVA) ein. Nur: Es war zwar ein prachtvoller Richtkranz vorhanden, allerdings noch kein Dach, auf den das Gebinde gesetzt – in der Fachsprache gerichtet – werden konnte. Kutschatys Pressesprecher verteidigte anschließend das Richtfest gegen Kritik. Auf dem neuen Gefängnistrakt für 34 Millionen Euro sei sowieso kein geneigtes Dach, sondern allenfalls ein Flachdach geplant gewesen. Darum sei das Richtfest bereits zu diesem Zeitpunkt möglich gewesen.

Frostschäden im April

Weit mehr als ein Richtfest, nämlich die Eröffnung, feierten die Meckenheimer: Kistenpacken und das Auspacken war im Mai und Juni bei den 140 Mitarbeitern der Meckenheimer Verwaltung angesagt. Aus bislang drei Standorten im Stadtgebiet zogen sie in das neue Rathaus am Siebengebirgsring. Und wenn die Meckenheimer schon mal in Feierlaune sind: Die benachbarte neue Jungholzhalle war ebenso rechtzeitig fertig geworden – und im Kostenbudget von 18,5 Millionen Euro geblieben.

Seit dem Frühjahr drehen sich die vier Windräder bei Odendorf und Essig. Nachdem die Gemeinde Swisttal und der Energieversorger Enercon ihre juristischen Auseinandersetzungen ad acta gelegt hatten, konnten die Windparkbetreiber aus dem ostfriesischen Aurich das letzte unfertige Rad vollenden und das rotierende Quartett ans Netz nehmen. Nicht nur die erklärten Gegner dieser Art der Stromerzeugung erkennen aber, dass sich die Räder nicht wirklich oft ergiebig im Wind drehen, um Energie zu erzeugen.

Eine Laune der Natur sorgte in der Nacht vom 19. auf den 20. April dafür, dass die Obstbauern der Region in diesem Jahr mit enormen Frostschäden zu kämpfen hatten. Plötzlich einbrechende polare Kaltluft sorgte dafür, dass viele Blüten erfroren. Die Folge im Herbst: große Ernteausfälle – insbesondere bei vielen Apfelsorten.

Wormersdorfer erneut vertröstet

Drei Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Fahrens ohne Führerschein brummte ein Richter des Euskirchener Schöffengerichts im Oktober dem Mann auf, der in Ollheim am Karsamstag eine Gruppe von Klapperkindern attackiert und eine die Gruppe begleitende Mutter mit Tritten schwer verletzt hatte. Wutentbrannt war der mehrfach vorbestrafte Mann aus seinem Porsche Cayenne gesprungen und hatte die Gruppe zunächst lautstark verbal, dann körperlich angegriffen.

Mit Silke Josten-Schneider geht die Rheinbacher CDU-Mehrheitsfraktion in die zweite Hälfte der Wahlperiode. Nach einem fraktionsinternen Streit wählten die Christdemokraten im Juli die 48 Jahre alte Vizelandrätin als Nachfolgerin des langjährigen Fraktionschefs Bernd Beißel.

73 Jahre galt US-Pilot Charles E. Carlson als vermisst. Forscher fanden im Sommer 2016 im Buschhovener Wald Überreste des im Zweiten Weltkrieg abgeschossenen US-Leutnants. Eine Gruppe um Peter Haarhaus machte sich für einen Gedenkstein für Carlson stark, das lehnte der Swisttaler Hauptausschuss im Juni dieses Jahres ab.

Während die Menschen in Miel erfreut zur Kenntnis nehmen dürfen, dass die seit Jahren versprochene Lärmschutzwand an der A 61 im Sommer fertiggestellt wurde, werden die Wormersdorfer erneut vertröstet: Im Mai 2018 sollen laut Landesbetrieb Straßen die Arbeiten beginnen – 40 Jahre nach der ersten erstellten Planskizze.

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