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Ritterschlag am Fuße der Tomburg: Eine Frage der Ehre

Ritterschlag am Fuße der Tomburg : Eine Frage der Ehre

Im wahren Leben ist Hagen Haas Drehbuchautor, schreibt für die RTL-Seifenoper "Alles was zählt" und wohnt mit seiner Frau Heike und den beiden Söhnen (5 und 8 Jahre) in Brühl-Badorf. Doch manche kennen ihn auch als Hagen, Oberhaupt derer vom Wiesengrund.

Als tapferen, erfahrenen Kämpfer, der seine Klinge furchtlos, sicher und todbringend führt, wenn es darum geht, Unheil von seiner Familie und Geknechteten abzuhalten. Und diesem Hagen steht am kommenden Samstag ein ganz besonderer Moment bevor: der Ritterschlag am Fuße der Tomburg.

Auch für die Tomburg Ritter, die nun im 14. Jahr zu diesem Schauspiel nach Wormersdorf einladen, ist es dieses Mal etwas anders als sonst: "Eigentlich stammen die Knappen, die wir zum Ritter schlagen, immer aus unseren eigenen Reihen", sagt Vorsitzender Jörg Schnebele, dem als Jörg vom Schneewald, erster Ritter der Wormersdorfer Ritterschaft, die Aufgabe zufällt, Hagen erst eine Ohrfeige zu verpassen und ihm dann mit dem Schwert zum Ritter zu schlagen.

Der infrage kommende Knappe aus den eigenen Reihen sei noch nicht so weit, diese Ehre zu erfahren, sagt Schnebele. Hagen Haas sei zwar kein Mitglied der Tomburg Ritter, "aber hat viele Jahre gekämpft, und es gibt kaum jemanden, der es mehr verdient hätte", sagt Schnebele. Als er Haas während eines Lagers auf der Kasselburg bei Gerolstein getroffen und gehört habe, dass er noch nicht zum Ritter geschlagen worden sei, habe seine Entscheidung festgestanden. Und auch der Ritterrat habe nicht gezögert.

Tatsächlich ist das Mittelalter bei Hagen Haas überall präsent. Nicht nur die Büchertitel im Regal im Wohnzimmer des Historikers verraten sein Faible. Wer den Raum betritt, blickt direkt auf die Plattenrüstung, die in der Ecke neben dem Fernseher steht und die Haas bei Schaukämpfen trägt. "Mit den Schaukämpfen habe ich mir mein Studium finanziert", erzählt der 43-Jährige. Im Keller zieht er eine rote Jacke von einer Kleiderstange. "Das ist eine Schecke, ein spätmittelalterliches Gewand", erklärt er. Axt und Helm, in Rittersprache ein Luzerner Hammer und ein Eisenhut, schlummern im Regal nebenan. Und auf der Werkbank wartet ein Rüstwams darauf, mit schützenden Elementen ausgestattet zu werden, den sogenannten Ellenbogenkacheln.

"Meine erste Saison war 1996", erzählt Haas. Im Sommer gehe es zu Lagern und Märkten, auf denen Händler, Musiker, Gaukler und Rittersleute ihre Zelte aufbauen. Im Winter werde an Kleidung und Utensilien gebastelt. Mehrere Wochenenden im Jahr verbringt die Familie Haas im Mittelalter. "Meine Frau hat auch Spaß daran", sagt Haas und zeigt die Damengewänder, die ebenfalls bereit zum Einsatz auf der Kleiderstange hängen. "Und meine Jungs haben schon mehr Waffen als ich, aber aus Holz", sagt er lachend.

"So ein Wochenende im Mittelalter ist auch einfach gut zum Runterkommen", meint Jörg Schnebele. "Absolut", pflichtet Haas ihm bei, "schon wenn man sein Zelt aufbaut, lässt man den Alltag völlig hinter sich, da man in eine andere Welt abtaucht, in eine andere Daseinsweise." Die Art, wie die Menschen im Mittelalter gelebt haben, sei es auch, die sein Interesse für das Hobby ausmache. "Wie wir heute leben, ist ja nur eine von vielen Möglichkeiten", sagt Haas. Aber auch seine "romantische Ader" ziehe ihn in die Welt der Ritter und Burgfräulein, in die er sich als Kind schon gern mit Büchern und Filmen vertieft habe. "Wenn auch heute in dem Wissen, dass es oft nicht romantisch war."

Ein wenig nervös sei er nun schon vor dem ehrenden Schlag zum Ritter. Neun der zehn auf Latein zu gelobenden Gebote habe er für seinen Eid schon auswendig gelernt. "Das Gebot, bis zum Tod gegen die Ungläubigen zu kämpfen, ist natürlich nicht mehr auf dem Stand der Zeit", räumt er ein, "das beziehe ich dann auch nur auf meine Ritterrolle." Aber Anforderungen wie die Schwachen zu schützen, nicht zu lügen und zu seinem Wort zu stehen, wolle er schon auf den Alltag übertragen.

Zuvor aber muss er büßen, wie Jörg Schnebele erinnert: Die Nacht vor dem Ritterschlag soll der Knappe betend in der Tomburg verbringen, ohne Essen und Trinken, ohne Frauen zur Ablenkung. Denn erst wenn er alle Sünden hinter sich gelassen hat, darf er das weiße Büßerhemd abstreifen und zum Ritter werden.

Wie ernst der Vorsteher der Wormersdorfer Ritterschaft es mit diesem Gebot meint, wird sich noch zeigen.