1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Rheinbach

Wegekreuze in Rheinbach: Ein Zeichen der Erlösung und Erinnerung

Wegekreuze in Rheinbach : Ein Zeichen der Erlösung und Erinnerung

Wegekreuze erinnern an Schicksale und Katastrophen - Sie dienen als Stationen für Prozessionen - Ein Bonner Bildhauer haute 1865 die Rheinbacher Mariensäule aus dem Sandstein.

Wenn am Freitag Christen in aller Welt den Karfreitag feiern, steht das Kreuz als Symbol der Kreuzigung und des Tod Jesus, aber vor allem als Zeichen der Erlösung im Mittelpunkt.

Kreuze begegnen uns nicht nur in der Kirche und am morgigen Feiertag. Sie stehen an Feldern und Straßen, auf Dorfplätzen, mitten im Wald und manchmal sogar in Vorgärten. Wegekreuze sind aus Holz oder Stein gearbeitet, und einige wurden schon in frühchristlicher Zeit genau dort aufgestellt, wo sie den Sieg des Christentums demonstrieren konnten.

Ähnlich wie es zuvor bei den Heiden üblich war, zündeten nun die Christen an jenen Stätten Lichter an, jedoch nicht zur Dämonenabwehr, sondern als Zeichen für das ewige Leben und Gedenken ihrer Toten. Manche Kreuze waren auch bestimmten Heiligen gewidmet oder erinnern an Schicksale und Katastrophen, wie an den Ausbruch der Pest.

Häufig spendeten Privatleute die Kreuze, teilweise verbunden mit einer Bitte. Heute noch lassen Menschen, die Nahestehende bei einem Unfall verloren haben, an der Unglücksstelle ein Kreuz aufstellen. Dort legen Trauernde Blumen nieder und zünden Grablichter an.

Die eigentlichen Wegkreuze - die Stadt Rheinbach registrierte 1977 etwa 70 Stück, die meisten aus Stein - dienten ab dem 15. Jahrhundert auch als Stationen bei Prozessionen, beispielsweise an Fronleichnam. Bis vor noch nicht allzu langer Zeit waren sie auch Stationen bei den "Sieben Fußfällen", einem rheinischen Brauch zum Totengedenken.

Starb jemand aus dem Ort, machten sich sieben Mädchen aus der Nachbarschaft auf den Weg ins Haus des Verstorbenen. Nach einem Gebet mit der Familie gingen sie den Rosenkranz betend bis zur nächsten Kirche. Auf ihrem Weg dorthin machten sie an sieben Kreuzen Halt für einen Fußfall beziehungsweise Kniefall. Zum Schluss folgte das Totengebet wieder im Haus des Verstorbenen.

Zu den augenfälligen Wegkreuzen in Rheinbach zählt die Mariensäule aus dem Jahr 1865. Die von dem Bonner Bildhauer aus Sandstein gehauene Säule neugotischen Stils steht an der Südseite des Krankenhauses, Ecke Graben-/Gerbergasse. Bis 1964 stand sie auf dem Grundstück der ehemaligen bekannten Villa Maria, dort entstand 1965 das evangelische Altenheim.

Die Mariensäule hat die Kirche als Ersatz für ein Heiligenhäuschen aufstellen lassen, welches wegen einer neuen Straße vor dem Oberdreeser Tor abgerissen werden musste. Lange galt die Mariensäule als Station für Fronleichnamsprozessionen und den Sieben Fußfällen.

Von jenem Heiligenhäuschen vor dem Dreeser Tor ist heute nur noch eine Kreuzigungsgruppe erhalten. Sie hatte man 1905 in einem Garten gefunden. Bis 1999 war sie in der Waldkappelle untergebracht.

Um die wertvolle Darstellung zu schützen, wurde sie in ein neues Heiligenhäuschen am Katholischen Altenheim an der Gerbergasse untergebracht. In der Waldkapelle selbst ist heute nur noch ein Duplikat zu sehen.

Ebenfalls nicht mehr an seinem ursprünglichen Standort steht das neugotische Sandsteinkreuz an der Bachstraße vor dem Kindergarten. Es stammt aus dem Jahr 1880 und stand ursprünglich an einem ehemaligen Heiligenhäuschen unweit des Gräbbach an der der Ecke Stadtpark/Neugartenstraße. Es musste einer Straße weichen. Als "Schwarzes Kreuz" ist den Rheinbachern das hölzerne Gedenkkreuz oberhalb der Waldkapelle am Steinweg in Richtung Neukirchen und Todenfeld bekannt. Es erinnert an den Neukirchener Pastor Johannes Paulus Rosenbaum, der dort mit seinem Moped tödlich verunglückt war.