Waldbegehung in Rheinbach: Ein gutes Forstwirtschaftsjahr

Waldbegehung in Rheinbach : Ein gutes Forstwirtschaftsjahr

Gut zu Fuß sein und festes Schuhwerk, das waren die Voraussetzungen, die die etwa 15 Ratsmitglieder, Ortsvorsteher und Mitarbeiter der Stadtverwaltung mitbringen mussten, die sich zur jährlichen Waldbegehung mit Stadtförster Sebastian Tölle am vereinbarten Treffpunkt nahe der Bauwagen des Waldkindergartens einfanden.

Gut zwei Stunden dauerte die Runde, zum Teil abseits der festen Wege, die den Teilnehmern einen anderen Blick auf den Rheinbacher Stadtwald als den des Spaziergängers, Läufers, Reiters oder Erholungssuchenden ermöglichte.

Begleitet wurde die Gruppe erstmals vom neuen Auszubildenden zum Forstwirt, Luca Künzl (17), der vor zwei Wochen seine Ausbildung begonnen hat. Zwei Jahre lang habe der damalige Schüler engen Kontakt gehalten und durch Praktika gezeigt, dass "das passt", waren sich Stadtförster Tölle und Bürgermeister Stefan Raetz einig.

In ihrem Überblick stellten sie zu Beginn der Begehung fest, dass das Forstwirtschaftsjahr 2014 "wieder recht erfreulich" verlaufen sei: "Der Holzeinschlag war wieder relativ hoch, mit rund 90 Prozent dessen, was wir uns vorgenommen hatten." Speziell der Preis für Eiche habe noch einmal angezogen, sagte Stadtförster Tölle. So habe er als "Rekord im Erlös" 137 Euro pro Festmeter erzielen können. "So viel gab es noch nie", stellte er fest.

Als größere Investition habe im vergangenen Jahr ein neuer Schlepper angeschafft werden müssen. "Diese Anschaffung war nach etwa 18 Jahren auch bitter nötig", sagte Tölle. Weniger erfreulich hingegen seien zwei Einbrüche ins Forsthaus im vergangenen Winter gewesen. Inzwischen wohne dort eine syrische Familie, die vor dem IS geflohen sei. Die Eltern der Frau war vom IS getötet worden.

Der Förster zeigt einen großen Kahlschlag

Die Waldbegehung führte zunächst entlang des Waldrandes in Richtung Wormersdorf. An der nächsten Weggabelung wies Stadtförster Tölle auf eine "kleine Lücke in der Hecke" hin. Als kleine Maßnahme habe man einen früheren kleinen Wanderweg gezielt zuwuchern lassen. "Das kommt der Natur zugute, mit minimalem Aufwand ist hier ein schickes Eck entstanden", so Tölle.

Wenige Schritte querfeldein in den Wald bot sich der Gruppe der Anblick des "größten Kahlschlags" seiner Berufszeit, wie der Stadtförster es beschrieb: auf einer großen Fläche hatten mehrere Sturmeinbrüche sämtliche Bäume zu Fall gebracht. "Nach einem der Stürme lag die Fläche zu 90 Prozent", erklärte Tölle. Das Holz habe für rund 35.000 Euro verkauft werden können. Nun stehe er vor der Frage, was auf der Fläche geschehen soll: Douglasie oder Fichten zu pflanzen mache keinen Sinn, weil sie bei Sturm wieder umkippen würden. Vorgesehen sei, auf der Fläche eigenes Eichen-Saatgut zu säen.

Vorher werde zwei Tage lang ein sogenannter Mulcher über die Fläche fahren, der auch die Baumstümpfe der umgekippten Bäume problemlos mit erfassen könne. Die Natur werde zusätzlich zur Eiche noch für Lärche und Birke sorgen. Letztlich habe der Rhein-Sieg-Kreis in Aussicht gestellt, dass je Quadratmeter zehn sogenannte Öko-Punkte für die Fläche angerechnet werden könnten, in der Summe rund 300.000 Punkte. "Wir werden das nutzen für weitere Ausweisungen und profitieren von Punkten, die wir gut geschrieben bekommen", stellte Raetz fest.

Sorgenkinder sind Eulenbach und Pilgerpfadsweiher

Torsten Bölinger, in der Stadtverwaltung unter anderem zuständig für Gewässerunterhaltung, gab den Teilnehmern der Waldbegehung einen Einblick in die geplanten Maßnahmen an Eulenbach und Pilgerpfadsweiher. Wie berichtet, gehören der Eulenbach und der von ihm gespeiste Pilgerpfadsweiher zu den Sorgenkindern.

Aufgrund des schlechten ökologischen Zustands des Eulenbachs könnte der Weiher austrocknen. Das Planungsbüro "Die Gewässerexperten" aus Lohmar hatte dazu im Ausschuss für Stadtentwicklung: Umwelt, Planung und Verkehr bereits Planungsvarianten vorgestellt. Favorit ist die Variante, die mit dem Ziel des Erhalts des Pilgerpfadsweihers den Eulenbach in Teilen neu trassiert und ihm ein neues Bett gibt. Das Land fördert das Ökologieprojekt mit 90 Prozent der Kosten.

Die Pläne sollen wegen des großen öffentlichen Interesses den Bürgern im Rahmen einer Gewässerexkursion vorgestellt werden. Diese findet ist am Mittwoch, 9. September, statt. Treffpunkt ist um 18 Uhr der Parkplatz Waldkapelle.

Unternehmen Forst

Die Einnahmen des Städtischen Forstbetriebes beliefen sich im Jahr 2014 gesamt auf 317.313 Euro, davon brachte unter anderem der Erlös aus dem Holzverkauf 275.850 Euro, die Jagdpachteinnahmen 22.692 Euro und der Landzuschuss Reitwege 11.967 Euro.

Die Höhe der Ausgaben des Städtischen Forstbetriebes lag 2014 (ohne Lohnkosten) gesamt bei 167.086 Euro, davon kostete unter anderem die Anschaffung eines neuen Schleppers 79.955 Euro, die Unternehmerkosten bei der Holzernte schlug mit 31.262 Euro zu Buche, die Unternehmerkosten Reitwegeunterhaltung inklusive Material mit 8617 Euro.