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"Hunde brauchen auch etwas für den Kopf": Diese Trendsportarten gibt es für Mensch und Hund

"Hunde brauchen auch etwas für den Kopf" : Diese Trendsportarten gibt es für Mensch und Hund

Was die Hundetrainerin Kim-Laura Wedell über das Flerzheimer Turnier der „Rock'n'Dog-Meisterschaft“ und Trendsportarten wie Jad-Dog, Dancing-Circle-Dog und Dogdance denkt.

Bei Disziplinen wie „Dancing-Circle-Dog“ zeigen diverse Hund-Mensch-Teams ab 10.30 Uhr in der Halle hinter dem Sportplatz ihr Können.

Welche Trendsportarten es gibt und welchen Nutzen sie auch im Alltag für Mensch und Hund haben können, darüber sprach Juliane Hornstein mit Hundetrainerin Kim-Laura Wedell.

Was genau ist das „Rock'n'Dog-Meisterschaftsturnier“, das Sie ausrichten?

Kim-Laura Wedell: Das ist eine Meisterschaft in den drei Sportarten Jad-Dog, Dancing-Circle-Dog und Dogdance. Jad-Dog und Dancing-Circle-Dog hat Hundetrainerin Mica Köppel erfunden, die ist am Wochenende auch vor Ort. Es ist eine Meisterschaft mit mehreren Turnieren an verschiedenen Orten. Man kann auf jedem Turnier Punkte und Titel sammeln und auf dem Endturnier in Oberammergau. Dabei geht es nicht nur um Leistungspunkte in den offiziellen Klassen, sondern auch um verschiedene Titel, die man auch in den Fun-Klassen erreichen kann wie zum Beispiel: Welches Team ist die meisten Kilometer gefahren? Welches ist das kreativste Team? Welches Team hat die meisten Gesamtpunkte in den offiziellen Klassen? Es gibt neben den Titeln auch tolle Preise zu gewinnen.

Jetzt sind Jad-Dog und Dancing-Circle-Dog nicht so bekannt. Was sind das für Sportarten?

Wedell: Jad-Dog wurde 2010 von Mica Köppel erfunden. Es ist die Abkürzung für „Jump and Dance“ und besteht aus den drei Sportarten Dogdance, Longieren und Agility. Bei Jad-Dog gibt es – außer dem Slalom und den Kontaktzonen-Geräten – alle Agility-Geräte, wenn auch einige in etwas abgewandelter Form. Allerdings werden diese in einem großen Longier-Kreis platziert. Die Leute finden eine Musik, zeigen darauf eine Choreographie aus den drei Sportarten. Heißt, der Hund zeigt in ruhigen Parts Tricks, und im schnellen Part kommt die Kreisarbeit. Der Kreis besteht dann aus Sprüngen, Tunnel oder je nachdem, welche Geräte sich das Teams ausgesucht hat. Dancing-Circle-Dog, auch DCD genannt, verbindet Tanz und Longieren.

Longieren kennt man meist vom Pferd. Kann man sich das beim Hund ähnlich vorstellen?

Wedell: Auch beim Longieren für Hunde steht der Hundehalter in der Mitte des abgesteckten Kreises. Der Hund bewegt sich auf ein Signal des Menschen, umrundet den Kreis, stoppt und/oder wechselt die Richtung. Unser Ziel ist es aber, den Hund frei und ohne die Einschränkung der Leine führen zu können. Es kann sein, dass man an der Leine anfängt. Man arbeitet dann vor allem viel über Körpersprache. Das heißt, man zeigt dem Hund: Lauf links rum, lauf rechts rum, bleib stehen. Kann der Vierbeiner die Körpersprache schon ganz gut und weiß, was er da tut, geht es dahin, dass man dann Übungen zur Körperunabhängigkeit macht. Der Hund läuft beispielsweise rechts rum, und wir laufen dem Hund entgegen linksrum oder wir setzen uns hin. Der Hund soll also lernen, sich nicht von unseren Bewegungen ablenken zu lassen und nur auf das Wortkommando hin die Sachen zu erarbeiten. Das ist Longieren der höchsten Klasse.

Angebote wie Tanzen, Agility und Tricktraining tauchen immer öfter bei Hundeschulen auf. Worin bestehen die Vorteile gegenüber der klassischen Hundeerziehung mit Sitz, Platz und Bleib?

Wedell: Also erstens, dass man den Hund auch geistig auslasten kann. Es gibt viele Hunde, wenn man gerade die Hütehunde als Beispiel nimmt, die brauchen nicht nur das Laufen, sondern auch irgendetwas für den Kopf. Da helfen viele Tricks oder auch Dogdance, das ist viel, viel schwieriger. Oder wenn man Jad-Dog als Beispiel nimmt: Da haben die Hunde einmal den schnellen Part, wo sie im Kreis arbeiten. Dadurch können sie direkt rennen, sich körperlich betätigen. Und zwischendurch, je nachdem, wie die Musik ist, kommt der Part mit den Tricks. Da müssen sie halt wieder denken und vor allem zuhören. Longieren ist sehr viel abwechslungsreicher und anspruchsvoller. Man sagt auch: Distanz schafft Nähe. Das ist der Leitspruch beim Longieren. Dadurch hat man eine supertolle Bindung zum Hund.

Apropos Hütehunde. Sind Jad-Dog und DCD Sportarten für jeden Hund oder sind da einige Rassen eher geeignet?

Wedell: Nein. Sowohl Jad-Dog als auch das DCD kann jeder Hund unabhängig vom Alter und der Rasse machen, ob mit oder ohne Handicap. Jeder Hund, egal ob Mischling oder Rassehund, darf an Turnieren teilnehmen. Außerdem muss der Sprung nur als Sprung erkennbar sein. Wenn man einen alten Hund hat, dann legt man die Stange dementsprechend runter. Allerdings gilt bei Hütehunden: Die kennen das Longieren vom Schafehüten. Dieses Im-Kreis-Laufen fällt denen natürlich deutlich leichter als etwa einem Mischling. Aber ich habe selber Mischlinge aus dem Tierschutz, und die machen das alle.

Wie sind Sie zu diesem Hundesport gekommen?

Wedell: 2013 habe ich mit meinen Hunden bei Mica Köppel ein Wochenendseminar mitgemacht, ein Jad-Dog-Seminar. Ich bin seitdem dabeigeblieben, habe die Trainer-Ausbildung bei ihr gemacht. Natürlich machen wir auch Frisbee oder Agility. Aber das Hauptaugenmerk liegt schon auf Dancing-Circle-Dog oder auf Jad-Dog.

Und das können sich die Leute beim Turnier anschauen und bekommen vielleicht auch ein paar Tipps, wie sie das mit ihren Hunden selbst machen können?

Wedell: Genau. Auf dem Turnier haben wir drei Sportarten. Und es gibt eine Fun-Klasse für Einsteiger. Da dürfen sie die Hunde belohnen. Das ist als Training super. Und dann gibt es noch die offiziellen Klassen, da geht es auch um den ersten, zweiten und dritten Platz. Da ist aber beispielsweise Leckerchen oder Spielzeug verboten. Der Hund darf hinterher belohnt werden, aber es darf nicht während der Choreo benutzt werden. All das können die Leute sich angucken und vor Ort Fragen stellen. Und dann werden dazu auch demnächst wieder einige Seminare bei mir stattfinden.

Wenn der Hund nicht belohnt wird: Woran erkenne ich als Halter denn, dass es meinem Hund genauso viel Spaß macht wie mir?

Wedell: Wenn er keinen Spaß dran hätte, würde er sehr wahrscheinlich gar nicht mitmachen. Natürlich würde man auch nicht direkt mit dem offiziellen Start beginnen. Turnier heißt, es gibt Musik, Zuschauer und auch verschiedene Umweltreize. Das ist für die Hunde etwas ganz anderes, als wenn man nur auf den Hundeplatz geht und dort den Kreis aufgebaut hat. Man erkennt aber relativ schnell, hat er Spaß, will er mit mir arbeiten oder sagt er „Boah, ne. Ich leg' mich in die Ecke und mach 'nichts.“ Wobei es das auch schon gab, dass teilweise der Hund sich nicht bewegt hat und das Frauchen tanzen musste. Wenn die aber richtig Bock drauf haben, dann freuen sich die Hunde und interessieren sich für alles andere gar nicht mehr. Dann sind die voll drin.

Hilft das auch im normalen Alltag mit dem Hund?

Wedell: Zur Leinenführigkeit bringt es zum Beispiel nichts. Natürlich arbeiten wir mit unserem Hund. Das heißt, wir bekommen eine ganz intensive Bindung zum Hund. Wir arbeiten ganz ohne Druck, mit positiver Bestärkung wie dem Clicker. Dadurch wird unser Vierbeiner Vertrauen zu uns bekommen und auch im Alltag mehr auf uns achten und nicht einfach nur stupide durch die Gegend laufen. Sitz und Platz und so etwas bauen wir auch mit ein. Da ist es natürlich ein Vorteil, wenn der Hund solche Sachen kennt. Dann ist es auch für ihn einfacher.