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Der Ghanaer Patrick Addai bringt Kindern und Erwachsenen afrikanische Kulturen näher: Die Liebe zwischen Frosch und Elefant

Der Ghanaer Patrick Addai bringt Kindern und Erwachsenen afrikanische Kulturen näher : Die Liebe zwischen Frosch und Elefant

Er ist Buchautor, Schauspieler, Märchenerzähler und Musikant in einer Person. Und er versprüht afrikanisches Temperament, Rhythmen und Lebensfreude. Der Ghanaer Patrick K. Addai versetzte am Donnerstag in der Bücherei St. Martin seine jungen Zuhörer abwechselnd ins Staunen, Grübeln und in Tanzlaune.

In Afrika gibt es keinen Strom und kein Fernsehen, beginnt er. Dafür übernimmt die Großmutter die Unterhaltung. Spricht's und mimt eine tattrige Frau, die gleichwohl mit dem Hintern wackelt.

Da wiehern auch die anfangs Zurückhaltenden unter den Kindern aus den Schulen am Sürster Weg und der Bachstraße vor Vergnügen. Addai verdreht seine großen Kugelaugen, tänzelt und trommelt, wenn er das Märchen vom Frosch erzählt, der heiraten will.

Aber es kommt weder ein Schwein, noch ein Affe infrage. An der Wasserstelle verliebt er sich in ein Elefantenmädchen. Die Neigung wird erwidert, aber der Brautvater findet den Bewerber zu klein.

Der sucht Hilfe bei einem Zauberer, muss dem aber zuvor als Honorar ein Krokodil-Ei bringen. Drei Wochen schwimmt er bis zu dem Reptil, das ihn als Koch einstellt und dem er ein Ei stiehlt.

Eine unwillkürliche Spielgemeinschaft entwickelt sich zwischen den jungen Zuhörern und dem Erzähler, der pantomimisch und trommelnd seine Story vorspielt. Vom Zauberer führt die Reise weiter zum Großvater, diesmal dauert sie drei Jahre. Der dicke alte Frosch trinkt daraufhin die Flussquelle leer.

Als alle dürsten, gibt der Elefanten-Papa nach. Frosch und Elefantenfräulein heiraten, und der Erzähler malt sich und den Kindern aus, wie die beiden sich küssen.

Nun geht es darum, wie denn der Nachwuchs aussehen wird. Das wird nicht verraten, denn das ist die Aufgabe in einem Malwettbewerb, den Addai schon in Luxemburg, der Schweiz und Österreich angestoßen hat. Bis September sollen die Kinder ihre Bilder vom "Elefrosch" einreichen - Trommeln, Klatschen, Augenrollen.

Der Dichter lässt seine Geschichte von den Kindern noch einmal nacherzählen und die achtjährige Kübra gewinnt dabei eins seiner Bücher.

Später wechselt Addai die Rollen mit dem Vertreter des Meckenheimer Ghana-Partnerschaftsvereins. Ernst A. Schmied, der die bekannte Fabel von Vater, Sohn und Esel vorliest, in der die Rollen von Roß und Reiter wechseln. Die Lösung sucht Addai in einem Fragespiel.

Zwei Esel besorgen, rät ein Junge. Ein anderer empfiehlt einen Wagen. Schließlich reihen sich alle Kinder hinter dem Autor ein und es entwickelt sich eine Polonaise durch die Stuhlreihen zu afrikanischen Rhythmen.

In Meckenheim sei das am Nachmittag zuvor ganz ähnlich abgelaufen, berichtet Addai dem GA. Dort habe er aber - weil das Publikum älter war - die Geschichte "Worte sind schön, aber Hühner legen Eier" vorgetragen. Diese empfiehlt er auch für Erwachsene, berichtet sie doch über Tradition und Kultur Afrikas.

Das Buch enthält neue Sprichwörter aus Westafrika, Erläuterungen zum Konzept der Person, zum Ahnenkult, zu Voodoo und Schwarzer Magie, zur Polygamie, zum mutterorientierten Wertsystem der Ashanti in Ghana sowie zu afrikanischen Tänzen und Musik.

Zudem erfährt man Wissenswertes über Naturreligionen, Beerdigungszeremonien der Ashanti, Kindheit und Pubertätsrituale. Auch das Problem der Mädchenbeschneidung wird angesprochen.

Patrick K. Addai war 2016 zur Leseaktion "Captain Book" erstmals in Meckenheim. Der Ashanti studierte Volkswirtschaft, Soziologie und Politologie und war Schauspieler am Theater des Kindes in Linz. Als Kulturreferent und -botschafter will er afrikanische Kulturen bekannt machen. Er wurde mit internationalen Preisen ausgezeichnet.

In Meckenheim pflegt man seit 1982 eine Partnerschaft mit Kumasi, der Hauptstadt der Ashanti-Region in Ghana. 1988 wurde der Partnerschaftsverein Ghana gegründet.