Flüchtlingskinder lernen Deutsch: Deutsch lernen mit Büchern und Spielen

Flüchtlingskinder lernen Deutsch : Deutsch lernen mit Büchern und Spielen

Flüchtlingskinder aus allen Herren Länder besuchen die Integrationsklasse der Grundschule Sürster Weg in Rheinbach. Die öffentliche Bücherei Sankt Martin hat für sie besondere Medien im Angebot, die das Erlernen der deutschen Sprache erleichtern. Dafür bekam die Bücherei eine Auszeichnung vom Kardinal.

Miruna liebt Bücher über alles. Mit großen Augen und hoch konzentriert lauscht die Sechsjährige beim Besuch der öffentlichen Bücherei Sankt Martin in Rheinbach den Ausführungen von Büchereileiterin Daniela Hahn. Das aufgeweckte Mädchen stammt aus Rumänien und besucht die Inte-grationsklasse an der Gemeinschaftsgrundschule Sürster Weg (GGS). Mit ihren Klassenkameraden schaut sie sich das Angebot der Bücherei an.

Für Flüchtlingskinder wie Miruna hat die Bücherei seit 2015 besonders geeignete Medien angeschafft. Von zweisprachigen Spielen in Deutsch und Arabisch über Tiptois-Bücher bis hin zu einfachen Grammatikbüchern und zweisprachigen Abdeckspielen bietet die Rheinbacher Bücherei den neuen Mitbürgern jede Menge Möglichkeiten, die deutsche Sprache zu erlernen und dabei Spaß zu haben. Für ihr Projekt „Durch Lesen Deutsch lernen“ zeichneten der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki und der Diözesanrat die Rheinbacher Bücherei in diesem Jahr mit dem katholischen Anton-Roesen-Preis aus. Verbunden mit der Auszeichnung war ein Preisgeld von 2500 Euro, Geld, das die Bücherei für den Kauf neuer Bücher gut gebrauchen konnte.

Die ersten rund 90 Medien im Segment „Deutsch als Fremdsprache“ kauften die Rheinbacher sowohl für Erwachsene als auch für Kinder im vergangenen Jahr mit den 1000 Euro Fördergeld der Flüchtlingshilfe des Erzbistums „Aktion Neue Nachbarn“. „Wir wollten, dass den Flüchtlingsfamilien der Einstieg in die deutsche Sprache gelingt. Die eigens eingerichteten Medienboxen stehen dabei im Mittelpunkt“, erklärt Hahn. Seitdem nutzen Kindergärten, Vorlesepaten und die Integrationsklassen das spezifische Angebot.

Die Vielfalt der Medien ist eine gute Investition, wenn man die Begeisterung der Kinder zwischen sechs und elf Jahren aus der Integrationsklasse sieht, die sich in den gemütlichen Leseecken der Bücherei einfinden, um Vorlesern zu lauschen oder selber zu den verschiedenen Medien zu greifen. Miruna, die seit knapp einem Jahr in Deutschland ist, versteht das Buch „Heule Eule“ von Paul Friester schon ganz gut. So auch die siebenjährige Safrin. „Die Geschichte ist einfach schön“, urteilt denn auch die kleine Irakerin. Ihre Mitschüler Angelo (10), Hassan (9) und Jwan (10) sitzen auf einem Sofa und lauschen der ehrenamtlichen Büchereimitarbeiterin Gabriele Funke. Die 66-Jährige liest den Jungen mit Chris Haughtons Kinderbuch „Oh nein, Paul“ und der „Geschichte vom kleinen Pferd“ gleich zwei Bücher vor. „Hufeisen haben die Pferde unter ihren Füßen“, erklärt Hassan aus Syrien fachmännisch. Natürlich habe er das Buch verstanden, so der Neunjährige. Auch Jwan kennt sich mit Pferden aus. „Denn ich bin schon einmal in Queckenberg geritten.“

Zum Ende des einstündigen Besuchs der Bücherei können sich die Schüler die Bücher in den Regalen noch einmal in Ruhe ansehen. Im Untergeschoss liegen für die jungen Besucher 21 Kinderbücher, Piktogramm-Karten und Spiele aus, aus denen sich jedes der Kinder ein Buch aussuchen kann, das dann in der Medienbox mit zur Schule genommen wird. Der achtjährige Omud aus Afghanistan weiß sofort, welches Buch er mitnehmen wird: ein Buch über Fußball.

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