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Aufregung über einen geschiedenen Prinzen: Das Werk von 29 Karnevals-Revoluzzern

Aufregung über einen geschiedenen Prinzen : Das Werk von 29 Karnevals-Revoluzzern

Rheinbach feiert das 50-jährige Jubiläum von Blau-Gold. Eine neue Standarte für das Narrencorps.

Was sich heute wie ein Witz anhört, war im Jahr 1966 ein Aufreger und Skandal schlechthin: Die Rheinbacher Karnevalsvereine hatten sich für das Jahr 1966 auf Fred Bollig als Karnevalsprinzen geeinigt, der zweimal geschieden war. In den Augen der damaligen erzkonservativen Gesellschaft ein Ding der Unmöglichkeit. Sogar der Stadtrat beschäftigte sich mit diesem sich anbahnenden Skandal. Und beschloss, dem zukünftigen Prinzen den Empfang durch die Stadt zu verwehren.

Darin wiederum sahen viele Aktive der Karnevalsgesellschaften den eigentlichen Skandal. Es folgte eine Austrittswelle aus den etablierten Gesellschaften und ein Entschluss: eine neue Gesellschaft musste her. Am 28. Februar 1966 gründeten 29 Karnevals-Revoluzzer im Hotel Streng das Narrencorps Blau-Gold Rheinbach 1966, kurz NCR Blau-Gold. Gründungsvorsitzender war Josef Nawrath, der als Vorsitzender der Narrenzunft und Zugleiter zurückgetreten war, Schatzmeister wurde Rudi Reif, Schriftführer Rudi Klettner, Elferratspräsident Hans Gatz.

50 Jahre später feierte der NCR sein Goldenes Jubiläum mit Familienfest, Festkommers, Einblicken in die neuen Tänze der Damen-Tanzgarde, karnevalistischen Zwiegesprächen mit „De Een od de Anne“, Live-Musik von „De Boore“ und „Gate 5“ mit Tanz und Party.

In seinem kurzen Rückblick auf die Vereinsgeschichte hob der NCR-Vorsitzende Hans-Jörg Nawrath hervor, dass mit der 50-jährigen Historie der Gesellschaft auch 50 Jahre Bereicherung des Rheinbacher Vereinslebens und des Rheinbacher Karnevals verbunden seien. Schließlich habe der NCR dank des Engagements seiner Mitglieder in den Jahrzehnten große erfolgreiche Veranstaltungen wie Schlagerpartys, Musikfeste, Männerballfestivals oder Oktoberfeste durchgeführt.

„Es wurde gekegelt, Fußball gespielt, getanzt und gelacht. Und das Letztere ist das Beste, was man in einem Verein machen kann“, sagte Nawrath. Auch Bürgermeister Stefan Raetz betonte, dass der NCR heute seinen festen Platz im Brauchtum habe. Dies nach einer wechselvollen Geschichte mit Höhen und Tiefen, wobei es die Aktiven des Narrencorps auszeichne, aus den Tiefen immer wieder herausgefunden zu haben, ohne sich entmutigen zu lassen. Raetz bezeichnete den NCR als „typischen Familienverein“, der auf Jugendarbeit setze und das auch mit seinen Veranstaltungen lebe. Dabei begeistere NCR immer wieder mit seinen Tanzgarden und Solomariechen sowie seinem Musikzug, der trotz Höhen und Tiefen bis heute Bestand habe.

Die Sponsoren spendierten eine neue Standarte

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums hatten Sponsoren dem NCR eine neue Standarte spendiert, die Vize-Bürgermeister Claus Wehage feierlich in die Stadthalle trug und an den Kommandanten Dieter Bückmann übergab. Die alte Standarte soll im Vereinsheim Mozartstraße einen Ehrenplatz bekommen.

Im Jahr seines Goldjubiläums stellt NCR ein staatses Trifolium, das traditionell der Ehrenschultheiß der GroRheiKa Narrenzunft Prinzengarde, Reiner Faßbender, vorstellte: Jörg Nawrath, der als Prinz Jörg III. regieren wird, hatte schon einmal als Prinz Jörg II. regiert. Der Justizvollzugsbeamte ist eingefleischter Schalke-Fan. Diese Leidenschaft teilt er mit dem künftigen Bauern HP I. Heinz-Peter Watty, im Zivilberuf gelernter Koch und heute Kraftfahrer und Gärtner.

Anders einzig die künftige Jungfrau Jolanda I. (Roland Kaiser): der Soldat ist Mitglied bei Borussia Dortmund. Seine Regentschaft stellt das Dreigestirn unter das Motto „Blau-Gold det fiere – mir rejiere mit Hätz für Rheembaach“. Die Proklamation ist am 12. November.