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Georgsring auf dem Majolika-Gelände: Darum muss die Rheinbacher Sozialstation umziehen

Georgsring auf dem Majolika-Gelände : Darum muss die Rheinbacher Sozialstation umziehen

Der Mietvertrag des Georgsrings auf dem Majolika-Gelände endet am 30. Juni 2021. Rund um die Sozialstation an der Keramikerstraße haben Bagger allerdings schon mit dem Abriss von ehemaligen Fabrikgebäuden begonnen.

Auf dem Gelände der stillgelegten Tonwarenfabrik entsteht eines der größten Neubauprojekte Rheinbachs. In bester Zentrumslage plant die regionale Investorengruppe Casa Ceramica auf dem 17.800 Quadratmeter großen Areals ein Wohngebiet mit 240 Wohneinheiten für rund 500 Menschen. Um rasch bauen zu können, suchen die Investoren zusammen mit der Stadt nach einer Lösung, die Nutzer der Sozialstation andernorts unterzubringen. Diese Suche hat jetzt jedoch einen Dämpfer erhalten – zumindest für das Möbellager und die Fahrradwerkstatt des Georgsrings.

Hintergrund: Ein Teil der früheren Produktionshallen ist bis 30. Juni 2021 an den Georgsring vermietet. Der Verein betreibt dort das Möbellager und eine Fahrradwerkstatt und hat zudem Räumen an weitere Einrichtungen vermietet. Außerdem nutzt die Rheinbach-Meckenheimer Tafel Räume zur Lagerung und zur Ausgabe von Lebensmitteln. Darüber hinaus ist in der Sozialstation auch die Kleiderstube der Pfarrcaritas untergebracht, und der Verein „Abenteuer Pur“ lagert Materialien ein. Das Neubaugebiet kann aber in Gänze nur zügig realisiert werden, wenn auch die Sozialstation abgerissen ist. Frühestens 2022 sollen nach Angaben des Investors die ersten Bewohner in die neuen Wohnungen einziehen können.

Als Dauerlösung für die Tafel schlägt die Verwaltung einen Neubau an der Keramikerstraße gegenüber der Sozialstation vor. Die Kosten liegen nach Angaben der Stadt bei 455.497 Euro. Auf dem schmalen Grundstück zwischen der Keramikerstraße und den Bahngleisen scheide eine Unterbringung von Möbellager und Fahrradwerkstatt wegen des dafür benötigten Platzes aus, heißt es aus dem Rathaus. Als neuen Standort habe man deshalb eine Halle an der Industriestraße mit einer Fläche von rund 500 Quadratmetern gefunden. Doch dieses Alternative hat sich kurz vor Vertragsabschluss zerschlagen.

Wie Bürgermeister Stefan Raetz erklärte, hatte die dortige Firma mündlich zugesagt, das Gebäude für vier Euro pro Quadratmeter (rund 2000 Euro monatlich) zu vermieten. Die Stadt wiederum wollte die Halle für zwei Euro pro Quadratmeter an den Georgsring weitervermiete. Allerdings habe der Eigentümer der Liegenschaft laut Raetz kurz vor der Unterschrift von der Vermietung „aus betriebsbedingten Gründen“ Abstand genommen. Die Suche nach einem neuen Standort gehe nun weiter. „Wir werden alles dafür tun, um dem Georgsring ein Möbellager zu geben“, verspricht der Bürgermeister.

Enttäuscht von der neuerlichen Entwicklung ist Martin Fröhlich, Vorsitzender des Georgsrings. „Klar waren wir schon recht erschüttert, dass ein mündlich fest zugesagter Vertrag für ein neues Objekt so ohne jede Erklärung widerrufen wurde“, sagte er dem General-Anzeiger auf Anfrage. Einerseits habe der Verein zwar noch ein Mietrecht auf dem Majolika-Gelände bis Juni 2021, andererseits, „wollen wir den Planungen von Stadt und Investoren nicht im Wege stehen, wenn sich gangbare Alternativen aufzeigen“.

Laut Fröhlich setzten sich der Beigeordneter Raffael Knauber und Fachbereichsleiterin Daniela Hoffmann „sehr engagiert für uns ein. Da wir auch um die Bereitschaft der Investoren wissen, einen frühzeitigen Auszug aus dem Objekt auch finanziell zu unterstützen, schauen wir noch optimistisch in die Zukunft“, sagte der Vereinschef fest. Der Georgsring recherchiere seinerseits auf dem Markt. „Wir hoffen sehr, dass unser Ziel, gemeinsam mit der Tafel, ein neues Sozialzentrum in Rheinbach aufzubauen doch noch bald umsetzbar sein wird.“

Bis die neue Sozialstation gebaut sein soll, laut Raetz „voraussichtlich 2022“,  kommt die Tafel provisorisch in Containern am Schornbuschweg unter, räumlich getrennt von der dortigen Unterkunft für Asylsuchende. Die Kosten für diese Container trage der Investor, sagte Raetz. Bezüglich der Kleiderstube der Pfarrcaritas gehe die Verwaltung davon aus, dass die Pfarrgemeinde St. Martin eigene Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung stellt. Der Verein „Abenteuer Pur“ werde sich selbst auf dem Markt nach neuen Räumlichkeiten umsehen.