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Bonpflicht in Bonn: Bornheimer Einzelhändler kritisieren das neue Gesetz

Neues Kassengesetz : Bornheimer Einzelhändler kritisieren Bonpflicht

Seit dem 1. Januar sind alle Gewerbetreibenden dazu verpflichtet, für jeden Verkauf einen Kassenzettel auszudrucken. Das gefällt den Bornheimer Einzelhändlern und ihren Kunden nicht.

In Bornheim sind die Meinungen nicht allzu verschieden. Weil die Läden seit Anfang des Jahres dazu verpflichtet sind, Kassenzettel auszudrucken, müssen einige Händler zu einem neuen Kassensystem wechseln. „Das Gesetz bringt so einige Mehrkosten mit sich“, beschwert sich Cornelia Gratzfeld, Ladeninhaberin der Wollbude.

Neben den einmaligen Anschaffungskosten werde auch etwa das Fünffache für Papier und Druckfarbe ausgegeben. Dabei könnten die Behörden dank der neuen Software auch ohne den Ausdruck die gesamten Einnahmen überprüfen. Sie habe außerdem die Erfahrung gemacht, dass die meisten Kunden den Bon direkt im Laden lassen. „Das neue Gesetz wird eher als unnötig empfunden“, berichtet die 58-Jährige.

Dies bestätigt eine Umfrage auf der Königsstraße. „Mir ist es lästig“, sagt Elisabeth Blesgen aus Bornheim. Sie schmeiße den Bon immer weg. „Bei kleineren Beträgen lasse ich die Kassenzettel direkt im Laden“, schließt sich Frank Niefanger aus Hersel an. Katharina Röder aus Bornheim ist ferner verärgert über den zusätzlichen Müll. „Gerade heutzutage, in Zeiten der Digitalisierung, sollten wir es anders lösen können“, kritisiert sie.

Geschäfte mit teuren Artikeln merken kaum einen Unterschied

Die Möglichkeit besteht, einen digitalen Bon zu bekommen. Doch ist dies bei den Befragten nicht bekannt. Für einige Läden bedeutet das neue Gesetz gar keine große Umstellung. Der Schuhladen Götelhöfer hat aufgrund der Garantie schon vorher den meisten Kunden einen Kassenbon ausgedruckt, führt die Angestellte Roswith Andro aus. Auch die Bornheimer Bücherstube hat die Bons nach eigenen Angaben bereits vor dem neuen Gesetz immer mitgegeben. „Meiner Erfahrung nach werden die auch nur selten weggeschmissen“, so die Angestellte Jutta Haurand.

Die Geschäfte, in denen teurere Artikel über die Ladentheke gehen, spüren kaum eine Veränderung.  Dort, wo es niedrigpreisige Artikel gibt, ist das anders. So beispielsweise in der Landsberg Bäckerei in der Königsstraße. Danach gefragt, wie sie die Belegausgabepflicht sieht, zeigt Verkäuferin Claudia Welter einen riesigen Eimer voller Kassenbons. Ihre Kunden seien über die neue Regelung empört und schickten gesammelte Kassenbons nach Berlin. „Die sollen sehen, was sie mit diesem Gesetz angestellt haben. Erst wollen sie die Welt retten und jetzt so was“, ärgert sich die 47-Jährige.

Apotheken-Bons enthalten sensible Daten

Auch Apotheker beschweren sich. Die meisten Kunden wollten die Kassenzettel gar nicht, weil die Käufe in ihrer Kundendatei gespeichert sind. Die Bons enthielten aber sensible Daten und müssten deswegen immer geschreddert werden, erzählt der Filialleiter Roman Scheideck der Sankt Hubertus Apotheke in Bornheim. „Um die 70 bis 80 Prozent unserer Kunden wollen die Belege nicht“, konstatiert Scheideck. „Sinnvoll ist das Gesetz nicht. Das Thermopapier ist ja auch nicht gerade umweltfreundlich.“ Sinnvoller fände er die Regelung, dass man Kunden den Beleg anbieten muss. Wenn aber beispielsweise Kinderrezepte gar nichts kosten, muss trotzdem ein Kassenzettel ausgedruckt werden, erläutert Scheideck. „Den will natürlich niemand.“