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Autokino in Rheinbach schließt am Mittwoch endgültig nach 84 Vorstellungen

Letzter Vorhang : Rheinbacher Autokino schließt endgültig

In Rheinbach ist am Mittwoch nach 84 Filmen und Bühnenauftritten Schluss. Die Aufbauten des Autokinos bleiben aber vorerst stehen.

Diese Resonanz hatte Rudi Knorr selbst in seinen kühnsten Träumen nicht erwartet: Kaum waren das erste Programm des während der Corona-Pandemie entstandenen Rheinbacher Autokinos online und die Eintrittskarten ausschließlich via Internet buchbar, stürzten sich die Kinofans auf die virtuellen Tickets. „Nach drei Minuten brach erst mal der Server zusammen“, berichtet der Chef des Drehwerk in Wachtberg. „Nach einer Stunden waren alle Filme, die wir in der ersten Zeit zeigen wollten, ausverkauft.“ Damit hatten Knorr und sein Kompagnon, der Rheinbacher Veranstaltungsmanager Oliver Wolf, nicht gerechnet. Dennoch fällt diesen Mittwochabend im Provisorium an der Zeissstraße der letzte Vorhang. Aber: So ganz Schluss sein soll nicht.

Wie eine „Erlösung aus dem Gefängnis“ hätten viele Menschen die Möglichkeit empfunden, ab 30. April wieder täglich einen Film schauen zu können, berichten Knorr und Wolf im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Wenn auch nicht im Kinosessel, sondern im eigenen Auto. Aus zwei Gründen endet das Autokino-Projekt: Je schöner das Wetter wird, desto eher lasse laut Wolf nun das Interesse am Filmgenuss unter freiem Himmel nach „Wir hören jetzt auf, weil wir jetzt noch eine positive Bilanz haben“, sagt Knorr. Viele Filme waren in Windeseile ausverkauft, manches Konzert oder Comedyangebote im Autokino fanden allerdings weniger Fans und mussten mitunter sogar abgesagt werden.

Ein Renner war hingegen das Kino-Angebot, insbesondere die Familien-Vorstellungen. „Offene Autoscheiben, Füße aus dem Fenster – richtig gechillt, wie man heute sagt. Die Besucher haben es sich gemütlich gemacht“, freut sich Wolf. Das erworbene Ticket wird am Einlass durch die geschlossene Scheibe eingescannt, und auch Snacks und Getränke, die ebenso vorab online geordert und bezahlt wurden, werden kontaktarm am nächsten Schalter gereicht. Die Stimmen der Schauspieler, alle Geräusche und die Filmmusik kommen aus dem Autoradio. „Wer kein Radio in seinem Auto hatte, dem haben wir ein Kofferradio ausgeliehen“, sagt Wolf.

Die letzte Klappe für Autokino: Oliver Wolf (links) und Rudi Knorr sperren am Mittwochabend den Popcornstand und das Autokino zu. Foto: Matthias Kehrein

Als Veranstaltungstechniker, dessen Firma Wotec rund 1000 Veranstaltungen im Jahr realisiert, hat Wolf oft mit Knorr und dem Drehwerk zusammengearbeitet. Als ihre beiden Unternehmen wegen Corona pausieren, entstand die Idee, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen: „Ich habe durch das Autokino sofort drei Mitarbeiter komplett aus der Kurzarbeit holen können“, berichtet Knorr.

Ab diesen Donnerstag sind das Kino, die Bühne, das Bistro und der Biergarten des Drehwerks in Adendorf wieder geöffnet. „Wir haben etliche Bühnenschaffende gewonnen, die mit großer Spielfreude auch vor wenig Publikum spielen“, sagt Knorr.

Da Großveranstaltungen aller Art bis in den Oktober abgesagt sind, ist Wolfs Auftragslage aktuell sehr überschaubar. „Meine Branche rechnet in diesem Jahr überhaupt nicht mehr mit Veranstaltungen“, sagt er. Darum lässt er die Bühnenaufbauten fürs Autokino vorerst sehen. „Wir lassen alles stehen und sind gewappnet für alles, was noch kommt“, sagt der 43-Jährige. Vorstellbar wären etwa Sofa-Konzerte auf dem Gelände. An Ideen mangele es nicht. „So lässt sich mit Abstand was Tolles erleben.“

Diesen Dienstag zeigt das Autokino „Edie – Für Träume ist es nie zu spät“. Am Mittwoch ist die letzte Kinovorstellung mit „Der letzte Bulle“. Beginn ist jeweils um 22 Uhr. Karten für elf Euro gibt es auf drehwerk-1719.de.