Verkehr an der A61: Anwohner kritisieren Lärmschutzwand in Rheinbach

Verkehr an der A61 : Anwohner kritisieren Lärmschutzwand in Rheinbach

Wormersdorfer kritisieren die neue Mauer entlang der A 61 als viel zu niedrig und zu kurz. Die Lkw seien teilweise höher und verursachten weiterhin Lärm, sagen sie.

Wie so vieles im Leben, ist auch Krach eine Frage der Psychologie. Psychologisch fragwürdig ist somit die Idee, die neuen Lärmschutzwände an der A 61 in Höhe des Rheinbacher Ortsteils Wormersdorf lediglich mit einer Höhe von 3,50 Meter zu versehen. Denn: Die Lastwagen, die auf der Nord-Süd-Verbindung wie an einer nicht enden wollenden Perlenschnur aufgereiht in beiden Fahrtrichtungen Wormersdorf passieren, sind maximal vier Meter hoch (siehe Kasten). Heißt: Die Anwohner des neuen Bauwerks können einem nicht unerheblichen Teil der Lärmquellen dabei zusehen, wie sie an ihren Eigenheimen vorbeibrausen. Obgleich die Arbeiten zum Bau der 557 Meter langen Schutzwände noch nicht abgeschlossen sind, ist sich Richard Feldmann, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „Lärmschutz für Wormersdorf“, sicher, dass die Wände wirkungslos bleiben werden.

Am Anfang und zu ihrem Ende hin, flacht die Mauer gegen den Krach auf nur noch drei Meter ab. Wenn Feldmann mal das schöne Wetter in seinem Garten genießen möchte, kann er somit zum Ende der entstehenden Schutzvorrichtungen sogar erkennen, von welchem Unternehmen der Lastwagen stammt. „Inzwischen zeigt sich bereits, dass sich durch den Bau der Lärmschutzwand die Situation für die meisten der Anlieger nicht verbessert hat“, sagt er im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Viele sagen sogar, der Lärm sei „lauter als vorher“, berichtet Feldmann.

Wie die Mitglieder der Bürgerinitiative bereits vor Beginn der Arbeiten bemängelten, ist die Wand mit einer Länge von 557 Metern und einer Höhe von stellenweise nur drei Metern „erheblich unterdimensioniert“, so Feldmann. Sie endet an der Brückenüberführung der Straße zwischen Wormersdorf und Meckenheim (K 62) und sei darum deutlich zu kurz geraten. Und: Durch die fehlende Lärmschutzwand nach Osten hin, breitet sich der Lärm ungehindert von Ost nach West aus. „Gerade bei Ostwind-Wetterlagen im Sommer wie im Winter ist dies der Fall“, findet der BI-Sprecher.

Sprecher von Straßen NRW kann Ärger teils nachvollziehen

Außerdem könnten dabei sogenannte Schallbeugungsvorgänge am Ende der ostseitigen Schallschutzwand den Lärmpegel erhöhen. Heißt: Da die Wände in der Länge zu kurz geraten sind, kann der Schall bei Ostwind bis zur Bebauung in Wormersdorf vordringen, prallt dann gegen die neue Lärmschutzwand und verstärkt somit den Eindruck, dass der Krach von der vielbefahrenen Autobahn eben nicht weniger geworden ist. „Eine deutliche Lärmminderung, besonders bei Ost-/Südostwindwetterlagen ist kaum feststellbar“, sagt Feldmann.

Wenn Wetterfrösche längere Schönwetterlagen ankündigen, hält sich die Freude darüber bei Feldmann und seinen Nachbarn in den Straßen Mühlenweg und Weidengraben in Grenzen. Grund: Nicht selten kommt dieses schöne Wetter aus Richtung Osten – und mit ihm der Lärm von der Autobahn. Dezibelmessungs-Apps auf seinem Handy zeigten an, dass der Verkehrslärm auf Werte von 54 bis zu 85 Dezibel ansteigen kann.

Dass es nach Ansicht der Anwohner noch keine Verbesserung in Sachen Lärmschutz an der A 61 gibt, kann Bernd Aulmann, Sprecher des Landesbetriebs Straßen NRW, sogar ein Stück weit nachvollziehen, da die Bauarbeiten noch gar nicht abgeschlossen sind, wie er auf Anfrage des GA erklärt. „Das kann noch nicht funktionieren, da zunächst noch eine Lücke geschlossen werden muss“, sagt Aulmann. Hintergrund: In der vergangenen Woche machte sich ein großer Schwerlastkran an der A 61 zu schaffen, um Baumaterialien abzuladen.

"40 Jahre für Lärmschutz gekämpft"

Eine Lücke in der Lärmschutzwand klafft nämlich noch an der Unterführung nach Klein-Altendorf. Dort müssen die Schutzelemente erst an einer komplizierten Konstruktion auf die Unterführung aufgesetzt werden. Wann genau diese Arbeiten abgeschlossen sein werden, kann Aulmann nicht mit Gewissheit sagen. „Es fehlen noch Elemente, die zu verbauen sind. Wir haben aber die Erwartung, dass sie bald angeliefert werden“, sagt er. Dass der Autobahnlärm laut Dezibelmessungs-Apps bis zu 85 Dezibel erreichen kann, mag Aulmann nicht kommentieren. „Messungen per App sind mit Vorsicht zu genießen“, findet der Behördensprecher.

„Wir haben 40 Jahre für diesen Lärmschutz gekämpft. Jetzt ist er da, bringt nichts und hat 1,8 Millionen Euro gekostet“, erklärt Richard Feldmann. 1978 hatte sich die BI in Wormersdorf gegründet. Aus dem gleichen Jahr datieren die ersten Pläne für die Schutzwände.

Seit 1980 lebt Feldmann mit seiner Familie in Wormersdorf. „Natürlich sind wir im Wissen nach Wormersdorf gezogen, dass es die Autobahn gibt“, sagt Feldmann. Aber gerade nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs sei der Verkehr auf der wichtigen Nord-Süd-Verbindung erheblich gestiegen. „70.000 Fahrzeuge kommen hier täglich vorbei“, erklärt der Wormersdorfer. Vom Mittelfahrstreifen der vierspurigen Autobahn bis zu seiner Terrasse seien es rund 230 Meter. „Viele Wormersdorfer können ihren Garten als Erholungsort nicht mehr nutzen“, so Feldmann. „Wir erwarten von Politik und Verwaltung, dass hier schnellstens nachgebessert wird.“ Die Wand müsse sowohl in der Länge als auch in der Höhe den Erforderlichkeiten angepasst werden.

Mehr von GA BONN