St. Joseph Gymnasium: Aktion gegen Müll in Rheinbach

St. Joseph Gymnasium : Aktion gegen Müll in Rheinbach

Beim Projekttag „Zu gut für die Tonne“ steht das Thema Plastik an Rheinbacher Schulen und Kitas im Mittelpunkt. Kinder reinigen Wald, Wiesen und Bäche. Mikroplastik im Wasser belastet die Umwelt.

Ganz konzentriert sitzen die vier Grundschüler um das Mikroskop. Erst vermischen sie Shampoo mit Wasser und filtern das entstandene Gemisch. Anschließend darf jeder einmal fühlen, welche Reste überhaupt im Teefilter hängen geblieben sind. Dann heißt es mikroskopieren. „Seid bitte ganz vorsichtig, die sind richtig teuer gewesen“, sagt Cornelia Otremba mit ernstem Ton.

Die Biologie- und Chemielehrerin betreut am Erzbischöflichen St. Joseph Gymnasium heute ausnahmsweise Grundschüler. Grund dafür ist der ZDI-Projekttag. ZDI steht für „Zukunft durch Innovation“ und ist eine Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen, die bei Kindern und Jugendlichen die Begeisterung und das Interesse für die Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) fördern soll. Oft besuchen an diesem Tag Schüler andere Einrichtungen und erleben dort einen aus Praxis- und Theorieeinheiten bestehenden Tag. So auch die vierte Klasse der Grundschule Merzbach.

Zuerst lernen die Kinder, wo mittlerweile überall Plastik zu finden ist, denn der diesjährige Schwerpunkt lautet „Zu gut für die Tonne“ und behandelt insbesondere das Thema Plastikmüll. „Mi-kroplastik bedeutet, dass das wirklich klitzekleine Teile sind, die wir mit bloßem Auge gar nicht sehen können“, erklärt Otremba. Auf dem Klassenboden liegen einlaminierte Blätter – daraus haben die Schüler zuvor einen Kreislauf gebildet und gelernt, dass es die kleinen Teilchen bis in ihr Essen schaffen.

„Der Fisch mit dem ganzen Plastik drin, das sieht schon ein bisschen eklig aus“, stellt die neunjährige Johanna fest. „Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt, aber ich finde es total schlimm, dass Tiere sterben müssen.“ Genau diesen Effekt wollte die Biologie- und Chemielehrerin erzielen: „Wir müssen die Schüler möglichst früh sensibilisieren und ihnen zeigen, dass es viele Alternativen gibt.“ Einen Stoffbeutel benutzen, weniger Gemüse in Plastikverpackungen kaufen oder richtige Mülltrennung seien bereits wichtige Schritte. Das lernen auch die Schüler der Grundschule Sürster Weg im Naturparkzentrum im Himmeroder Hof. Ökotrophologin Mareike Czerwinski hat auf einer Picknickdecke all den Müll ausgebreitet, den viele im Alltag produzieren. „Dabei ist einiges davon überflüssig. Hier in der Region gibt es so viele Bauern, die Äpfel verkaufen, da braucht es keine große Umverpackung.“ Und wenn schon Müll entstünde, sollte man eine zweite Nutzung überlegen. Für die Kinder gab es also anschließend eine kleine Einführung ins „Upcycling“ – also die Ver- und Aufwertung von Abfallprodukten.

Aus Milchtüten wurden Vasen, Portemonnaies und Vogelfutterglocken gebastelt. Ihre Hoffnung ist, dass die Schüler später eine Verantwortung für die Umwelt entwickeln und bereits in jungen Jahren ein Umdenken angestoßen wird: „Kinder haben einen Einfluss auf das Kaufverhalten ihrer Eltern. Deswegen ist es wichtig, dass wir schon so früh Aufklärung leisten“, so Czerwinski.

Diese Erfahrung machten ebenfalls die Betreuer in der Tageseinrichtung „Lummerland“. Karen Milena Molina Londono erzählt: „Die Kinder spielen heute so euphorisch wie lange nicht. Wir haben nicht mal alle unsere Utensilien gebraucht.“ Aus Eierkartons hatten sich die Kleinen einen Kaufmannsladen gebaut, Klopapierrollen wurden mit Flaschendeckeln gefüllt zu Rasseln.

Auch die dreijährige Amy fühlt sich sichtlich wohl: „Gleich bastel ich mir noch eine Kette“, erzählt sie, während sie inmitten der Eierkartons und Angelspiele steht. Trotz Regenwetter machen sich sich viele Lehrer mit ihren Schülern auf den Weg zum Müllsammeln. Bauen und Gestalten mit Wegwerfmaterial war fast überall ein großes Thema, und so gingen die Schüler mit gestalteten Baumwolltaschen, Schmuck, Kompostern und Schatzkisten nach Hause.