Rheinbach: Gutachten zeigt Handlungsbedarf beim Wohnbau

Wohnen in der Region : Gutachten zeigt Handlungsbedarf beim Wohnbau in Rheinbach

Mehr Wohnungen für Alte, mehr Häuser für Junge: Das seit langem erwartete Handlungskonzept in Sachen Wohnraum, das Gutachten „Wohnen 2030 Rheinbach“, ist fertig. Es zeigt einigen Handlungsbedarf auf.

Als älter werdende Stadt mit Zukunftschancen stellt das Kölner Büro für Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen die mögliche Entwicklung Rheinbachs dar. Dazu müssten die Weichen im Wohnungsbau richtig gestellt werden, sagte Geschäftsführer Dominik Geyer am Montag abend. Bei der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt stellte er ein Kommunales Handlungskonzept Wohnen vor. Dessen Grafiken zeigen eine leicht steigende Einwohnerzahl, die auf Zuzüge, großenteils von Flüchtlingen, zurückgeht.

Angesichts veränderter Altersstrukturen brauche man in zehn bis 15 Jahren ganz andere Wohnungen als heute. Steigender Bedarf in der Innenstadt erfordere mehrgeschossigen Wohnungsbau, der zugleich mit Aufzügen barrierefrei sein müsse. Mit Hinblick auf die bald ins Rentenalter kommenden „Babyboomer“ (Geburtsjahrgänge ab Mitte der 50er bis Ende der 60er Jahre) empfahl er einen Anteil von acht Prozent an Sozialwohnungen. Derzeit sind es laut dem Bericht knapp sechs Prozent.

Laut Gutachter soll die kommunale Gesellschaft in Rheinbach den Wohnbau regulieren

Strategisch könne man das Angebot für jüngere Familien dadurch erhöhen, dass man den Älteren mit Wohnkonzepten zwischen 60 und 80 qm Anreize biete, Einfamilienhäuser freizumachen. Dazu müsse in der Kernstadt konzentriert Bauland bereitgestellt werden. Die Planungen für Pallotti- und Majolikagelände gingen in diese Richtung. Aber auch der unbefestigte Parkplatz an der Grabenstraße eigne sich dafür. Als weiteres Ziel nannte Geyer die Stabilisierung des Preisniveaus für Bauland. Dazu sollte die Stadt „als Akteur und Flächenentwickler“ auftreten. Eine kommunale GmbH könnte Preise regulierend Flächen kaufen und weiterverkaufen. In den Ortsteilen sei der spezielle Charakter der Zentren zu erhalten. Bei Neubaugebieten drohe dort immer der „negative Beigeschmack“, dass Geld auf die grüne Wiese gelenkt werde. Probleme bereiteten in den Ortsteilen leerstehende Höfe mit ihren großen, tiefen Grundstücken.

Der Ortsvorsteher von Wormersdorf, Klaus Jürgen Beer (CDU), hakte ein. Mit dem Zuwachs der Neubauten halte die Infrastruktur derzeit nicht Schritt. In seinem Ortsteil fehlten beispielsweise Einkaufsmöglichkeiten. Ohne solche entstehe aber mehr Verkehr. „Das wollen wir nicht“, sagte Beer. Um die Ortschaften attraktiv zu halten, müsse man sich dort versorgen und altersgerecht wohnen können. Urte Seiffert-Schollmeyer befürwortete das acht-Prozent-Ziel im sozialen Wohnungsbau. Für ältere Bürger auch in Stadtteilen, die bleiben wollen, brachte sie Wohngemeinschaften ins Spiel.

SPD schlägt sozialen Wohnungsbau vor

Die SPD hatte sechs Vorschläge zum Wohnungsbau eingebracht. Einen Schwerpunkt bildet dabei der soziale Wohnungsbau. Ute Krupp (SPD) nannte ein Wohn- und Baulandmanagement als zentralen Punkt. Die Stadt müsse dafür sorgen, dass genügend Fläche für Wohnungsbau vorhanden sei. Öffentlich gefördertes Bauen für Familien mit entsprechender Förderung sei nicht nur für die Kernstadt, sondern auch für Ortsteile wichtig.

Ihr Parteifreund Georg Wilmers schlug vor, das Städtebauförderungsgesetz zu berücksichtigen. Sozialer Wohnungsbau habe viel mit Management zu tun, antwortete Geyer darauf. „Es ist Ihr hoheitlich verbrieftes Recht, Bebauungspläne aufzustellen“, sagte er. Baulandmanagement sei wichtig. Zugleich hielt er einen mit Nachbargemeinden abgestimmten regionalen Konsens für nötig. Denn wenn eine Gemeinde Auflagen erlasse, die es in der Nachbarschaft nicht gebe, würden Bauherren dorthin ausweichen. Die Ratsmehrheit verabschiedete das Handlungskonzept gegen die Stimmen der SPD, deren Vorschläge nicht berücksichtigt worden waren. Hier gehe es nur um dieses Konzept, sagte Silke Josten-Schneider (CDU) dazu. Alles andere seien „Detailfragen“.