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Ärger wegen Naherholungsgebiet : Rhein-Sieg-Kreis kassiert Pläne für Sanierung der Weiher

Ärger wegen Naherholungsgebiet : Rhein-Sieg-Kreis kassiert Pläne für Sanierung der Weiher

Ein Sachverständigenbüro muss die Anträge für das 1,6 Millionen Euro teure Umweltprojekt im Rheinbacher Stadtwald erneut modifizieren. Seit sieben Jahren bemüht sich die Kommune darum, die Weiher im Wald ökologisch und optisch aufzuwerten.

Es dauert nicht mehr allzu lange, dann hält im Rheinbacher Stadtwald der Frühling Einzug. Zu jeder Jahreszeit ein besonderer Wohlfühlort sind die Pilgerpfadsweiher unweit der Waldkapelle. Allerdings führt der Eulenbach, der die Weiher speist, nicht erst seit den Dürresommern der vergangenen beiden Jahre viel zu wenig Wasser. Die dringend benötigte Sanierung des Wasserlaufs, um die Weiher besser mit frischem Bachwasser speisen zu können, hat nun aber einen erneuten Dämpfer erhalten. Die Kreisverwaltung hat die bereits modifizierten Pläne einkassiert und bezeichnet sie als „nicht genehmigungsfähig“.

Wasserknappheit besteht nicht erst seit den Dürresommern 2018 und 2019

Die Weiher im Stadtwald verfügen über eine lange Historie: Mitte des 13. Jahrhunderts veranlassten die Himmeroder Zisterziensermönche, dass unterhalb der Stelle, an der heute die Waldkapelle steht, ein Abzweig des aus dem Höhenort Todenfeld kommenden Rinnbachs, der heute als Eulenbach bezeichnet wird, gegraben wird. Mit diesem Wasser sollten die Mühlen in der Kernstadt angetrieben werden. 1884 legten freiwillige Helfer des Verschönerungsvereins die Pilgerpfadsweiher an. Die Umsetzung einer Direktive aus Brüssel, die Europäische Wasserrahmenrichtlinie, sorgte dann 2013 dafür, dass die Stadtverwaltung damit begann, die Sanierung der Weiher zu planen.

Das Problem: Die Staubauwerke und Überläufe der Weiher sind derart marode, dass schweres Baugerät vonnöten ist, um den Wasserspiegel des Gewässers und einiger folgender Teiche anzuheben. Hinzu kommt, dass sich die Weiher insbesondere bei Trockenheit wegen der vielen Äste, der Blätter und des Schlamms eher unansehnlich zeigen.

Die Planung sah darum zunächst vor, einen etwa 900 Meter langen Gewässerabschnitt neu zu trassieren. Nachdem die Verwaltung das Umweltprojekt derart abgrenzen konnte, dass dafür Fördergelder des Landes NRW fließen können, beschloss der Ausschuss für Stadtentwicklung im Sommer 2015, dass der Eulenbach saniert werden soll. Rund 1,6 Millionen Euro kostet das Ganze: 90 Prozent schießt das Land zu, rund 160.000 Euro die Kommune.

Physische Gesetze machen Planung zunichte

Wie gebaut werden soll, war dann im September des gleichen Jahres Thema eines Bürgerforums samt Gewässerexpedition im Stadtwald, bei der die Fachleute des Sachverständigenbüros „Die Gewässerexperten“ aus Lohmar über die verschiedenen Varianten der Weihersanierung informierten. Grünes Licht der Politik gab es schließlich für den Vorschlag, den Eulenbach zum Teil zu verlegen, um die Pilgerpfadsweiher zu erhalten.

Einen herben Rückschlag erlitt das Projekt dann 2016: Topografische Untersuchungen hatten ergeben, dass das zu sanierende Gebiet gut einen Meter unterhalb der parallel verlaufenden Zuleitung zum ersten von fünf Teichen liegt. Heißt: Die beschlossene Variante war technisch nicht machbar, da – bildlich gesprochen – Wasser nicht den Berg hinauflaufen kann. Anfang 2018 gingen dann die modifizierten Pläne an den Rhein-Sieg-Kreis, in dessen Händen das sogenannte wasserrechtliche Zulassungsverfahren liegt.

Wie die Stadtverwaltung Ende Januar dieses Jahres während der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung berichtete, versagte die Untere Naturschutzbehörde bereits im Mai 2019 dem Projekt die Zustimmung, da laut Kreis die Gewässerverlegung wegen des besonderen Schutzstatus des Stadtwaldes als „Natura 2000-Gebiet“ nach der europäischen Richtlinie Fauna-Flora-Habitat (FFH) einzustufen ist (siehe „Der Stadtwald“).

„Gewässerexperten“ sollen neuen Plan erarbeiten

Vom Tisch gewischt ist die Sanierung der Weiher damit aber nicht. „Wir wollen an dem Ziel weiter arbeiten“, erklärte Bürgermeister Stefan Raetz (CDU). Das abschlägige Votum des Kreises werde „nicht hingenommen“, vielmehr sei die Verwaltung weiterhin in Gesprächen mit dem Kreis, um eine Lösung zu finden. Warum der Kreis die Genehmigung versagt hat und wie sein Unternehmen die Chancen sieht, mit modifizierten Plänen grünes Licht zu bekommen, dazu wollte sich Ingo Nienhaus, Inhaber des Büros „Die Gewässerexperten“, auf GA-Anfrage nicht äußern.

Der weitere Fahrplan sieht nun vor, dass die Gewässerexperten eine neue Planung erarbeiten. Dass zur Zeit „an einer alternativen Lösung unter Nutzung des heutigen Gewässerbettes gearbeitet“ wird, bestätigte Kreisumweltdezernent Christoph Schwarz auf Anfrage des General-Anzeigers. „Diese Planung soll auch den Erhalt der Pilgerpfadsweiher beinhalten“, sagte er.

Die Ablehnung des Rhein-Sieg-Kreises begründet Schwarz damit, dass Flächen innerhalb des geschützten Buchenwaldes in Anspruch genommen werden müssten. Außerdem wären „intensivere Untersuchungen der Auswirkungen auf den Buchenwald-Lebensraum erforderlich, die umfangreich und kostenträchtig sind und einen ungewissen Ausgang haben.“ Sowohl Kreis- als auch Stadtverwaltung „sind überzeugt, dass damit ein Weg gefunden werden kann, den Eulenbach und die Pilgerpfadsweiher ökologisch und visuell attraktiver zu machen“.