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Alte Technik mit Elektromotor: Obere Mühle in Meckenheim mahlt fast wie 1921

Alte Technik mit Elektromotor : Obere Mühle in Meckenheim mahlt fast wie 1921

Die runderneuerte Obere Mühle am Swistbach nimmt Besucher mit auf eine faszinierende Zeitreise. Die Technik ist zwar mittlerweile mit einem Motor ausgestattet, grundsätzlich aber seit 99 Jahren erhalten.

Dieses Gebäude ist ein Ort, der die Entschleunigung zum Prinzip erklärt. Sie kann nicht schneller, und sie möchte auch gar nicht schneller. Die Technik der Oberen Mühle in Meckenheim ist schlicht stehengeblieben – im Jahr 1921. Ein Glücksfall: Faszinierend ist, beobachten zu können, wie Mehl damals dank des Einsatzes von mächtigen Mühlsteinen entstanden ist.

Nicht weit weg vom Meckenheimer Zentrum ist mitten in der Swist­aue ein äußerlich eher unscheinbar wirkendes Gebäude zu finden, welches allerdings mit massiven, gut erhaltenen inneren Werten zu begeistern weiß. Wer sich auf die Zeitreise ins Jahr 1921 einlässt – die Mühltechnik zeigt den Maschinenstand aus exakt diesem Jahr –, sieht sich gemächlich drehende Mühlsteine, die damals bevorzugt Roggenschrot für Schwarzbrot und Futterhafer produzieren.

45 Jahre lang dreht sich im Denkmal kein Rad

Als letztes Überbleibsel der französischen Besatzungszeit tragen die Maschinen im dreigeschossigen Gebäude zwischen Meckenheim und der Burg Münchhausen am Swistbach solch klangvolle Namen wie Trieur (Sortierer) oder Aspirateur (Staubsauger). Bis 1972 stellten diese Holzapparate die wertvollen Lebensmittel her, die während der Corona-Pandemie zu einem der Einkaufswünsche überhaupt gehörten.

Die Obere Mühle steht am Swistbach zwischen Meckenheim und der Burg Münchhausen. Foto: Wolfgang Henry

Dass sich die Räder wieder drehen, die Transportbänder wieder laufen und die aufwendig restaurierte Technik auf ansprechende Weise vorgeführt werden kann, ist das Werk des Fördervereins Pro Obere Mühle Meckenheim. Die Mitglieder, die bei Vorführungen bevorzugt blau gestreifte Müllerhemden und rote Halstücher tragen, haben in den vergangenen Jahren emsig geklappert, um das Denkmal vor dem Verfall zu bewahren. Mit Erfolg. 350­.000 Euro haben die Vereinsmitglieder in den vergangenen fünf Jahren eingesammelt, darunter viele Spenden von Privatleuten.

Klappern gehört in einer Mühle nun einmal zum Handwerk. „Mit Führungen und Veranstaltungen werben wir für den Erhalt dieses Baudenkmals“, berichtet Christian Westphal, Vorsitzender des Fördervereins. Das Klappern für Zuschüsse und Spenden sorgt im Sommer 2017 dafür, dass die Mühle nach 45 Jahren Stillstand wieder klappert. Angetrieben (mittlerweile) von einem Elektromotor setzen sich nach der Renovierung die Zahnräder unterschiedlichster Größe leise ratternd in Bewegung. Die Freude über die gelungene Inbetriebnahme war allen, die es erleben durften, ins Gesicht geschrieben.

Ins Auge fällt etwa der mächtige Transmissionsriemen, der das Mahlgut innerhalb des dreigeschossigen Hauses befördert. Alles ist durchdacht: Der imposante Riemen ist aus Kamelhaar, damit keine Ledergerbstoffe ins Mahlgut gelangen. Der sogenannte Elevator bedeutet eine enorme Erleichterung für das kräftezehrende Handwerk des Müllers. Die großen Becher am Transportband befördern das Mahlgut vom Erdgeschoss bis in die oberste Etage der Mühle. „Das war die neueste Technik zu Anfang des 20. Jahrhunderts“, berichtet Christian Westphal. Einen Windantrieb mit machtvollen Mühlenflügeln sucht der Besucher der Oberen Mühle übrigens vergebens.

Aber: Innerhalb der Jahrzehnte und Jahrhunderte wechselt die Antriebstechnik ein um das andere Mal. Die nahe gelegene Swist treibt den Wasserantrieb der Mühle viele Jahre an, später erfolgt der Umstieg auf Gas. In den 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts nimmt ein Dieselmotor seinen Dienst auf, bis später der heutige Elektroantrieb die Mühle zum Klappern bringt.

Dass wegen der Corona-Pandemie lange Zeit keine Führungen stattfinden konnten und auch die stets gut besuchte Öffnung zum Deutschen Mühlentag an Pfingstmontag ausfallen musste, bedauern die Vereinsmitglieder sehr. Denn diese Angebote seien stets gute Anlässe, um Spenden zu generieren. Stehenbleiben soll die Zeit – bei aller Entschleunigung – in der Oberen Mühle dann doch nicht.

Zu finden ist die Mühle an der Straße Obere Mühle 8a in Meckenheim. An der Adenorfer Straße steht ein Hinweisschild. Ansprechpartnerin für den Verein ist Christian Westphal (02225/9009440, E-Mail: christian.westphal@pro-obere-muehle.de.