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Rotoren überragen Grenzen : Neuer Windpark in Rheinbach und Meckenheim geplant

Rotoren überragen Grenzen : Neuer Windpark in Rheinbach und Meckenheim geplant

Ein Investor aus Mülheim an der Ruhr plant den Bau von drei Windrädern zwischen Meckenheim und Rheinbach. Die Stadt Rheinbach hat einen Ansatz gefunden, der gegen einen interkommunalen Windpark spricht

Ingrid Koston ist eine Kämpfernatur. Zwei Jahre lang stritt sich die Sprecherin der Bürgerinitaitive (BI) „Meckenheimer Schattenseite“ vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster mit den Kommunen Meckenheim und Rheinbach über die Rechtmäßigkeit der Bebauungspläne beider Städte, die eine interkommunale Konzentrationszone für Windräder ermöglicht. Jetzt, genau ein Jahr nach der Einstellung des Normenkontrollverfahrens am OVG, ist die 68-Jährige zusammen mit weiteren BI-Mitstreitern wieder als Zuhörerin in einem Ratsgremium zugegen: Im Rheinbacher Ausschuss für Stadtentwicklung geht es um den Antrag eines Investors, der drei Windräder bauen will.

Dass sich mit der Firma Wind Works Development aus Mülheim an der Ruhr nun ein potenzieller Interessent zum Bau von drei 149,50 Meter hohen Windkraftanlagen beim Rhein-Sieg-Kreis als zuständiger Genehmigungsbehörde gemeldet hat, überrascht die Mitglieder der BI. „Wir müssen uns jetzt erst einmal wieder formieren“, berichtet Koston. Genau hört sie zu, was Margit Thünker-Jansen, Fachbereichsleiterin für Stadtentwicklung, Infrastruktur und Bauen bei der Stadt Rheinbach, zu dem Vorhaben zu sagen hat und macht sich Notizen.

Hintergrund: Jahrelang hatten die Mitglieder der BI „Schattenseite“ – ein Wortspiel der Bewohner des Baugebietes Sonnenseite – bereits gegen die Pläne beider Städte gekämpft. Mit Erfolg: Nur auf dieser Konzentrationsfläche an der L183 ist der Bau von Windrädern genehmigungsfähig (der GA berichtete). Im November 2015 hatten die Räte beider Kommunen mit jeweils großer Mehrheit grünes Licht dafür gegeben, den entsprechenden Bebauungsplan zu ändern. Die Planungsunterlagen, die die Kommunalpolitiker vor ihrer Entscheidung von den Verwaltungen vorgelegt bekommen hatten, waren 1000 Seiten stark.

Wind Works Development beabsichtigt, ein Windrad auf Rheinbacher und zwei auf Meckenheimer Gebiet zu bauen. Da sich in dem Windpark weniger als zehn Räder drehen, berichtet Thünker-Jansen, sei für die Genehmigung keine Öffentlichkeitsbeteiligung vonnöten. Der Kreis als federführende Genehmigungsbehörde hat beide Städte um eine Stellungnahme zum Projekt gebeten – binnen eines Monats.

Ob sich die Stadt Rheinbach für oder gegen den beabsichtigten Windpark ausspricht, darauf wollte sich die Fachbereichsleiterin in ihrem Bericht noch nicht festlegen. Bis Samstag, 8. Februar, einen Monat nach Eingang der vollständigen Planungsunterlagen, müsse dieses Meinungsbild beim Kreis vorliegen, so Thünker-Jansen. Eine Diskussion im Ausschuss oder im Rat in Sachen Genehmigung gibt es nicht: Der Tagesordnungspunkt firmiert unter „Mitteilung der Verwaltung“. Am Freitag, 24. Januar, ist aber ein gemeinsames Treffen beider Kommunen mit der Kreisverwaltung vorgesehen.

Betreiber muss für Veränderungen neue Berechnungen vorlegen

Ein Knackpunkt sei bereits bei der Durchsicht der Unterlagen auffällig geworden, berichtete die Chefplanerin: Die Rotorblätter der  Rheinbacher Anlage, die im Durchmesser 131 Meter lang sind, ragen um vier Meter aus dem ausgewiesenen Gebiet heraus. „Damit können wir eigentlich die Akte zumachen“, sagte Thünker-Jansen. Allerdings hätte der Antragsteller die Möglichkeit, die Anlage im Plan um vier Meter versetzen zu lassen. Nachteil für den Investor: Alle bestehenden Berechnungen etwa zum Schallgutachten oder zum Schattenwurf müssten neu erstellt werden, sagte die Fachbereichsleiterin. Hintergrund: Das Schallgutachten hatte den drei Anlagen bescheinigt, die im Bebauungsplan aufgeführten Lärmgrenzwerte von 61 Dezibel am Tag und bis zu 48 Dezibel während der Nacht nicht zu überschreiten.

Nach Angaben des Antragstellers sei der interkommunale Windpark in der Lage, 21 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr zu erzeugen. Diese Menge könne laut Betreiber 6000 Haushalte versorgen, gleichzeitig ließen sich dadurch 14 000 Tonnen Kohlendioxid jährlich einsparen. Die 131 Meter langen Rotorblätter der Windkraftanlage lagern auf einem 84 Meter hohen Stahlturm. Vom Boden bis zur Spitze der Rotoren misst ein Windrad  149,50 Meter. Viel größer dürften die Aufbauten auch nicht sein: Der 2015 von beiden Räten gebilligte Bebauungsplan schreibt die maximale Höhe auf 150 Meter fest. Ohne diesen Plan hätten die Energielieferanten 230 Meter hoch sein dürfen.

Die Pläne sind am Donnerstag, 30. Januar, ab 18 Uhr Thema im Meckenheimer Ausschuss für Stadtentwicklung.