Interview mit Alexander Nolte über Wohnstift Beethoven: „Wir wollen ein guter Partner sein“

Interview mit Alexander Nolte über Wohnstift Beethoven : „Wir wollen ein guter Partner sein“

Geschäftsführer Alexander Nolte spricht im GA-Interview über 40 Jahre Wohnstift Beethoven und die Neubaupläne an der Königstraße.

Seit 40 Jahren gibt es das Wohnstift Beethoven in Bornheim. Das Wohnstift hat 266 Wohnungen und 38 stationäre Pflegeplätze. Im Interview wirft der neue Geschäftsführer der Einrichtung, Alexander Nolte, einen Blick zurück. Zugleich berichtet er aber auch von den Neubauplänen der Senioreneinrichtung. Mit ihm sprach

Am 9. September 1976 sind die ersten Menschen ins Wohnstift Beethoven gezogen. Wie wird der 40. Geburtstag gefeiert?
Alexander Nolte: Wir werden im Juli das 40-jährige Jubiläum gebührend feiern – mit unseren Bewohnern und langjährigen Wegbegleitern.

Der langjährige Geschäftsführer Max H. Nübel hat einmal gesagt, dass das Wohnstift eine Pioniereinrichtung war. Warum war das so?
Nolte: Als das Haus 1976 bezogen wurde, war eine Einrichtung in dieser Form in der Region neu. Man kannte bis dahin nur die klassischen stationären Altenheime. Hier gab es nun eine völlig neue Wohn- und Lebenskultur für ältere Menschen. Die Menschen lebten weiterhin in eigenen Wohnungen. Das Miteinander und die Kommunikation spielte damals wie heute eine wichtige Rolle, verbunden mit einem Servicegedanken.

Also das, was man heute unter betreutem Wohnen versteht.
Nolte: Genau. Jahre später hat sich dieses Angebot unter diesem Begriff breiter etabliert.

Warum gerade Bornheim?
Nolte: Das war durch die Historie bedingt. Die Gebäude wurden in den 70er Jahren durch den Pensionsfonds eines holländischen Chemiekonzerns errichtet. Dieser hat die Einrichtung auch zu Beginn selbst geführt, ist aber dann in die Insolvenz gegangen. 1986 hat unsere Gesellschaft die Gebäude übernommen und aus der Insolvenzmasse entwickelt.

Was hat die neue Betreibergesellschaft anders gemacht?
Nolte: Die Einrichtung ist seitdem gemeinnützig. Die Gewinnmaximierung steht nicht primär im Vordergrund. Es soll langfristig durch ein gutes, ausbalanciertes Preis-Leistungs-Verhältnis funktionieren. Die gesamte Mitarbeiterschaft wurde frühzeitig auf die Philosophie des Dienens für die Bewohner eingeschworen.

Stichwort Preis-Leistungs-Verhältnis: Ein gewisses finanzielles Polster müssen die Bewohner aber schon mitbringen.
Nolte: Es gibt sicher Häuser, die noch mehr bieten. Diese sind in der Regel aber deutlich teurer. Wir wissen auch, dass wir nicht das preiswerteste Haus sein können. Wir bieten aber viele Leistungen. Wer regional die Preise vergleicht, stellt fest, dass unser Preis-Leistungs-Verhältnis gut dasteht.

Wie hat sich das Haus über die Jahre verändert?
Nolte: Es ist wie in jeder Dienstleistungssituation wichtig zu wissen, was die Menschen möchten. Zwei Faktoren sind über die Jahre gleich geblieben. Zum einen wollen die Menschen eine Portion mehr Sicherheit als etwa alleine in einem großen Wohnhaus. Zum anderen ist da die Kommunikation. Menschen, die alleine sind, haben hier die Möglichkeit, Anschluss zu finden und Gespräche zu führen. Geändert hat sich, dass die Bedürfnisse nach Angeboten und Aktivitäten der Nachkriegsgeneration, die jetzt zu uns kommt, ausgeprägter sind. Ein Beispiel: Bis vor zehn Jahren hatten wir kaum einen Bewohner, der sich für das Internet interessiert hat. Heute könnten wir ohne entsprechende Angebote die Wohnungen nicht mehr vermieten. Dazu bieten wir auch Kurse im Umgang mit PCs, Internet oder Bildbearbeitung an.

In wenigen Wochen werden sie das sogenannte Vitalisarum eröffnen. Was hat es damit auf sich?
Nolte: Wir wollen mehr rund um die Themen Gesundheit und Bewegung bieten. Wir bauen kein klassisches Fitness-Center. Es ist auf die ältere Generation ausgerichtet. Viele ältere Menschen befassen sich heute mit Sport und haben entsprechende Bedürfnisse.

Es ist eine Tendenz erkennbar, dass die Pflegebedürftigkeit höher wird. Zugleich entscheiden sich Menschen viel später für den Umzug in ein Seniorenpflegeheim.
Nolte: Diese Einschätzung kann ich bestätigen. Niemand möchte auf eine Pflegestation, kann aber objektiv gesehen in die Bedarfssituation kommen. Hinzu kommt, dass seit Mitte der 90er Jahre die Leistungen ambulanter Dienste deutlich gestiegen sind. Das ist politisch so gewollt gewesen, aber auch im Interesse der Menschen. Wir haben heute in Deutschland ein enormes Angebot an ambulanten Leistungen. Auch sind die Menschen viel früher bereit, die Angebote anzunehmen. Das führt aber auch dazu, dass der Zeitpunkt der Notwendigkeit sich stationär pflegen zu lassen, viel länger hinausgezögert wird.

Das Wohn- und Teilhabegesetz schreibt vor, dass bis 2018 80 Prozent aller stationären Pflegeplätze Einzelzimmer sein müssen. Was bedeutet das für Ihren stationären Pflegebereich?
Nolte: Es ist insofern ein Problem, dass wir einen hohen Anteil an Zweibettzimmern haben. Vor diesem Hintergrund ist auch die Entscheidung gefallen, einen Neubau für den Pflegebereich zu bauen.

Das heißt, an der Königstraße entsteht ein rein stationärer Pflegebereich?
Nolte: Ja. Auch wird er nur noch Einzelzimmer vorhalten. Wir wollen unseren Bewohnern in Zukunft gerecht werden, aber auch anteilig Menschen aus Bornheim und der Region aufnehmen.

An Ihren Plänen wurde unter anderem kritisiert, dass das Gebäude nicht ins Stadtbild passt. Wie gehen Sie damit um?
Nolte: Es ist verständlich, wenn Menschen das Gefühl haben, dass das Gebäude zu groß ist. Alles was dort passiert, ist aber rechtens. Wir sind mit etlichen Menschen aus der Nachbarschaft im Dialog. Wir wollen ein guter Partner sein. Außerdem sind wir davon überzeugt, dass das Projekt in der Realität dann nicht so kritisch betrachtet wird.

Wann sollen die ersten Menschen einziehen können?
Nolte: Der Baubeginn soll Anfang 2017 sein. Wir sind frohen Mutes, spätestens im Sommer 2018 einziehen zu können.

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