Ausweisung der Meckenheimer Konzentrationszone: Windanlagen stoßen auf Kritik

Ausweisung der Meckenheimer Konzentrationszone : Windanlagen stoßen auf Kritik

Einen Tag zuvor hatten die Rheinbacher Bürger über die geplante Windanlagen-Konzentrationsfläche zwischen Rheinbach und Meckenheim diskutiert, am Donnerstag waren die Meckenheimer an der Reihe.

Im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit wurden sie von den Mitarbeitern der Stadtverwaltung, den Fachleuten des Ingenieurbüros Lange aus Moers und Fachanwalt Felix Pauli über die Pläne informiert. Und sie konnte bei dem Workshop Bedenken und Anregungen äußern. "Meckenheim liegt näher am Plangebiet als Rheinbach", führte Planer Thomas Finke aus. Wie nahe den Bürgern der geplante Eingriff in ihr Umfeld tatsächlich geht, wurde an der hohen Beteiligung von etwa 80 Interessierten, der lebhaften Diskussion, den erregten Gemütern und enttäuschten Gesichtern im Laufe des Abends deutlich, als den Beteiligten klar wurde, dass es kaum Aussicht gibt, das Vorhaben zu verhindern.

Windenergie habe ein großes Klimaschutzpotenzial, warb Bürgermeister Bert Spilles und räumte ein: "Man kann es nicht allen recht machen, es gibt Befürworter und Gegner". Die "Feinsteuerung" durch die Stadtplanung sei wichtig, "ohne diese Zone wäre unser ganzes Stadtgebiet frei für Windanlagen", erläuterte Fachbereichsleiterin Waltraud Leersch. Städte seien gehalten, genügend Raum für Windenergieanlagen vorzuhalten, erklärte Finke und betonte, dass es einen gesetzlichen Anspruch auf die Einhaltung der Emissionsgrenzwerte gebe, die Schall und den Schattenwurf der Rotoren in Drehbewegung limitieren.

Dass davon vor allem Bürger im Siebenswinkel und im Neubaugebiet "Sonnenseite" betroffen sein könnten, zeigten die Experten anhand von Karten. Von den Neubürgern hagelte es entsprechend Kritik. "Nie hätte ich eine Wohnung am Baumschulenweg gekauft, wenn ich davon gewusst hätte - Herr Spilles, ich fühle mich betrogen", erklärte ein Anwohner. Ein anderer wies auf seinen energiebewussten Neubau hin: "Jetzt kriegen wir eine auf den Deckel".

Eine Neubürgerin befürchtete die Wertminderung ihrer Immobilie und fragte nach Entschädigung. Auch Naturschützer äußerten Bedenken, erinnerten an die Kraniche, die man zurzeit beinahe täglich auf ihrer Reise in den Süden beobachten könne, und erfuhren, dass Meckenheim kein Zugvogelgebiet sei. "Windanlagen führen zu einer Verarmung der Landschaft", sagte die Ersdorferin Christiane Schmitz. Denn Tiere würden durch die Anlagen gestört und wanderten ab. Zudem gab die Landwirtstochter zu bedenken, dass bestes Ackerland verbaut werde und sich das Mikro-Klima ändern könne mit Auswirkungen auf den Obstbau. Um die Schönheit ihres Dorfes und der Umgebung, die als Naherholungsgebiet für etwa 50.000 Menschen diene, fürchten insbesondere auch zahlreiche Lüftelberger, die bereits vor etwa zwölf Jahren die Bürgerinitiative "Gegenwind" gegründet hatten.

Dass zwar auf Artenschutz geachtet werde, auf ihn als Mensch mit Ästhetik-Gefühl keine Rücksicht genommen werde, kritisierte Martin Sylvester. "Politik muss sich daran messen lassen, ob sie sich über den Bürgerwillen hinwegsetzt", sagte Christel Schwerdtfeger. Ortsvorsteher Jürgen Schwerdtfeger ärgerte sich angesichts vorhandener Alternativen auf dem Energiesektor über die gesetzlichen Vorgaben: "Warum müssen wir diesen Unsinn akzeptieren?" Einen Investor gebe es noch nicht, erläuterte der Technische Beigeordnete Heinz-Peter Witt. Man könne in Form eines Bürgerprojekts selbst Investor sein, oder die Stadtwerke könnten zukünftig die Windanlagen betreiben, meinte Grünen-Politiker Hendrik Alscher.

0 Die Ergebnisse des Workshops wurden dokumentiert und sind später auf der Website der Stadt Meckenheim einsehbar. Bürger können noch bis zum 4. Dezember schriftliche Eingaben an die Stadtverwaltung machen.

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