Interview mit Bürgermeister Spilles: Warum die Nordumgehung wichtig für Meckenheim ist

Interview mit Bürgermeister Spilles : Warum die Nordumgehung wichtig für Meckenheim ist

Meckenheims Bürgermeister Bert Spilles über stauumfahrende Brummis, den Schulcampus und die Nordumgehung. Mit dem Bau der Umgehung soll 2022 begonnen werden, wenn die Deutsche Bahn ihren Zeitplan einhält.

Es sieht danach aus, dass die Bahn nach Jahren des Stillstandes ins Projekt Nördliche Ortsumgehung Bewegung bringt. Wie realistisch finden Sie den Zeitplan, dass 2022 die Bauarbeiten losgehen sollen?

Bert Spilles: Ende 2022 wollen wir baureif sein. Das ist der Zeitplan, den wir jetzt von der Bahn mitgeteilt bekommen haben. Darum muss ich davon ausgehen, dass das auch ein realistischer Plan ist. Die Gespräche mit der Bahn haben in jüngster Zeit wieder eine Kontinuität. Wir hoffen, dass wir uns an dem Zeitplan auch orientieren können. Alles was die Stadt zu diesem Projekt machen konnte, hat sie gemacht. Wir arbeiten gemeinsam daran, dass diese Planung auch wirklich jetzt umgesetzt wird.

Das Vorhaben dürfte auch für die Bahn von Interesse ein.

Spilles: Nicht nur für die Bahn ist es ein Vorteil, wenn zwei Bahnübergänge geschlossen werden. Für uns als Kommune ist es aus der Verkehrssituation heraus ein wichtiges Projekt und auch für die Stadtentwicklung mit der nördlichen Stadterweiterung. Ein Infrastrukturprojekt, sowohl für die Bürger, die dort wohnen als auch für die zukünftige Planung, die wir dort vorhaben – neuen Wohnraum zu schaffen.

Über Stadtgrenzen hinweg regen sich die Menschen über stauumfahrende Brummis auf, die die A 61 verlassen, wenn Stau ist. Was muss getan werden, um diesen Ausweichverkehr zu verhindern?

Spilles: Was wir schon gemacht haben, ist, die zu kontaktieren, die zuständig sind, dass es eine Änderung geben kann. Weil es eine Landesstraße ist, sind das der Landesbetrieb Straßen.NRW und die Polizei. Wenn Umleitungsbeschilderungen nicht beachtet werden, muss die Polizei dies kontrollieren. Wir haben vor Ort Gespräche geführt, eine Ortsbesichtigung durchgeführt und arbeiten mit den Kollegen aus Rheinbach eng zusammen. Ein Ergebnis des Ortstermins war, dass das Schild nach der Autobahnabfahrt klarer definiert werden muss. Das ist in der Umsetzung. Wenn die Lastwagen am Kreisel bei Wormersdorf landen und dort steht die nicht eindeutige Beschilderung „Durchfahrt für Lkw über 7,5 Tonnen verboten – Anlieger frei“, ist das unverständlich. Und deswegen wird es jetzt geändert. Ein Anliegen haben die meisten, um dort durchzufahren.

Diese sind aber trotz Anliegens keine Anlieger.

Spilles: Wir wollen darum die Formulierung 'Lieferverkehr frei'. Ich kann ja nicht die 7,5-Tonner herausholen, die zu einem Obsthof wollen. Wichtig ist, für eine eindeutigere Beschilderung zu sorgen – in Abstimmung mit der Polizei. Das andere Thema ist, dass auch die entsprechende Kontrolle passieren muss. Aber auch da habe ich Verständnis: Die Polizei kann nur kontrollieren, wenn sie weiß, dass Stau ist. Die Staus passieren relativ schnell und dann muss kurzfristig Personal zur Verfügung stehen. Aber: Für den Lastwagenverkehr gibt es bei Staus die Umleitung U 80, die über Meckenheim und Merl und von dort wieder auf die A 565 führt. Dieser Umweg betrifft dann wieder andere Bürger.

Im Zusammenhang mit der Bebauung der Weinberger Gärten haben sich zwei Bürgerinitiativen gegründet. Die einen warnen vor dem zusätzlichen Verkehr, die anderen vor mehr Lärm. Ist die Planung nicht durchdacht?

Spilles: Natürlich ist die Planung durchdacht. Ich habe grundsätzlich immer Verständnis, dass die Bürger nähere Informationen haben wollen, wenn etwas geplant wird. Es gibt Verkehrs- oder Schallschutzgutachter, die zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten Untersuchungen gemacht haben. Die Ergebnisse besagen, dass die Infrastruktur den zusätzlichen Verkehr aufnehmen kann. Das Positive für mich ist, dass die beiden Bürgerinitiativen nicht grundsätzlich gegen die Bebauung der Weinberger Gärten sind, sondern die Ergebnisse der Untersuchung hinterfragen.

Über einen alternativen Anfahrtsweg ins künftige Baugebiet ist aber in diesem Jahr auch gesprochen worden.

Spilles: Darüber hinaus haben wir mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW gesprochen. Wir diskutierten darüber, ob während der Bautätigkeit die zu erwartenden schweren Baufahrzeuge direkt von der Gudenauer Allee ins Baugebiet fahren können, um die jetzigen Anwohner zu entlasten. Das ist eine Sache, die wir mit dem Landesbetrieb erörtert haben und wo wir dran arbeiten. Das entscheidet dann aber letztlich der Eigentümer der Straße.

Das Land?

Spilles: Das Land. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, die von Ratsfraktionen kommen, etwa für einen Kreisel an der Kreuzung Gudenauer Allee/Bonner Straße, mit einem separaten Arm direkt ins Baugebiet. Diese Variante ist schon vor Jahren geprüft worden. Ein funktionierender Kreisel wäre aber von der Größe an der Stelle nicht machbar. Der hätte eine Größe – wohl nicht wesentlich kleiner als das Endenicher Ei.

Die vor allem wegen ihrer Akustik gelobte Jungholzhalle wurde 2018 nicht so häufig genutzt wie gewünscht. Grund: Nachbesserungsarbeiten an der 2017 eröffneten Halle. Was erwarten Sie für 2019?

Spilles: Wir haben in 2019 schon 30 gebuchte Veranstaltungen. Das zeigt uns, dass wir, abgesehen von den Arbeiten, die notwendig waren, mit unserer Jungholzhalle in der Region einen Namen haben. Es kommen Größen wie Jürgen Becker und Mirja Boes, aber auch das Musikkorps der Bundeswehr. Die haben 2018 erstmalig hier gespielt und für 2019 sofort wieder zugesagt. Die Halle hat eine wirklich gute Akustik, insbesondere für solche Orchester – und eine entsprechende Größe. Die Tomburg Winds sind auch immer gerne bei uns. Die freuen sich, wenn sie in Meckenheim bis an die 800 Karten verkaufen können. Wir haben im nächsten Jahr ebenso eine Veranstaltung zum Beethovenfest zu Gast – die Deutsche Streicherphilharmonie, die im September spielen wird. Aber gleichzeitig liegen uns wieder Zusagen für Märkte und Messen – die Antikmärkte oder die Messe 'Haus und Garten' vor. Betonen möchte ich: Wir machen das nicht mit einer Veranstalter-GmbH, sondern mit unseren Mitarbeitern im Rathaus, unterstützt von einer Einzelperson. Mit den begrenzten Mitteln stellen wir einiges auf die Beine.

Wen würden Sie gerne mal auf der Bühne der Jungholzhalle sehen, wenn es der Bürgermeister zu entscheiden hätte?

Spilles: Da gibt es einige. Aber man muss ja realistisch sein. Ich würde mir den amerikanischen Bluesmusiker Seasick Steve wünschen. Den habe ich in diesem Jahr bei Rock am Ring gesehen und bin extra für ihn dorthin gefahren. Das wäre natürlich was. Der würde gut hierhin passen.

Wenn er am Ring war, muss man ihm nicht lange erklären, in welcher Region das Konzert stattfindet.

Spilles: Wenn der käme, würden die Leute von Köln und überall anreisen. Der ist total Kult – vor allem bei jungen Leuten. Bei Rock am Ring war ich ja fast der Älteste während dieses Auftritts.

Im letzten Jahr sprachen wir über das Ruhrfeld als möglichen Standort für die VHS-Zentrale. Die Verbandsversammlung hat sich gegen diesen Standort ausgesprochen. Wie geht es nun weiter?

Spilles: Die Entscheidung ist gefallen. Es soll in die Renovierung der bestehenden VHS-Zentrale investiert werden. Ich fand's schade. Für die VHS-Mitarbeiter wäre es eine gute Lösung gewesen. Wir sind jetzt dabei, mit möglichen Nutzern zu sprechen. Wir wollen eine gute Alternative für unsere Immobilie im Ruhrfeld finden.

Die Rheinbacher Politik beklagt, dass es gewaltig ins Stadtsäckel haut, wenn viele Schüler aus anderen Kommunen auf die Gesamtschule streben – insbesondere aus Swisttal. Wie sehen Sie die Schulsituation in Meckenheim?

Spilles: Das Angebot finde ich optimal. Wir haben drei weiterführende Schulen, die alle ihre eigenen Förderprogramme und pädagogischen Konzepte haben, die auf ihren Schultyp zugeschnitten sind. So ist die Förderung des einzelnen Schülers viel effektiver als in einem Großbetrieb. Das soll ja unser Ziel sein. Wir haben ganz klar entschieden, das dreigliedrige Schulsystem am Schulcampus beizubehalten, zu stärken und zu fördern. Unser neuester Schulentwicklungsplan zeigt, dass die Zahlen der Schüler steigen werden – sowohl in den Grundschulen als auch in weiterführenden Schulen. Außerdem haben die Experten besonders hervorgehoben, wie hoch die Bindung hier am Ort ist: von den Grundschulen in die weiterführenden Schulen.

Wenn das Angebot nicht optimal wäre, würden die Schüler auch längere Anfahrten in andere Kommunen in Kauf nehmen.

Spilles: Ja. Da wird hervorragende pädagogische Arbeit geleistet. Ich bin froh, dass wir uns so positioniert haben. Und wir investieren auch viel in unsere Schulen. Das machen wir derzeit mit den Grundschulen bis 2020. Gleichzeitig haben wir den Fokus darauf, dass wir als nächste große Maßnahme auch an den Schulcampus rangehen. Vieles ist in Meckenheim eben zur gleichen Zeit entstanden und muss nach und nach erneuert werden.

Welche Überschrift wollen Sie 2019 auf keinen Fall lesen?

Spilles: Das kann ich sagen: Dass der 1. FC Köln den Aufstieg in die 1. Bundesliga verpasst.

Um Gottes Willen...

Spilles: Das will ich auf keinen Fall lesen.

Auf welchen Termin im Jahr 2018 hatten Sie so gar keine große Lust?

Spilles: Das weiß ich gar nicht. Ich habe immer Lust auf Termine zu gehen. Die Termine, die ich mache, da stelle ich mich voll drauf ein. Das ist auch das, was die Vereine und Bürger erwarten dürfen, dass ich mit Herzblut dabei bin.