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Buchvorstellung in der Buchhandlung Kayser: Udo Weinbörner liest in Rheinbach

Buchvorstellung in der Buchhandlung Kayser : Udo Weinbörner liest in Rheinbach

Der Meckenheimer Autor Udo Weinbörner liest am Donnerstag in der Rheinbacher Buchhandlung Kayser aus seinem neuen Roman „Lieber tot als Sklave“.

Dürfen Menschen weißer Hautfarbe Menschen anderer Hautfarbe versklaven? Diese Frage quält im 18. Jahrhundert den Amrumer Kapitän Hark Nickelsen, der als Kommandant eines dänischen Schiffes mehrere Sklavenfahrten nach Westindien unternommen hat. Schwer erkrankt blickt er auf sein Leben zurück. Ihn plagt die Reue, was er anderen Menschen angetan hat.

In seinem neuen Roman „Lieber tot als Sklave – Die letzte Fahrt des Amrumer Kapitäns Hark Nickelsen“ erzählt der Meckenheimer Autor Udo Weinbörner einfühlsam, empathisch und detailgenau vom Leben des nordfriesischen Seemanns. Seinen Neuling stellt der Meckenheimer am Donnerstag, 29. Juni, 19 Uhr, in der Buchhandlung Kayser in Rheinbach vor.

Biografischer Roman mit fiktionalen Figuren

Nickelsen (1706 bis 1770) ist eine Legende auf seiner Heimatinsel, sein sprechender Grabstein – dort sind sein letztes Schiff „Die Vesuvius“ zu sehen und seine Lebensgeschichte zu lesen – im Amrumer Örtchen Nebel zeugt bis heute von seiner Bedeutung für die kleine Insel. Es war auch der Grabstein, der den Autor bei einem Besuch Amrums mit seiner Frau Anne 1982 faszinierte und animierte, ein Buch über den ungewöhnlichen Seemann zu schreiben.

Das 447-Seiten-Werk ist kein Sachbuch und keine Biografie, sondern ein biografischer Roman, der die historischen Gegebenheiten des 18. Jahrhunderts detailgenau wiedergibt, dabei aber fiktionale Figuren und Personen einfließen lässt. Brillant versteht es Weinbörner, den Lesern die vergangene Zeit mit immer wieder menschelnden Szenen nahezubringen. Das Werk ist quasi eine Fortsetzung des 2010 erschienenen Romans „Der General des Bey“ (2017 neu aufgelegt), der die Geschichte des jungen Hark Nickelsen – er gerät gemeinsam mit seinem Cousin Hark Olufs als Schiffsjunge in algerische Sklaverei – erzählt.

Das aufregende Leben der beiden Amrumer Seeleute hat Weinbörner jahrzehntelang immer wieder recherchiert, sich in die Geschichte der Zeit eingearbeitet und Quellen wie die Erinnerungen von Nickelsen herangezogen.

Weinbörner ist mit Leib und Seele Schriftsteller, auch wenn er bis 2013 als Referatsleiter im Bonner Bundesamt für Justiz gearbeitet hat. Schon mit 15 Jahren wollte der junge Sauerländer den Beruf des Autors ergreifen. Als Schüler veröffentlichte er erste Gedichte, im Laufe der Jahre kamen an die 20 Sachbücher und Romane dazu. „Ich versuche nah und authentisch an die Person, die ich beschreibe, heranzukommen“, erzählt der 58-Jährige.

Allgemeine Themen wie Gerechtigkeit fließen in das Werk ein

Nickelsen, gequält von Erinnerungen an seine Leiden als Sklave, erhält 1746 das Kommando auf einem neuem Schiff – einem Sklavenschiff – übertragen. Er soll Afrikaner von der Goldküste nach Westindien zum Verkauf bringen. Das moderne Schiff reizt Nickelsen, dafür nimmt er sogar den Transport menschlicher Ware in Kauf. Mächtige Schiffseigner, afrikanische Gebietsfürsten, meuternde Mannschaftsteile, Seuchen und eine Liebesgeschichte lassen den Kapitän nicht zur Ruhe kommen. „Seid Ihr alle der Auffassung, dass man Sklaven nicht mit uns vergleichen kann? Wegen der Hautfarbe und dem anderen Aussehen oder gar, weil sie weniger Mensch sein können?“ fragt Nickelsen den Ortspfarrer und seinen Neffen. Ihn beschäftigen nach einer schweren Krankheit, die ihn mit dem eigenen Tod konfrontiert hat, die persönliche Schuld, die er als Kapitän eines Sklavenschiffes auf sich geladen hat. In Rückblicken erzählt er von einer letzten Fahrt, die ihn dazu gebracht hat, seinen Beruf aufzugeben. Er konnte die Unmenschlichkeit nicht mehr ertragen.

„In meinen Büchern kommen allgemeingültige Themen, die mein Leben bestimmen, zur Sprache. Dazu gehören mein Gerechtigkeitsverständnis, Ungleichheit, Freiheit und Menschenrechte“, machte Weinbörner deutlich. Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit bestimmen auch die Handlungsweise von Hark Nickelsen, seinen geliebten Beruf aufzugeben.

Der Roman plädiert für eine menschliche Gesellschaft, die die Würde des Einzelnen respektiert, Aspekte, die in der heutigen Zeit wieder sehr aktuell sind. Dabei ist der Roman nicht moralisierend, sondern äußerst spannend zu lesen. Und er zeigt, dass aufrechtes Handeln in jeder Epoche möglich ist. Denn Nickelsen, der mit seinen Sklavenfahrten reich geworden war, gab diese auf, obwohl seine Zeitgenossen solche Fahrten als selbstverständlich ansahen.

Udo Weinbörner: „Lieber tot als Sklave - Die letzte Fahrt des Kapitäns Hark Nickelsen“, Verlag Wellhöfer, ISBN 978-3-95428-221-0, 14,95 Euro.

Die Lesung findet am Donnerstag, 29. Juni, 19 Uhr, in der Buchhandlung Kayser, Hauptstraße 28 in Rheinbach, statt. Der Eintritt kostet fünf Euro.