Paradiesapfel ersetzt Apfel: Tomaten sollen Frostschäden ausgleichen

Paradiesapfel ersetzt Apfel : Tomaten sollen Frostschäden ausgleichen

Die Frostnächte im April haben in den Meckenheimer Apfelbaumplantagen so starke Schäden verursacht, dass nur etwa fünf Prozent der normalen Ernte erwarten werden dürfe. Kurzerhand wurden ein Viertel der Apfelbäume durch Tomatenpflanzen ersetzt.

Freilandtomaten baut Rainer Dahlhausen neben Äpfeln, Pflaumen und Mirabellen schon seit einigen Jahren an. Doch in diesem Jahr sollen die roten saftigen Feldfrüchte den landwirtschaftlichen Betrieb des Meckenheimer Obstbauern vor dem Schlimmsten bewahren. Denn die Frostnächte im April haben besonders in Dahlhausens Apfelbaumplantagen Spuren hinterlassen und so starke Schäden verursacht, dass der 45-jährige Gärtnermeister nur etwa fünf Prozent der normalen Ernte erwarten durfte. Kurzerhand hat Dahlhausen etwa ein Viertel seiner Bäume durch Tomatenpflanzen ersetzt.

Etwa 10 000 Euro hat der Obstbauer investiert, um so die Verluste, die sich nach dem Frost für seinen Obstbaubetrieb abzeichneten, möglichst gering zu halten. „Jetzt geht es um alles oder nichts“, so Dahlhausen. Musste er im vergangenen Jahr noch 960 Tomatenpflanzen hegen und pflegen, sind es in diesem Jahr 7500, die auf den Feldern nahe Meckenheim wachsen und gedeihen.

Der Pflegeaufwand sei im Vergleich zu den Apfelbäumen immens, berichtet Dahlhausen. Jede Pflanze sollte möglichst ein Mal pro Woche inspiziert werden. Die rankenden Äste müssen angebunden, unerwünschte Seitentriebe ausgebrochen werden. Damit Dahlhausen Zeit für die erforderliche Handarbeit an den Tomaten findet, hat er die Öffnungszeiten seines Hofladens angepasst. Montags ist nun geschlossen und Dahlhausen arbeitet auf dem Feld.

Rohre schützen die Tomatenpflanzen

Die Tomatenpflanzen wurzeln im Meckenheimer Boden, stehen jedoch in Rohren, die dem Schutz der Pflanze dienen. Denn Dahlhausen verwendet kein Glyphosat zum Unkrautvernichten, sondern säubert die Flächen rund um die Tomaten mechanisch mit einem Freischneider. Zusätzliches Wasser brauchen die Pflanzen nur kurz nach dem Setzen und bei großer Trockenheit. Ansonsten gedeihen die Tomaten, die in unserem Nachbarland Österreich den verführerischen Namen Paradiesapfel tragen, prima mit den Reizfaktoren, die das Freiland bietet: Licht, Luft, Wärme, Regen.

Bisher ist Dahlhausen mit der Ernte, die Mitte Juli begonnen hat, zufrieden. Etwa 15 unterschiedliche Tomatensorten baut er an, darunter die kleinen aromatischen Cherrytomaten in rot, orange und gelb, die länglich geformten Eier- und Flaschentomaten, die vielseitig verwendbaren Fleischtomaten und natürlich die beliebten Strauchtomaten. „Man schmeckt einfach den Unterschied zu Tomaten aus dem Gewächshaus“, schwärmt Rainer Dahlhausen. Im vergangenen Jahr habe er die Tomatenernte fast vollständig über seinen Hofladen selbst vermarktet, berichtet der Landwirt. In diesem Jahr will er zudem mit drei Großabnehmern verhandeln.

Geerntet werden kann bis zum Herbst

Geerntet werden kann – wenn alles gut läuft – bis zum ersten Frost im Herbst. Doch auch bei den Tomaten gilt, was in der Landwirtschaft immer eine Rolle spielt: Wetterkapriolen können die Ernte beeinträchtigen. Hagel wäre schlimm für die Tomatenpflanzen, sagt Dahlhausen. Und auch die berüchtigte Krautfäule kann die Pflanzen befallen. Vor vier Jahren war das der Fall. „Alles war platt“, bringt es der Meckenheimer auf den Punkt, der auch mit dem Anbau von Paprika, Gurken und Zucchini experimentiert.

Gärtnermeister Dahlhausen hat den landwirtschaftlichen Betrieb, der Obst und Gemüse auf 3,4 Hektar anbaut und auch schon von Dahlhausens Vater und Onkel bewirtschaftet wurde, vor 14 Jahren übernommen.

Der Hofladen an der Wormersdorfer Straße feiert im nächsten Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. „Die Tomaten sind mein Herzblut“, sagt Dahlhausen und betont: „An ihnen hängt in diesem Jahr die Zukunft unserer Firma.“

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