Kein Nachwuchs mehr zu finden: Pfadfinderstamm in Heimerzheim löst sich auf

Kein Nachwuchs mehr zu finden : Pfadfinderstamm in Heimerzheim löst sich auf

Der Heimerzheimer Pfadfinderstamm löst sich auf. Peter Heinemann gründete die Gruppe vor 20 Jahren. Von ehemals 60 Pfadfindern sind nur noch eine handvoll übrig geblieben.

Es waren schon spannende Jahre, die Peter Heinemann mit den Heimerzheimer Pfadfindern erlebt hat. Doch diese Zeiten sind jetzt wohl endgültig vorbei. Am Schluss war es nur noch gut eine Handvoll Jugendlicher, die zu den wöchentlichen Gruppenstunden kam. Leiter gab es außer ihm auch keine mehr. Jetzt hat Heinemann einen Schlussstrich gezogen – für sich und die Pfadfinderschaft in Heimerzheim. „Ich bin jetzt auch 60, das reicht“, sagt er. „Ich kann alleine auch nichts mehr ausrichten.“ Die Zelte wurden inzwischen an Pfadfinderstämme in Rheinbach und Euenheim weitergegeben.

Voller Elan hatte der Lehrer am Brühler Sankt-Ursula-Gymnasium 1998 in Heimerzheim die erste Gruppe gegründet. Der gebürtige Duisburger wuchs in Remscheid-Lennep auf, wo er im Alter von zehn Jahren das Pfadfinderleben kennenlernte. 1988 zog er mit seiner Familie nach Heimerzheim. 1997 übernahm er eine Firmgruppe, in der er auch seine Tochter Isabelle auf die Firmung vorbereitete. Zum Abschluss organisierte er ein Zeltlager an der Steinbachtalsperre. „Das war zwar noch im September, aber wir haben ganz schön gefroren“, erinnert er sich.

Aus dieser Gruppe entstand dann eine feste Jugendgruppe. „Denn mit der KJG, die früher Jugendarbeit im Ort geleistet und im Sommer große Zeltlager organisiert hatte, ging es bergab. Da lief nicht mehr viel“, erklärt Heinemann. Und aus dieser Jugendgruppe entstand dann im Jahr 1998 die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg Heimerzheim. Die Gruppe wurde bei einem Zeltlager über Pfingsten in Bouderath in der Eifel gegründet.

Die Pfadfinder zogen viele Jugendliche an

In wenigen Jahren wurden aus den anfänglich 15 Mitgliedern rund 60. Insgesamt betreute Heinemann in 20 Jahren an die 400 Jugendliche. Denn das Angebot war attraktiv. Die Jungs und Mädchen trafen sich nicht nur zum Zelten und zum Kanufahren, sondern verwirklichten auch soziale Projekte. So bauten sie unter Anleitung von Heinemann und Rainer Schmitz einen festen Grill für das Haus der Lebenshilfe am Kotten-grover Maar in Heimerzheim. Dort leben Menschen mit Behinderung. Die Philosophie der Pfadfinder zog viele Jugendliche an. „Es ging darum, sinnvolle Dinge zu tun, Projekte zu planen und zu verwirklichen. So entstehen Erfolgserlebnisse“, sagt Peter Heinemann. „Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche lernen, eigene Standpunkte zu entwickeln und für andere einzustehen und da zu sein, wo ich gebraucht werde.“

Etwa seit dem Jahr 2010 wurde es immer schwieriger, Kinder und Jugendliche für das Pfadfinderdasein zu begeistern. Warum? Heinemann meint, es habe auch mit der Belastung in der Schule mit Unterricht am Nachmittag zu tun. Und potenzielle Leiter seien beispielsweise wegen ihres Studiums umgezogen.

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