Kameramann aus Heimerzheim: Oliver Roetz filmt Grizzlybär und Nashorn

Kameramann aus Heimerzheim : Oliver Roetz filmt Grizzlybär und Nashorn

Oliver Roetz filmt für das ZDF-Format Terra X auf allen Kontinenten. Die Folge „Seychellen“ ist am Sonntag zu sehen. Für eine 45-Minuten-Folge ist das Team zwei bis drei Wochen unterwegs. Schon der Vater war Kameramann.

Die weitaus meisten Menschen, die das ganze Jahr über hart arbeiten, freuen sich auf den Urlaub. Bei Oliver Roetz, der aus Heimerzheim stammt und heute in Euskirchen-Schweinheim lebt, ist das nicht so. Denn er ist das halbe Jahr als Kameramann in der ganzen Welt unterwegs und freut sich, wenn er nach wochenlanger Abwesenheit und getaner Arbeit wieder zu Hause ist.

Der 50-Jährige filmt seit dem Jahr 2009 für das Team der ZDF-Reihe „Terra X – Faszination Erde“. Und die Beschreibung „Faszination“ ist nicht übertrieben. Stammzuschauer der von Dirk Steffens moderierten Sendung wissen das. Denn die Aufnahmen, die Roetz produziert, bringen die entlegensten Winkel der Welt in die deutschen Wohnzimmer.

7,5 Millionen Zuschauer sahen sich beispielsweise die jüngste Folge über Südafrika an. Am Sonntag, 17. Februar, 19.30 Uhr, widmet sich die Reihe „Terra X“ den Seychellen. Die Inselgruppe im Indischen Ozean, berühmt für ihre tropischen Strände, bewahrt unvergleichliche Naturwunder. Dort entdeckt Dirk Steffens überraschende Phänomene, die es nirgendwo anders gibt.

Roetz hat im Januar im Aldabra-Atoll Riesenschildkröten gefilmt, die dort in völliger Abgeschiedenheit leben. Die bis zu fünf Zentner schweren Tiere gehören zu den am längsten lebenden der Welt. Sie können mehr als 100 Jahre alt werden. Bei einem Exemplar konnte sogar ein Alter von etwa 250 Jahren nachgewiesen werden.

In kurzer Hose, den Sonnenhut auf dem Kopf, nähert sich Roetz mit seiner Kamera den Tieren. „Das Wasser ist unglaublich klar“, beschreibt er seine Eindrücke vom Strand. Im feinen weißen Sand stellt er sein Stativ auf, während die Schildkröte ihn neugierig mustert. Von ihr geht keine Gefahr aus.

Anders war dies bei Dreharbeiten in den Rocky Mountains im US-Bundesstaat Montana. Dort filmte Roetz an einem Fluss einen ausgewachsenen Grizzly aus nächster Nähe. „Bis auf acht Meter ist er an mich herangekommen, er hat aber nur geschnuppert und dann kehrt gemacht“, erzählt Roetz. Etwas mulmig sei ihm schon gewesen. „Man hat Respekt vor einem solchen Tier.“ Vor solchen Aufnahmen informiert er sich über das Verhaltensspektrum der entsprechenden Art, um in brenzligen Situationen richtig reagieren zukönnen. „Zum Glück ist noch nie etwas passiert“, erzählt er, „ich war noch nie in einer gefährlichen Situation“. Im Notfall hätten auch seine Kollegen eingreifen können.

Roetz, dessen Vater Nikolaus ebenfalls Kameramann war, hat mit dem Filmteam bereits ganz Europa bereist, Nord- und Südamerika, hat die schmelzenden Eismassen in Grönland dokumentiert, in Afrika Nashörner und Makaken aufgenommen. Die Vorbereitung einer Reise nimmt vier Monate in Anspruch. Die Dreharbeiten vor Ort für eine 45-minütige Sendung dauern dann zwei bis drei Wochen. Beteiligt sind neben Moderator Dirk Steffens der Regisseur, der Aufnahmeleiter, ein Tontechniker und ein Redakteur.

Die Dreharbeiten erfordern körperliche Fitness. Denn die Arbeitstage sind lang. Oft klingelt der Wecker schon mitten in der Nacht. Denn man muss früh aufstehen, wenn man entlegene Orte erreichen will. Und die Wege in der Wildnis sind meist nicht asphaltiert und auch nicht immer mit dem Jeep zu erreichen. Oft sind lange Fußmärsche notwendig, erzählt Oliver Roetz, und das unter extremen klimatischen Bedingungen: in der Kälte der Antarktis oder in der Hitze der Tropen. Seine Ausrüstung inklusive Drohnen und Unterwasserkamera wiegt etwa acht Zentner.

Mit diesem Gepäck geht es dieses Jahr noch nach Kamerun, Russland, Brasilien, Thailand, in die USA und in die Antarktis. „Ein Traumjob. Es ist ein Privileg, so arbeiten zu können“, sagt Roetz. Aber auch: „Es ist immer wieder schön, nach Hause zu meiner Familie zu kommen.“

Wohin fährt einer wie er in Urlaub? Hat er überhaupt noch Ziele? Mit der Familie geht es demnächst nach Island. Auch dort wird er eine kleine Kamera dabei haben. Ganz ohne Filmen geht es für einen leidenschaftlichen Kameramann halt nicht.

Die Sendung „Seychellen – Bewahrer verlorener Schätze“ ist am Sonntag, 17. Februar, 19.30 Uhr, in der ZDF-Reihe „Terra X“ zu sehen. Fotos von Oliver Roetz auf Instagram: #oliver_roetz

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