Ergotherapie, Gesprächsrunden und gemeinsame Ausflüge: Ohne Barrieren miteinander reden

Ergotherapie, Gesprächsrunden und gemeinsame Ausflüge : Ohne Barrieren miteinander reden

Mit neuen Öffnungszeiten und Angeboten öffnet sich das Sozialpsychiatrische Zentrum.

Wieder am alltäglichen Leben teilnehmen, sich mit anderen austauschen und Schritt für Schritt an der Umsetzung von Zielen arbeiten - das sind Wünsche, die viele psychisch erkrankte Menschen haben. Das Sozialpsychiatrische Zentrum (SPZ) in Meckenheim unterstützt sie dabei und präsentiert sich nun mit neuen Ideen und neuen Öffnungszeiten.

Seit dem 1. Juli ist die Tagestätte täglich von 9 bis 15.30 Uhr und freitags bis 13 Uhr geöffnet. Zuvor waren die Öffnungszeiten jeden Tag unterschiedlich. Die Tagesstätte ist ein Angebot für Menschen, die auf Grund ihrer Erkrankung erwerbsunfähig geworden sind.

Mit Ergotherapie, Gesprächsrunden und gemeinsamen Ausflügen soll den Betroffenen ermöglicht werden, wieder am Leben teilzunehmen und in kleinen Schritten zurück in den Alltag zu finden.

"Viele Erkrankte leben sehr zurückgezogen zu Hause", berichtet Christoph Grobelny, Sozialarbeiter in der Tagestätte. Sich aus dem Haus zu trauen und die Tagesstätte zu besuchen, sei für viele der Betroffenen schon die größte Hürde, sagt er.

Erleichtert wird dieser erste Schritt durch einen Fahrdienst, der die Leute abholt und auch wieder nach Hause bringt. "Manche haben Schwierigkeiten, unter Menschen zu sein, Kontakte zu knüpfen und Unterhaltungen zu führen," ergänzt er.

Bei den gemeinsamen Ausflügen lernen sie andere und auch ihre Umgebung kennen. Die Ergotherapie bietet handwerkliche Tätigkeiten, wie beispielsweise Arbeiten mit Speckstein oder das Gestalten von Mappen und Grußkarten. Auch wird gemeinsam gekocht und gebacken. "Viele Erkrankte können nicht äußern, was sie gerne machen", berichtet Ergotherapeutin Eva Schliefer.

So müsse man zunächst herausfinden, welche Interessen die Menschen haben. Dann berichtet sie von einer Frau, die auf Grund einer Depression nicht mehr gekocht hat, obwohl dies lange ihre Leidenschaft war. In der Ergotherapie habe sie gelernt sich wieder den Dingen zu widmen, die ihr wichtig sind. Inzwischen kocht sie wieder regelmäßig und auch für andere.

Die Tagesstätte gibt den Betroffenen nicht nur ein Stück Lebensqualität zurück, sondern sie gibt dem Tag auch eine klare Struktur. Zudem freut sich die Tagesstätte mit Sozialarbeiterin Kathrin Greuel über eine neue Kollegin. Heilerziehungspflegerin Melina Rümmler betreut seit vielen Jahren die Kontakt- und Beratungsstelle. Diese stellt ein niedrigschwelliges Angebot für alle Interessierten, Betroffene und Angehörige dar, die sich informieren möchten oder auch nach konkreter Hilfe suchen.

Rümmler erklärt, dass manche Betroffene sich mit ganz konkreten Problemen an sie wenden. "Ich kann am Kartenspiel nicht mehr teilnehmen, weil ich mich nicht mehr konzentrieren und mir die Regeln nicht mehr merken kann," so sehr hat eine psychische Erkrankung eine Person eingeschränkt. Manche seien auch nicht mehr in der Lage, ihre Erlebnisse in Worte zu fassen, berichtet Rümmler.

Jeden Montag und Mittwoch von 13.30 bis 15.30 Uhr bietet die Kontakt- und Beratungsstelle bei schönem Wetter die Möglichkeit sich im "Hofcafé" auszutauschen. Dieses Angebot richtet sich nicht nur an Betroffene, sondern an alle, die sich von der schönen Atmosphäre im Hof des SPZ an der Adolf-Kolping-Straße angesprochen fühlen, so Rümmler.

Auch wird ein Elterncafé angeboten, bei dem natürlich auch Kinder willkommen sind. Ein wichtiges Anliegen des SPZ sei es, Menschen mit und ohne Erkrankung in lockerer Atmosphäre zusammenzubringen, sagt Rodger Ody, Fachbereichsleiter am SPZ.

Immer noch gebe es Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen und auch für die Betroffenen sei der Kontakt zu gesunden Menschen wichtig. Dazu tragen nun auch öffentliche Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte und Vorträge bei. "Man merkt oft gar nicht, wer von den Gästen an einer Erkrankung leidet und wer nicht," so Ody. "Die Menschen sollen barrierefrei miteinander ins Gespräch kommen," sagte er.

Das Sozialpsychiatrische Zenttrum befindet sich an der Adolf-Kolping-Straße 5 in Meckenheim. Beratung unter der Rufnummer 02225/999760.