Blick in Rhein-Sieg-Kreis-Rathäuser: Mehr Frauen in der Chefetage

Blick in Rhein-Sieg-Kreis-Rathäuser : Mehr Frauen in der Chefetage

Frauen sind in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert. Ein jüngst erschienenes Rechtsgutachten im Auftrag der Landesregierung sieht deshalb eine verfassungsrechtliche Verpflichtung für eine effektive Frauenförderung.

Es kommt aber auch zu dem Schluss, dass starre, nicht leistungsbezogene Quoten, nach denen zwingend ein bestimmter Frauenanteil auf Führungsebene erreicht werden muss, nicht zulässig sind. Grundsätzlich gehöre zu einer modernen öffentlichen Verwaltung aber ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in Führungspositionen, teilte Landesinnenminister Ralf Jäger jüngst mit. Der GA hat sich umgehört, wie es in den linksrheinischen Verwaltungen um Frauen in Führungspositionen bestellt ist.

Regina ist nicht nur ein wohlklingender Vorname, sondern das lateinische Wort für Königin. Britta Röhrig (44), Leiterin des Fachbereichs Personal in der Meckenheimer Stadtverwaltung, fühlt sich zwar nicht als Königin, sie "residiert" aber mit ihrer zu 100 Prozent weiblichen Abteilung (sieben Frauen) im Reginahof, einer der Außenstellen des Meckenheimer Rathauses.

In der Apfelstadt sind weibliche Führungskräfte keine Exoten. In den Führungspositionen auf Fachbereichsleiterebene erreicht Meckenheim eine Quote von 50 Prozent - sieben von 14 Fachbereichen werden von weiblicher Hand geführt. "Ein Traumergebnis", findet Marion Lübbehüsen, Pressesprecherin der Stadt, und selbst Chefin des Fachbereichs für Öffentlichkeitsarbeit, Steuerungsunterstützung, Organisation und Ratsbüro.

Einer Quote verdanken die Führungsfrauen in Meckenheim ihre Spitzenposition nicht, weiß Personalchefin Röhrig. "Das liegt an der jeweiligen Qualifikation der Damen." Es handele sich samt und sonders um "gute Mitarbeiterinnen, die auch gefördert worden sind". Mit Kämmerin Pia-Maria Gietz oder Stadtplanungsleiterin Waltraud Leersch besetzen die sieben Fachbereichsleiterinnen weitere Schlüsselstellen der Meckenheimer Verwaltung.

Einen besonderen, weiblich zu nennenden Führungsstil pflegen die Chefinnen nicht, findet Röhrig. "Jede Person führt unterschiedlich", sagt die Stadtamtsrätin. Ausschlaggebend seien die Mitarbeiter. "Der eine braucht Streicheleinheiten, der andere eine klare Ansage." Aber: Womöglich seien Chefinnen mit empfindsameren Antennen ausgestattet, um ihre "Untergebenen" oder Vorgänge in der Abteilung besser wahrzunehmen. Insgesamt sind bei der Stadt Meckenheim 60 Prozent der Beschäftigen Frauen.

An diese Zahl kommt die Gemeinde Alfter nahezu heran: Frauen machen 59 Prozent der Beschäftigten aus. "Allerdings sind auch die Erzieherinnen der drei Kitas eingerechnet", sagt die Gleichstellungsbeauftragte Katrin Kühn. Der Frauenanteil relativiere sich ebenfalls beim Blick auf die Teilzeitbeschäftigten: Von 47 seien 44 Frauen. "Und das ist für mich einer der Gründe, warum die Frauen im höheren und gehobenen Dienst klar unterrepräsentiert sind", sagt Kühn.

Auf Fachgebietsleiterebene heißt das: Es ist nur eine Frau unter zwölf Männern. Eine erfreuliche Entwicklung kann Kühn hingegen bei den Dezernenten vorweisen. "Als ich 2009 angefangen habe, waren alle drei Dezernenten Männer. Heute sind es vier Dezernenten, zwei Frauen und zwei Männer." Dabei hatte die Gleichstellungsbeauftragte auch ihre Hände im Spiel. Denn eigentlich sollte es auf drei Männer und eine Frau hinauslaufen. Doch Kühn legte bei einer Personalentscheidung Veto ein, weil sie eine geeignete Frau sah.

"Die Politiker haben sich dann auch für sie ausgesprochen." Grundsätzlich erschwere auch die geringe Fluktuation bei den Beamten die Förderung von Frauen. "Wir haben nicht viele freie Stellen, nur wenn jemand in Pension geht", sagt Kühn. Bei Neubesetzungen laute die Devise aber: Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt. "Normalerweise ist diese Vergleichbarkeit schwierig, aber wir hatten schon einen Fall. Da haben wir uns bewusst für die Frau entschieden", sagt Kühn.

In der Stadt Bornheim ist die Ebene der Dezernenten komplett männlich, bei den Fachbereichen könnte es hingegen vielleicht bald ausgeglichen sein. Derzeit werden sie von vier Frauen und fünf Männern geleitet, eine Stelle ist aber noch im Besetzungsverfahren. Die Geschäftsbereiche werden von acht Frauen und 19 Männern geführt. Insgesamt beschäftigt die Stadt 324 Frauen und 111 Männer, wobei allein 165 Frauen im Sozial- und Erziehungsdienst arbeiten.

In Rheinbach liegt der Gesamtanteil der Frauen mit 132 der 256 Beschäftigten (52 Prozent) etwas niedriger. Die fünf Fachbereichsleitungen sind fest in Männerhand. "Das hängt auch damit zusammen, dass uns mit Sigrid Burkhart vergangenes Jahr eine Fachbereichsleiterin verlassen hat", sagt Stadtsprecher Peter Feuser. Eine Ebene darunter sieht es etwas anders aus: Vier der 13 Fachgebiete werden von Frauen geführt, darunter unter anderem das Ressort Kultur und Museen, aber auch die Rechnungsprüfung.

"Wir sind ganz gut aufgestellt", sagt Bernd Kreuer, Sprecher der Gemeinde Swisttal. So hat die Kommune mit Petra Kalkbrenner eine weibliche Beigeordnete, auf der Ebene der Fachgebietsleiter stehen vier Frauen sechs Männern gegenüber. Ihnen vorgesetzt sind allerdings auf der Ebene der Fachbereiche drei Männer. Insgesamt sind 45 Prozent der Beschäftigten weiblich - wobei sich der Baubetriebshof mit einer Frau und 21 Männern deutlich auswirkt.

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