Werner Lang: Meckenheimer wanderte etappenweise von Rheinbrohl nach Regensburg

Werner Lang : Meckenheimer wanderte etappenweise von Rheinbrohl nach Regensburg

Werner Lang ist ein echtes Energiebündel. Der braun gebrannte und athletisch gebaute 70-Jährige aus Meckenheim sprüht vor Begeisterung, als er von seinem Wanderprojekt erzählt, das in Rheinbrohl am Caput Limitis begann und in Castra Regina, Regensburg, am Limes endete.

Langs Ziel war es, bis zu seinem 70. Geburtstag am 9. Mai den gesamten deutschen Limeswanderweg bis Regensburg abzugehen - insgesamt 550 Kilometer. Und er hat es geschafft: In einem Zeitraum von vier Jahren legte er die Strecke etappenweise zurück.

Den gebürtigen Regensburger, der seit Jahrzehnten mit seiner Frau in Meckenheim lebt, Präsident der Oberpostdirektion Regensburg sowie später in Bonn Ministerialrat im Postministerium war, hat das Wandervirus 1956 befallen. Damals war Lang mit einer Jugendgruppe mit dem Rad nach Eining unterwegs, wo die Faszination für den Limes seinen Ursprung nahm.

Dort entstand sein Jugendtraum, den gesamten Limes, die Nordgrenze des Römischen Reiches, zu Fuß abzugehen. "Mich interessiert die Landschaft, die Geschichte nehme ich nebenbei mit", sagt Lang. "Ich wandere ganz altmodisch mit Wanderkarte und ohne GPS. Da bleibt einem mehr das Abenteuer erhalten, wenn man sich verläuft. Die Markierungen der Wanderwege sind nämlich durchaus verbesserungswürdig", erzählt er.

Auf seiner Reise durch Felder, Wiesen und Wälder war er in der Rheinpfalz, Hessen und Bayern unterwegs. Er durchquerte Regionen wie den Westerwald, den Taunus, die Wetterau, den Odenwald, den Schwäbischen Wald, die fränkische Seenplatte, das Altmühltal und die Jura. "Ich war minimalistisch unterwegs. So wenig Ballast wie nötig. Zwei 0,5 Liter Flaschen Wasser, gescheit gefrühstückt, das reicht bis zum Abend", erklärt Lang in bayerischem Dialekt, der ihm auch nach so langer Zeit im Rheinland erhalten blieb.

Die Übernachtungsmöglichkeiten, die er jedoch vorab gebucht hatte, sollten möglichst in der Nähe des Limes liegen. So war vom Matratzenlager am Campingplatz Dennenloher See und der Suite Marc Aurel im Hotel Bischofshof alles dabei. Mit rund zehn Kilo bepackt war Werner Lang jeden Tag bis zu 20 Kilometer unterwegs.

"Bei der Faszination am Wandern vertrete ich die These des Autors Ulrich Grober des Buches ?Vom Wandern: Neue Wege zu einer alten Kunst?", erklärt er: "Einfach verschwinden, loslassen, vom Weg abweichen, souverän über Zeit und Raum verfügen, alles, was man braucht, im Rucksack dabei haben."

Lang hat es geschafft, pünktlich zu seinem Geburtstag die Stufen der Porta Praetoria in Regensburg hinaufzuschreiten. Für die letzte Etappe wartete er zusammen mit dem "Legionär" Josef Geisberger von der Gruppe "Monumentum vividum" auf. Der Archäologie-Student hatte im Selbstversuch mit originalgetreu selbstgefertigter Ausrüstung auch eine Wanderstrecke auf sich genommen.

Langs Frau Carolina erwartete den Wanderer oberhalb der Porta Praetoria und ließ ihm eine besondere Ehre zuteil werden: Mit einem handgeflochten Lorbeerkranz aus dem eigenen Garten begrüßte sie ihren Mann, der humpelnd ins Ziel kam. Lang war am dritten Tag seiner Reise beim Fotografieren über eine Wurzel gestolpert und gestürzt. Er hatte sich, wie ein Arzt in Meckenheim später festgestellte, die Hand angebrochen und sich einen Knorpelschaden am Knie zugezogen. Aber - ganz der Kämpfer mit eisernem Wille - brach er sein Projekt nicht ab, sondern ging mit Hilfe von Schmerzmitteln weiter.

Der Wanderfreund geht stets allein. Er hat sich bereits den Goldsteig, den Rothaarsteig, den Jurasteig, den Rennsteig und den Eifelsteig vorgenommen, und er möchte immer noch nicht mit dem Wandern aufhören. Sein Projekt der Zukunft: Über die Alpen zu gehen. "Davon träume ich. Die kastrierte Version davon wäre der Wanderweg von Oberstdorf nach Meran oder aber der König Ludwig Weg in München. Den gehe ich ganz bestimmt", sagt Lang. Selbst mit künstlicher Hüfte.

Mehr über Werner Lang und den Limes-Wanderweg unter www.limeswanderweg.info

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