Auszeichnung: Meckenheimer Meinolf Schleyer erhält den Rheinlandtaler

Auszeichnung : Meckenheimer Meinolf Schleyer erhält den Rheinlandtaler

Meinolf Schleyer erhält am Montag für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement den Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland.

Als er noch in seinem Beruf als Diplom-Ingenieur tätig war, war seine Freizeit knapp, berichtet Meinolf Schleyer. Doch mit dem Eintritt in den Ruhestand 1999 änderte sich das für den damals 63 Jahre alten Meckenheimer. Jedoch weiß er diese Zeit gehaltvoll zu nutzen: Die Familienforschung wurde sein erstes Hobby, das er intensiv betrieb. Den Anstoß, dem Meckenheimer Heimatverein beizutreten, habe seine Vorliebe fürs Wandern gegeben. Auf der Suche nach Gesellschaft seien er und seine inzwischen verstorbene Frau auf dessen Angebot gestoßen. 2001 wurde Schleyer Mitglied. 2003 war er bereits Vorsitzender. Unter seiner Federführung und mit seinem besonderen Einsatz hat sich der Verein in den vergangenen 15 Jahren um die Meckenheimer Geschichte verdient gemacht. Für sein ehrenamtliches Engagement für die Ortsgeschichte in Meckenheim und Umgebung wird der 81-Jährige am Montag im Rathaus mit dem Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) ausgezeichnet.

„Ich hatte immer Mitstreiter“, betont Schleyer, räumt aber ein: „Bestimmte Dinge muss man alleine machen“. Gemeint ist die zeitintensive Fleißarbeit in Archiven. Darin hat er ausgiebig Erfahrung gesammelt, als er sich auf seine erste Spurensuche begab, der Suche nach den eigenen Wurzeln. Bis ins 15. Jahrhundert zurück kennt der gebürtige Westfale seine Vorfahren. Da, wo die Kirchenbücher aufhören, müssen mündliche Überlieferungen als Grundlage der Forschung dienen. „Man lernt bald, den Wahrheitsgehalt solcher Überlieferungen einzuschätzen – besser ist es, man kann zwei Zeitzeugenberichte vergleichen“, sagt Schleyer über die menschliche Schwäche, Dinge aus eigenem Blickwinkel zu betrachten.

Der Reiz der Geschichte

Auch die Vergangenheit anderer Familien hat Schleyer intensiv erforscht, so die seiner Namensvettern rund um den Prälaten Johann Martin Schleyer. Der visionäre Pionier hat eine erste Plansprache, die Sprache „Volapük“, erfunden. Zu seinen Nachfahren gehört der 1977 ermordete Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. „Mich reizt es, die Geschichte anderer Menschen und das soziale Gefüge der Zeit kennenzulernen“, erklärt Schleyer. „Vielleicht wiederholt sich Geschichte nicht, aber meiner Erfahrung nach wiederholt sich der Mensch“.

Das erste größere Kulturprojekt des Heimatvereins unter Schleyers Vorsitz war die Restaurierung eines alten Bildstocks in Ersdorf im Jahr 2008, der den Verein heute wieder beschäftigt. Jetzt soll die Kreuzwegstation nämlich einen Regenschutz erhalten, der von der Meckenheimer Bürgerstiftung finanziert werde, berichtet Schleyer. Ausgesucht habe er sich die Aufgaben nicht, die der Verein in Angriff nehme. „Ich habe aus der Notwendigkeit heraus gehandelt.“

Erkenntnisse in Zeittafeln zusammengefasst

Ein Mammutprojekt des Heimatvereins und für Schleyer die Gelegenheit, seine Technikkenntnisse als gelernter Werkzeugmacher und Diplom-Ingenieur einzubringen, war die Restaurierung des Glockenspiels am Neuen Markt. Die Großplastik des Künstlers Helmut Landers, die sich im Besitz der Stadt befindet, war nicht mehr funktionsfähig. Doch seit 2011 erklingt das Glockenspiel wieder.

Naheliegend sei es gewesen, sich mit dem jüdischen Friedhof und der jüdischen Gemeinde in Meckenheim zu beschäftigen, denn „über Jahrhunderte lebten hier jüdische Bürger“, so Schleyer. Allerdings habe er seine Recherchen rund um die Geschehnisse im Nazi-Deutschland aus Betroffenheit einige Male unterbrechen müssen. „Ich war schockiert, was Menschen ihren Mitmenschen antun.“ Die Erkenntnisse der Geschichtsforschungen hat der Heimatverein am jüdischen Friedhof, genauso wie am Alten Friedhof, einem jüngeren Vereinsprojekt, in Zeittafeln zusammengefasst, so dass sie von den Bürgern im Vorbeigehen gelesen werden können.

Viel zu tun gebe es weiterhin am Alten Friedhof, sagt Schleyer und nennt als Beispiel die Restaurierung der Leichenwagenremise. Auch halte er ein wachsames Auge auf den Friedhof im Hinblick auf Veränderungen im Umfeld – zum Beispiel den bevorstehenden Ausbau der Bonner Straße. „Da, wo Denkmal draufsteht, sollte auch Denkmal drin sein“, so Schleyer.

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